Bad Staffelstein

Schweine an der Stadtmauer

Stadtarchivarin Adelheid Waschka referierte über die Historie des Staffelsteiner "Kastenhofs".
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Georgenkapelle grüßt Stadtmauer Foto: Mario Deller
Georgenkapelle grüßt Stadtmauer Foto: Mario Deller

Das Anwesen eines im Auftrag des Landesherrn tätigen Verwalters, unweit davon entfernt eine Schmiede und Schweineställe - heute können wir uns ein solches architektonisches Miteinander im Herzen der Adam-Riese-Stadt kaum noch vorstellen. Umso interessierter verfolgten rund 40 Zuhörer die Ausführungen von Stadtarchivarin Adelheid Waschka im Stadtmuseum. Im Rahmen ihrer Vortragsreihe "Bad Staffelsteiner Straßennamen" ging sie diesmal auf den "Kastenhof" ein.

Der heutige Straßenname "Kastenhof" ist in Zusammenhang mit früheren bürokratischen Vorgängen zu sehen. Als Kastenamt oder auch Rentkammer wurden späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit Behörden bezeichnet, die Einkünfte des Landesherrn verwalteten. Der bestellte "Kastner" wurde mit der Aufsicht und Verwaltung des herrschaftlichen Kammerguts beauftragt, also auch des "Kastens", sprich dem Speicher, wo die Naturalabgaben der Untertanen zusammenflossen.

Einen herrschaftlichen "Kastenhof" wie etwa in Weismain gaben die beengten räumlichen Verhältnisse rund um die Georgenkapelle aber nicht her. Deshalb, so ließ Waschka wissen, wurde in der Lichtenfelser Straße einst ein Grundstück erworben, um hier ein domkapitelsches Amtshaus zu errichten. Beim "Kastenhof" handelte es sich einst um einen strategisch gut gelegenen Burgstall.

Historische Zehntkarte

Waschka präsentierte eine historische Zehntkarte aus dem Jahr 1504. Heute an dortiger Stelle stadtbildprägend ist die Georgenkapelle, die, 1413 erstmals erwähnt, damals zum Kastenhof gehörte, umgeben von Zehntscheunen des Domkapitels. Nach dem Stadtbrand von 1684, der von der Stadtarchivarin auch thematisiert wurde, erfuhr das kleine Gotteshaus 1728 einen Neuaufbau. Ein eminent wichtiges Datum war für die "Georgsbrüder", die Kapitulare des Bamberger Doms, die Verleihung des Marktrechts für Staffelstein per Siegelurkunde am 5. April 1130 durch König Lothar III. Wie die Referentin erläuterte, gab die Gemahlin des Königs, Richiza, hierzu den Anstoß.

Nach dem großen Stadtbrand wies die dortige Besiedlung jahrzehntelang Lücken auf. Überhaupt vermittelten die Ausführungen der Stadtarchivarin auch Einblicke, was gesellschaftliche Normen im Wandel der Zeit betrifft. So übergab laut einer Aufzeichnung 1816 ein Schreiner an seinen Sohn ein Anwesen am Kastenhof gegen Zahlung von 300 Gulden. "Das war damals so üblich, quasi als Versorgung für den Vater, denn eine Rentenversicherung gab es zu jener Zeit noch nicht." Ferner erfuhren die Zuhörer, dass man zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch zwingend über ein Grundstück verfügen musste, um in Staffelstein heiraten zu dürfen.

Dumme-Jungen-Streich

Am Kastenhof lebten, wie Wohnlisten beweisen, im Laufe der Zeit auch Wegewarte, Schmiede oder - praktisch für das "Bären-Wirtshaus" nebenan - auch beispielsweise im 19. Jahrhundert auch der Büttner Nikolaus Stumpf. Ein älterer Herr, Jahrgang 1947, erinnerte sich an einen Dumme-Jungen-Streich, als Fünftklässler eine Scheune am Bären-Anwesen in Brand setzten, weil sie die örtliche Feuerwehr, die gerade eine Übung abgehalten hatte, nachahmen wollten. Das Publikum dankte mit Applaus der Referentin für den für Fachleute wie heimatgeschichtlich Interessierte wertvollen Vortrag.

Die Vortragsreihe Waschkas soll fortgesetzt werden. KIS-Vorsitzender Hermann Hacker kündigte an, dass, wenn die "Alte Darre" wieder nutzbar sei, der Bereich Bamberger Straße/Spitalhaus beleuchtet werden soll. Außerdem nahm er die Gelegenheit wahr, um auf einen weiteren Vortrag des Arbeitskreises Archäologie hinzuweisen: Am Freitag, 3. Mai, geht Karl-Heinz Gertloff auf archäologische Spuren am Staffelberg und auf Laser-Scanning ein.

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