Münnerstadt

Schutz für seltenen Vogel

Im östlichen Stadtgebiet Münnerstadts gibt es noch seltene Vogelarten, die im restlichen Landkreis verschwunden sind. Schutz ist besonders wichtig. Deshalb wurde ein Getreidefeld nur teilweise abgemäht.
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Wiesenweihen ziehen im östlichen Landkreis Jungen groß. Weil das mittlerweile sehr selten ist, wird das Nest besonders geschützt. Foto: M. Franz
Wiesenweihen ziehen im östlichen Landkreis Jungen groß. Weil das mittlerweile sehr selten ist, wird das Nest besonders geschützt. Foto: M. Franz
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Nicht immer sind sich Landwirtschaft und Naturschutz besonders grün. Aber es gibt auch Fälle, in denen die Zusammenarbeit funktioniert. Im östlichen Stadtgebiet hat der Münnerstädter Landwirt Volker Schmitt akzeptiert, dass die Nester von Wiesenweihen auf seinen Feldern besonders geschützt werden. Mit im Boot ist sein Gutsverwalter Fred Wolf, der draußen in der Flur, gerade im östlichen Stadtgebiet, ein Auge auf mögliche Bodenbrüter hat. Dazu nimmt der Betrieb Einschränkungen in der Bewirtschaftung in Kauf. Der Naturschutz wiederum bietet einen finanziellen Ausgleich, wenn Landwirte in diesem Maße am Erhalt seltener Tierarten mitwirken.

Im östlichen Landkreis hat die Wiesenweihe scheinbar Gefallen an einem ganz bestimmten Acker gefunden. Denn schon zum zweiten Mal ist dieses Grundstück für den Nestbau ausgewählt worden. Heuer waren es sogar zwei Nester auf dieser Fläche. Bereits 2017 hatte dort schon einmal ein Vogelpaar sein Nest gebaut, bestätigen Volker Schmitt und der Wiesenbrüterbeauftragte des Landkreises, Matthias Franz.

Die Wiesenweihe gehört zu den Bodenbrütern und ist extrem selten geworden. Fred Wolf, der Münnerstädter Gutsverwalter von Agro Schmitt , hatte das erste Nest bei einem seiner Rundgänge entdeckt und sich an Matthias Franz gewandt. Daraufhin wurde das Feld rund um das Nest großräumig abgesperrt. Die Bewirtschaftung wurde eingestellt. Das Getreide auf dem restlichen Acker ist mittlerweile gedroschen. Rund um das Nest bleibt die Frucht stehen. Das Vogelpaar soll seine Jungen in Ruhe großziehen können. Derzeit ist noch ein Nest belegt. Es handelt sich nach Angaben von Matthias Franz um ein sogenanntes Nachgelege. Vermutlich hatten diese Wiesenweihen bereits anderswo ein Nest, das verloren ging.

Matthias Franz ist froh über die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. "Das ist sehr lobenswert". Er freut sich, dass es noch Wiesenweihen gibt, die im östlichen Stadtgebiet von Münnerstadt ihren Nachwuchs großziehen. Ob auf dem Schmitt'schen Feld die selbe Wiesenweihe wie 2017 brütet, lässt sich nicht feststellen. Möglich ist es aber.

In dieser Brutsaison stehen die Chancen gut für eine erfolgreiche Aufzucht. "Die Mäusepopulation ist heuer extrem gut", hat der Vogelschützer festgestellt. Viele Mäuse sind in zweierlei Hinsicht positiv. Mäuse stehen auf dem Speiseplan der Wiesenweihen. Aber auch Füchse ernähren sich gerne von den kleinen Nagern, erklärt Matthias Franz. Gibt es ausreichend davon, werden Vogelnester für die Füchse weniger interessant.

Noch rund vier Wochen, schätzt Matthias Franz, wird es dauern, bis die jungen Wiesenweihen aus dem Nest sind. Solange wird das Getreide rund um das Gelege nicht gemäht. Matthias Franz hofft, dass die Vogelfamilie in dieser Zeit möglichst nicht durch neugierige Besucher gestört wird. Finden die Tiere zu wenig Ruhe für die Aufzucht, kann es nämlich sein, dass sie ihr Nest verlassen. Auch das sei schon passiert, ergänzt der Wiesenbrüterbeauftragte.

Laut der Deutschen Wildtierstiftung ist der Bestand der Wiesenweihe erheblich zurückgegangen und durch menschliches Einwirken bedroht. Der elegante Raubvogel hat seine Reviere ursprünglich hauptsächlich in Sumpfgebieten. Diese sind erheblich zurückgegangen. Der Bodenbrüter weicht aber auch auf Getreidefelder aus. Hier sind die Nester aber durch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge bedroht. Die Wildtierstiftung gibt den Bestand mit 500 Brutpaaren an. Der Landesbund für Vogelschutz hatte für 2018 in Unter- und Mittelfranken 149 Brutpaare gezählt; bei 98 Paaren war die Aufzucht erfolgreich. In Bayern sind damit Unter- und Mittelfranken die Hauptverbreitungsgebiete der Wiesenweihe.

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