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Höchstadt a. d. Aisch

Seine Hände hat man immer

Was will ich einmal beruflich machen? Ausbildung oder Studium? Das sind Fragen, die sich Schüler irgendwann stellen müssen. Zimmerermeister Richard Betz will ihnen Mut machen und zeigen, dass das Handwerk eine tolle Wahl sein kann.
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Während Richard Betz alias Paul Balmer von seinem Weg zum Traumberuf erzählt, baut er ganz nebenbei eine Brücke.  Fotos: Theresa Schiffl
Während Richard Betz alias Paul Balmer von seinem Weg zum Traumberuf erzählt, baut er ganz nebenbei eine Brücke. Fotos: Theresa Schiffl
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Theresa Schiffl "Achtet darauf, dass ihr das, was ihr macht, gut und gerne macht", sagte Zimmerermeister Richard Betz aus Ersen zu den 150 Schülern der neunten Klassen und Mittlere-Reife-Klassen der Ritter-von-Spix-Schule. Er führte das Stück "Mit Herz und Hand" vor, und versuchte, so zu vermitteln, warum ein Handwerksberuf etwas Tolles ist. Mit dem Vorurteil "Wer nichts studiert hat, hat verloren" räumte er ebenfalls auf. Denn die Figur Paul Balmer muss die traurige Erfahrung machen, dass man auch mit einem Studium, einem tollen Job bei der Bank mit einem richtig hohen Gehalt nicht glücklich wird. Balmer kommt nach vielen Höhen und Tiefen, einer wiederentdeckten Jugendliebe und einer Gefängnisstrafe zur Erkenntnis: "Wenn du nichts hast, hast du immer noch deine Hände."

Traumberuf durch Umwege

Balmer merkt, dass er etwas an seinem Leben ändern muss und beginnt noch einmal eine Lehre als Zimmerer. Dabei findet er seine wahre Berufung und wieder mehr Zufriedenheit. Nachdem das Stück zu Ende ist, nimmt sich Betz Zeit, Fragen zu beantworten. Stolz und vor allem glücklich sagt er: "Den coolsten Beruf habe ich." Aber warum? Das und wie er auf die Idee für "Mit Hand und Herz" gekommen ist, hat er dem Fränkischen Tag im Interview beantwortet. Herr Betz, Sie sind Zimmerermeister. Wie sind Sie zu diesem Handwerk gekommen? Richard Betz: Ich habe erst Architektur studiert, aber auch währenddessen immer etwas mit Holz gemacht. Dann habe ich auch mit einer Lehre begonnen. Nach meinem Studium arbeitete ich noch in einem Architekturbüro, habe mich dann aber für meinen eigenen Betrieb und die Zimmerei entschieden. Was macht Ihnen an dem Beruf Spaß? Die Vielfalt des Berufs: Das Aufgabengebiet ist riesig. Es wird nie langweilig. Bei jeder neuen Aufgabe wird man wieder gefordert. Und, dass man sieht, was man gebaut hat. Auf Baustellen haben wir zufällig festgestellt, dass wir immer an so einem Ort Pause machen, dass wir unser Werk sehen können. (lacht) Außerdem ist es schön, in so kleinen Teams zu arbeiten. Warum ist das Handwerk so wichtig? Das sind gefragte Stellen, heute muss man lange auf Handwerker warten. Das Handwerk muss mit dem Studium gleichstellt werden. Außerdem ist es für Jugendliche eine große Chance und sie werden auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleitet. Am Anfang ist es für die Auszubildenden immer eine Herausforderung. Deshalb habe ich im Theaterstück vieles von meinem ersten Arbeitstag miteinfließen lassen. Aber mit jedem Monat können sie mehr und werden stolzer. Aktuell habe ich drei Lehrlinge und es ist eine wahre Freude. Wie sind Sie auf die Idee für das Theaterstück gekommen? Es ist mein zweites Theaterstück. Das Erste war aber nicht so gut, da die Idee dafür total spontan war. "Mit Herz und Hand" war aber geplant. Ich habe einfach gemerkt, dass man Jugendliche gezielt ansprechen muss. Ich habe dann mit Schulen, Handwerkerschaften und auch Profis für Dramaturgie vom Jugendtheater gesprochen und zusammengearbeitet. Das wurde dann ein richtiger Erfolg ich führe es nun schon seit sieben Jahren in ungefähr zehn Ländern auf. Was ist die wichtigste Aussage des Stücks? Das Hauptthema bei "Mit Herz und Hand" ist: Wie finde ich meinen eigenen Weg im Leben? Um diese Frage zu beantworten, gibt es drei Schritte: Suche nach deinen Träumen, stelle dich deinen Ängsten und habe den Mut, den ersten Schritt zu wagen. Die Fragen stellte Theresa Schiffl.