Laden...
Bamberg

Schwedisches Qualitätsmetall

3200 Liebhaber der harten Gangart genießen in der Bamberger Arena eine fulminante Hammerfall-Show.
Artikel drucken Artikel einbetten
Oscar Dronjak (rechts mit Gitarre) und Joacim Cans geben den Ton bei Hammerfall.  Fotos: Helmut Ölschlegel
Oscar Dronjak (rechts mit Gitarre) und Joacim Cans geben den Ton bei Hammerfall. Fotos: Helmut Ölschlegel
+2 Bilder

Die Schweden sind ja bekannt für ihre Fertigkeiten bei der Metallverarbeitung. Zeugnis dafür legte am Freitagabend auch die Power-Metal-Band Hammerfall ab, da die Skandinavier rund 3200 in Verzückung versetzten. Nach Prag am Vorabend die zweitgrößte Besucherschar der laufenden Europatournee.

Trotz der unverhohlenen Sympathie für die Landsfrau Greta, die Gitarrist und Bandgründer Oscar Dronjak im Gespräch mit dieser Zeitung zum Ausdruck brachte ("Der Klimawandel ist keine politische Streitfrage, sondern ein Thema, das jeden angeht"), hielten es die fünf Schweden mit dem schonenden Umgang mit Ressourcen nicht so genau. Viel Power schoss da durch die Kabel und Venen, Feuersäulen züngelten nur so gen Hallendecke, Magnesiumbomben ließen es krachen, Konfetti-Kanonen ergossen ihre Ladung übers Volk.

Die Göteborger gehören zu den Stammgästen bei Metaller-Treffen im Frankenland wie auch in Wacken und zeigen, wo der Hammer hängt: Kompromiss- und schnörkelloser Rock, atemberaubend, perfekt dargeboten und inszeniert. "Das ist die bislang größte Produktion in unserer Bandgeschichte", hatte Hammerfall im Vorfeld angekündigt, und Oscar Dronjak, der als einziges Gründungsmitglied noch mit von der Partie ist, erklärte im Interview auch warum: Mit dem aktuellen Werk "Dominion" habe die Band nach elf Langspielplatten ein perfektes Ergebnis abgeliefert, das ohne zeitlichen Druck entstanden sei und deshalb ein relaxtes Arbeiten im Studio möglich gemacht habe, da die Kompositionen vier Monate vorher schon alle fertig gewesen seien. "Ich habe überall geschrieben, wenn mich die Muse küsste - zu Hause, im Urlaub mit der Familie, bei jedem erdenklichen Anlass."

In Schwarz gewandet

Die Fans sehen das nicht anders. Sie kamen aus ganz Nordbayern nach Bamberg, teils um am Samstag zur nächsten Metaller-Konferenz nach Würzburg weiterzureisen. Die Männer und Frauen in Schwarz, meist von oben bis unten tätowiert, flößen nur beim ersten Blick Respekt ein. Beim Plausch wird schnell deutlich, dass es sich um harmlose Zeitgenossen handelt, die nur für einen Abend mal "die Sau rauslassen wollen". So wundert es nicht, dass sich Freddie über die vielen Sicherheitskräfte wundert. "Bei Metal-Konzerten gibt's doch keinen Ärger!" Kann man sich auch nicht vorstellen, da just in diesem Moment ein Ehepaar aus Neubrunn vorbeiflaniert, das dort bei den Dorfmusikanten Oboe spielt.

Seit 2001 hat der Freddie aus Pegnitz Hammerfall bei jeder Tournee live erlebt. "Das ist mein elftes Konzert", rechnet er vor. "Einmal habe ich sie sogar zwei Mal gesehen." Zweimal? Warum das denn? Natürlich wegen Wacken, wo die Skandinavier auch zur Stamm-Besetzung zählen. Dort waren fast alle der Besucher in Bamberg auch schon gewesen, wie deren T-Shirts stolz verkünden. Als "Wiederholungstäter" outet sich auch Peter aus Lichtenfels, der zum dritten Mal ein Konzert der Schweden besucht.

Mit Hammerfall verbindet Freddie viel. Nicht nur, dass er seine Freunde aus Pegnitz trifft, die 40-köpfig mit einem Bus angereist waren. Denn Freddie wohnt nicht mehr in der mittelfränkischen Heimat. Ein klarer Fall von Hammerfall: "Beim Konzert in Lichtenfels 2001 habe ich dort meine jetzige Frau kennengelernt." Die hat er gleich am nächsten Tag nach Nürnberg in die "Rockfabrik" eingeladen und dann "ging es so nach und nach weiter". Jetzt bauen sie ein gemeinsames Heim in Kasendorf, wo die Ehefrau am Valentinstag darbte, weil sie am nächsten Morgen arbeiten musste, derweil Freddie von Bamberg aus weiter gen Würzburg düste.

Lange Beziehungen

Sie verpasste also eine opulente Show mit zwei Vorgruppen, wobei die Power- und Frontfrau der Battle Beast, die Finnin Noora Louhimo, bei einem der 20 Songs nochmals bei den Headlinern einspringt und auf der Bühne herumtollt, während die Hammerfäller in perfekter Choreographie und Synchronität sowie merkwürdigen Gitarren zum Headbanging ansetzen. Wer den Kopf nicht schüttelte war Gaby Heyder als Veranstalterin. "Wir haben wirklich seit Jahrzehnten eine gute Beziehung zum Hammerfall-Management, wo es kaum personelle Veränderungen gab." Deswegen zieht's die Schweden auch immer wieder nach Franken. Und Stolz schwingt schon mit. "Wir hatten die meisten Besucher aller Gastspielorte in Deutschland", wurde Heyder von der Band gelobt.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren