Strullendorf

Schwein muss sein am Stammtisch

Der Geisfelder Hobbykünstler Wilhelm Odenbach schnitzt gern - und veredelt so auch seine Lieblingsbrauerei.
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Wilhelm Odenbach am urig gestalteten Stammtisch Foto: Annette Gropp
Wilhelm Odenbach am urig gestalteten Stammtisch Foto: Annette Gropp

Das Holz hat der Biber geschält, die Schnitzerei Wilhelm Odenbach erledigt. Mit dem nagelneuen Objekt des Geisfelder Hobbykünstlers wird seit dem Frühsommer der Stammtisch der momentan einzigen ortsansässigen Lieblingsbrauerei Griess markiert.

Dass die aktuellste Arbeit von Willi Odenbach als besonders dringendes Bekenntnis zum Brauchtum zu verstehen ist, liegt nicht nur an den markanten Abmessungen. Der Tisch auf dem Tisch dient als hölzerne Spielwiese für alles, was das fröhliche Kneipenhockerherz freut: Das Bierseidla mit dem opulent definierten Schaum, die stilisierten Schafkopfkarten, der sechseckige Brauerstern, die Bayernraute und das Frankenwappen bilden ein spannendes Szenario, innerhalb dessen sich allerdings ein echter Favorit herauskristallisiert hat.

Dank liebevoll ausgearbeiteter Anatomie ist die wilde Sau, die Wilhelm Odenbach hier raus- und raufgelassen hat, definitiv ein Keiler. Und der dient nicht nur als Glücksbringer, sondern auch als feines Behältnis für eine Schnupftabak-Dose - mit abnehmbarem Deckel und Goldknauf am markanten Schweinerücken.

Beim Gesamtkunstwerk aus Platane und Wildapfelholz ist sogar die Kette mit der Stammtischaufschrift handgeschnitzt. Und zu den vielen kleinen Details am Rande gehören auch die Initialen der beiden Braumeister, die sich das Kunststück ausdrücklich gewünscht hatten.

Herzensangelegenheit

Weil der Künstler mit der Idee der Brauer einverstanden ist, sieht er diese ganz spezielle Auftragsarbeit auch als Herzensangelegenheit. Schließlich soll eine ländliche Brauwirtschaft nach Odenbachs Vorstellung nicht nur Ausflügler zum Kurztrip einladen, sondern immer auch zweites Wohnzimmer für Einheimische bleiben. Als Ort zum Chillen, zum Reden und zum Karten, eben als Treffpunkt und als schöner Brauch, der unbedingt leben soll.

Das Bekenntnis zur Brauchtumspflege zieht sich ohnehin wie ein roter Faden durch das künstlerische Leben von Wilhelm Odenbach. Die Schnitzerei entdeckte er noch während seiner Berufstätigkeit im IT-Bereich als Kontrastprogramm und lebt sie inzwischen komplett. Inspiriert von den Bildern des österreichisch-fränkischen Zeichners Hans Liska und verführt von dessen Bild der Geisfelder Hexen beschloss er vor ungefähr zehn Jahren, die Führungsposition der magischen Frauen im Geisfelder Fasching auszubauen und aufzuwerten: Dank seiner Kreativität und Kunstfertigkeit mit dem Schnitzwerkzeug haben die selbst erdachten Hexenmasken im Ort inzwischen Kultstatus. Sie werden jedes Jahr zum Faschingszug mit Maximal-Spaß an allerschönster Grauslichkeit angelegt, auf die Straße gelassen und immer wieder neu gefeiert. Und erhalten auch heute noch ab und zu detailverliebten Zuwachs.

Neben Bierdeckeln, Krippenfiguren, Familienwappen, Hochzeitsherzen, Apfelweibla und Co. zählt das geschnitzte Stammtisch-Bekenntnis zu den größeren Arbeiten des Künstlers, der sich seine Kunstfertigkeit selbst beigebracht hat. Wilhelm Odenbach arbeitete an seinem aktuellen Großprojekt ungefähr eine Woche - "und das, ohne die Stunden zu zählen". Wie lange der Biber fürs Schälen des verwendeten Holzes brauchte, ist allerdings nicht bekannt.

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