Igensdorf

Schwammspinner soll weichen

Großflächig wurden die Raupen in einem Wald bei Rüsselbach mit einem Hubschrauber bekämpft. Das Veto wegen der dort beheimateten Brandtfledermaus wurde zurückgenommen.
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Ein Hubschrauber kreiste über Rüsselbacher Flur und versprühte ein Insektizid, um die Raupen des Schwammspinners zu vernichten. Foto: Malbrich
Ein Hubschrauber kreiste über Rüsselbacher Flur und versprühte ein Insektizid, um die Raupen des Schwammspinners zu vernichten. Foto: Malbrich

Es wirkte gespenstisch, als vor zwei Tagen ein Hubschrauber mit beidseitiger Sprühvorrichtung über einem Waldgebiet nördlich von Ebach bei Rüsselbach flog und Insektizid ausbrachte. Anfragen erreichten Andreas Michalka von der Naturschutzorganisation Initiative Blühendes Igensdorf (IBI). Auch Anfragen im Rathaus wurden nicht beantwortet.

Normalerweise würde die Bevölkerung informiert, sagt Geschäftsleiter Michael Pfundt. Doch dieses Mal ging es nicht. "Die Umsetzung war eine Hauruckaktion", erklärt Forstrevierleiter Stefan Ludwig vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Bamberg.

Nicht so der Beschluss selbst. Der wurde bereits vor einem Jahr intensiv diskutiert und lautete letztendlich, den Eichenschwammspinner in dem etwa acht Hektar großen Waldstück zu bekämpfen. Dass das kurzfristig umgesetzt wurde, lag an der Naturschutzbehörde auf Regierungsebene.

"Diese hatte ein Veto eingelegt und die Maßnahme erst in letzter Sekunde freigegeben", sagt Ludwig. "Bei der Bekämpfung des Eichenschwammspinners in dem genannten Gebiet handelt es sich um eine notwendige Maßnahme", bekräftigt Michael Weiser, Pressesprecher der Regierung von Oberfranken.

Ausschlaggebend für das Veto war die Brandtfledermaus, die in dem Eichenwald beheimatet ist. Falls dem Eichenschwammspinner mit Chemie zu Leibe gerückt wird, wird auch die Nahrung der Fledermaus und des Kuckucks vernichtet, waren Überlegungen gegen die chemische Behandlung des Schwammspinners, einer etwa sieben Zentimeter großen, haarigen und gefräßigen Raupe. Am liebsten mag sie Eichenblätter. Das war nicht mehr zu übersehen.

"Die Bäume waren ratzeputz leergefressen", bekräftigt Ludwig, der vom Waldeigentümer verständigt worden war. Das war bereits im vergangenen Jahr. Überall auf den Bäumen seien die Raupen gelaufen. "In dieser Form habe ich das in 30 Jahren nicht erlebt", sagt der Förster.

Der Schwammspinner fresse sich in den Johannitrieb ein und führe zu einer Schwächung des Eichenwalds. Gerade die Eiche habe hinsichtlich des Klimawandels eine gute Prognose. Bei der Stichprobenzählung standen 3,4 alte Eigelege pro Baum zehn neuen gegenüber.

"Wir haben sehr gut überlegt, ob bekämpft werden muss", beteuert Ludwig. Die Bekämpfung wurde durchgeführt, um nicht in den zweiten Kahlfraß zu kommen", erklärt Ludwig. "Der wäre der Todfraß gewesen."

Das Landesamt für Umweltschutz hatte gegen den Sprüheinsatz Einwände geäußert wegen des Vorkommens der Brand tfledermaus. Allerdings hat sich der Eichenschwammspinner dort zu einer derartig massiven Bedrohung des Waldbestands entwickelt, dass sich die LWF nach Abstimmung mit der Regierung von Oberfranken in einer Güterabwägung kurzfristig doch für die Bekämpfung des Schwammspinners entschieden hat.

Zwar habe durch die Bekämpfung die Fledermaus kaum mehr Futter. Im Gegenzug stand die Überlegung, dass bei komplett vernichteten Bäumen die Fledermaus keine Jagdfläche mehr habe. "So stand mehr auf dem Spiel", ergänzt Ludwig.

Zum Einsatz kam das Mittel Mimic, das selektiv wirke und nur die Raupen treffe, sagt der Forstrevierleiter. Er räumt aber die Gefahr ein, dass Schmetterlingsraupen auch zugrunde gehen können. Für Mücken, Bienen oder Säugetiere sei das Mittel nicht gefährlich.

Trotzdem wurde sichergestellt, dass die Bienenstände während der Flugzeit gesichert waren und sich keine Menschen in der Nähe der zu behandelten Fläche aufhalten. Zehn Minuten dauerte die Flugzeit.

Bedenken

Anhand von GPS-Daten solle der Erfolg der Maßnahmen weiter beobachtet werden. Einen Erfolg, den Andreas Michalka anzweifelt. Er fürchtet, dass der Schwammspinner eher gestärkt werden könnte, wenn die natürlichen Gegenspieler außer Gefecht gesetzt werden. Zudem gebe es wenig Hinweise, dass die geschädigten Wälder wirklich komplett absterben.

Kein wissenschaftlicher Beleg

Ohne gesicherte Ergebnisse sei das eine fragliche Methode. Mehr Sorge bereitet Michalka der Sicherheitshinweis beim Umgang mit Mimic. "Auch bei der Ernte von behandelten Kulturen sollte mit Schutzhandschuhen gearbeitet werden", sagt Michalka.

Forstrevierleiter Ludwig wird sicherheitshalber Schilder anbringen: "Keine Beeren ernten." Laut LWF in Freising gebe es nach der Behandlung noch mehr Raupen und Schmetterlinge als in Normaljahren, also außerhalb der Massenvermehrung des Schwammspinners. Für den Wald in Rüsselbach kann Ludwig versichern, dass es bei der einmaligen Behandlung bleibe.

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