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Gemünda

Seelsorger hinterlassen eine Lücke

Das Pfarrer-Ehepaar Neeb wechselt zum Jahresbeginn nach Ebersdorf bei Coburg. Am kommenden Sonntag werden beide in Gemünda feierlich verabschiedet.
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Nach 15 Jahren verlassen die beiden Geistlichen Kathrin und Andreas Neeb die Kirchengemeinde Gemünda und wechseln zu ihrem neuen Wirkungskreis der Kirchengemeinde Ebersdorf bei Coburg mit der St.-Laurentiuskirche.  Foto: privat
Nach 15 Jahren verlassen die beiden Geistlichen Kathrin und Andreas Neeb die Kirchengemeinde Gemünda und wechseln zu ihrem neuen Wirkungskreis der Kirchengemeinde Ebersdorf bei Coburg mit der St.-Laurentiuskirche. Foto: privat

Die Nachricht überraschte im Herbst viele: Nach 15 Jahren verlässt das Pfarrerehepaar Kathrin und Andreas Neeb zum 31. Dezember die Kirchengemeinde Gemünda, um zum Jahresbeginn 2020 gemeinsam eine neue Stelle in Ebersdorf anzutreten. "Nach 15 guten Jahren ist es für uns an der Zeit für neue Herausforderungen", erläutert Andreas Neeb. "Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge", gesteht seine Frau. Nicht missen möchte das Ehepaar die "vielen bereichernden Begegnungen, Erfahrungen und Veranstaltungen" der letzten anderthalb Jahrzehnte.

Die gegenseitige Wertschätzung zwischen Gemeinde und den beiden Theologen, die sich die Pfarrstelle teilten, ist spürbar. Stadtrat Carsten Höllein meint: "Das Ehepaar Neeb hat sich bei der Entwicklung der Passionsspiele als Aushängeschild der Dorfgemeinschaft Gemünda verdient gemacht, das Dorf kulturell mit dem Projekt ,12[W]ORTE‘ bereichert und mit der Renovierung der Kirche für Jahrzehnte bleibende Spuren hinterlassen." Die gute Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand betont Vertrauensfrau Stephanie Voit (Autenhausen): "Bei der Organisation von Veranstaltungen oder Gemeindefesten konnten wir uns stets aufeinander verlassen." Highlights waren für die Lektorin auch der Glaubenskurs "Emmaus" und die "Johannes-Kirche", ein "etwas anderer Gottesdienst", den sie mit Neebs hauptverantwortlich mehrere Jahre lang gestaltete. Stadträtin Gudrun Jöchner hebt das Menschliche hervor: "Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Vorbildlich war das Ehepaar Neeb immer zur Stelle und ansprechbar, wenn es um kirchliche Belange ging." Jöchner weiter: "Nicht nur Dienst nach Vorschrift machen, sondern diesen an den Bedürfnissen der Kirchengemeinde orientieren."

Gelungene Renovierung

Eine bleibende Erinnerung an Neebs' Pfarrtätigkeit stellt die frisch sanierte Johanneskirche dar. "Vor allem die künstlerische Neugestaltung des Chorraumes schafft die Möglichkeit, diesen liturgisch zu nutzen", erläutert Hendrik Dressel. Der langjährige Vorsitzende der Stiftung "1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda" begrüßte sehr, dass Neebs diese als Mitglied der Jury einbanden. Als Vertreter der Kirchengemeinde schätzte er Andreas Neeb als "sehr aktives und engagiertes Mitglied im Stiftungsrat". Dieser freut sich selbst über die gelungene Renovierung, zumal diese im geplanten Zeit- und Budgetrahmen blieb. Vor allem aber zeigten "die vielen positiven Reaktionen von Gemeindegliedern und Besuchern, dass das neue Konzept aufgegangen ist". Aber schmerzt es die beiden nicht, gerade jetzt, nach erfolgreichem Abschluss der Maßnahme zu gehen? "Es ist im Gegenteil so, dass wir mit einem Gefühl der Dankbarkeit gehen, wenn wir auf den neu gestalteten Kirchenraum sehen", widerspricht Kathrin Neeb, "schließlich haben wir alle gemeinsam Zeit und Fantasie, Kraft und Herzblut eingebracht." Sie fügt hinzu: "Nicht, damit mein Mann und ich einen wunderbaren Arbeitsplatz haben, sondern damit Menschen hier weiterhin eine geistliche Heimat finden und neue Impulse für ihren Glauben bekommen."

Als "Berater und Ideengeber" (Jöchner) brachte sich das Theologen-Paar immer wieder im Dorf ein. Kathrin Neeb habe durch ihre charismatische Erscheinung zum Erfolg Gemündas im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft" beigetragen, erinnert Dressel. 2006 wurde Gemünda Bezirkssieger und erhielt auf Landesebene eine Silbermedaille. Der "Garten der Sinne" im Umfeld der Kirche wurde im Vorfeld durch die Kirchengemeinde gestaltet. Künstler Gerd Kanz schuf eine Stele, die vor der Johanneskirche in Gemünda im Garten der Sinne steht. Die Wiederherstellung der Quelle "An der Heiligenleite" wurde sehr eng durch Pfarrer Neeb begleitet, ebenso wie die Tradition der Adventsfenster und der Passionsspiele. Dressel sagt: "Neebs haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Kirchengemeinde Gemünda nicht nur verwaltet, sondern als lebendige Gemeinde gestaltet wurde."

Große Nähe zu den Menschen

Aus "ganzer Überzeugung" seien sie Dorfgeistliche geworden, berichtet die gebürtige Essenerin: "Denn hier ist die Nähe zu den Menschen besonders groß." In Gemünda hätten sie viele engagierte Menschen vorgefunden, die mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Interessen das Leben der Gemeinde bereicherten. Kathrin Neeb: "Die christliche Gemeinde lebt ja nicht von Pfarrerinnen und Pfarrern oder anderen beruflich Mitarbeitenden allein, sondern davon, dass jede und jeder Einzelne das Miteinander trägt."

Mit der Pfarrstelle verlassen die Theologen auch ihre Funktionen im Dekanat Michelau. Es war für die Arbeit mit den Partnern in Tansania zuständig. "Die persönlichen Begegnungen mit den dortigen Schwestern und Brüdern haben mich nachhaltig geprägt", sagt Andreas Neeb. Besonders wichtig sei ihm der Blick über den eigenen Tellerrand geworden, sagt der 53-Jährige.

Seine Frau ist in der dritten Amtsperiode gewähltes Mitglied im Dekanatsausschuss. Seit zwölf Jahren vertritt sie die Region auch in der Landessynode, gerade erfolgte ihre Wiederwahl. Sie meint: "Es ist zum Segen aller, wenn wir uns - über Gemeindegrenzen hinweg - gegenseitig wahrnehmen und zusammenarbeiten."

"Wir möchten uns schon jetzt bei allen für die gemeinsame Zeit bedanken", sagt Andreas Neeb. "Wir danken Gott, dass er die Gemeinde und uns bis hierher geführt hat", ergänzt seine Frau. Beide sind sich gewiss, "dass Gottes Segen die Menschen in der Kirchengemeinde Gemünda und uns in Ebersdorf weiter begleiten wird". Ob die Lücke, die das Pfarrerehepaar hinterlässt, in absehbarer Zeit zu schließen sein wird, wagt Jöchner ebenso wie ihr Kollege Höllein zu bezweifeln: "Auch deshalb bedauern wir ihren Weggang sehr." Höllein befürchtet aufgrund der Einsparungen bei der evangelischen Kirche in Bayern, dass Kirchengemeinden zusammengelegt werden und Gemünda davon betroffen ist. "Sollte die Pfarrstelle Gemünda tatsächlich nicht wieder besetzt werden, so wäre das ein großer Verlust und würde die Lebens- und Wohlfühlqualität in der Kirchengemeinde Gemünda deutlich mindern", schildert Voit ihre Befürchtungen. Die Vakanz-Vertretung wird Pfarrerin Birgit Paulmaier (Tambach) übernehmen.

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