Münnerstadt
Natur 

Schutz für seltene Vogelarten

Der Wiesenbrüter-Beobachter Matthias Franz zieht eine positive Bilanz für das Brutjahr 2017. Trotzdem bleiben Wiesenbrüter im Landkreis eine äußerst bedrohte Vogelart. Etwas besser sieht es derzeit bei den Wiesenweihen aus.
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Matthias Franz (links) und Volker Schmitt zeigen auf den Bereich, in dem ein Wiesenweihen-Paar sein Nest hatte. Foto: Heike Beudert
Matthias Franz (links) und Volker Schmitt zeigen auf den Bereich, in dem ein Wiesenweihen-Paar sein Nest hatte. Foto: Heike Beudert
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Es war ein gutes Jahr für die Kibitze. Diese Feststellung macht der Wiesenbrüter-Beobachter, Matthias Franz (Seubrigshausen). Trotzdem gibt es keine Entwarnung. Die Situation stellt sich nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Kissingen weiterhin sehr bedenklich dar. Erfreulich dagegen sei der Trend bei der Wiesenweihe, heißt es am Landratsamt. Auch sie ist vom Aussterben bedroht. Matthias Franz hat ein positives Beispiel mitbegleitet. Auf einem Acker zwischen Klein- und Großwenkheim sind fünf junge Wiesenweihen herangewachsen.
Matthias Franz freut sich, dass zwischen dem Naturschutz und den Landwirten eine funktionierende Partnerschaft existiert, um die bedrohte Wiesenweihe besser zu schützen. Denn diese brüten auf offene Flächen und somit vor allem auf landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen, um ihren Nachwuchs großzuziehen. Damit die Vögel in Ruhe brüten können, brauchen die Vogelschützer deshalb die Unterstützung der Landwirte.
Volker Schmitt (Münnerstadt) hatte in diesem Jahr das Nest einer Wiesenweihe, eines selten gewordenen Greifvogels, auf einem Getreidefeld im östlichen Stadtgebiet. Matthias Franz, der als Wiesenbrüter-Beobachter im Frühjahr und Frühsommer Ausschau nach Gelegen von Wiesenbrütern und anderen seltenen Vogelarten hält, hatte das Gelege entdeckt.


Gezielter Nestschutz

Matthias Franz verständigte die Untere Naturschutzbehörde, die sich wiederum mit Volker Schmitt in Verbindung setzte. Volker Schmitt erklärte sich bereit, im Umfeld des Nestes während der Brut- und Aufzuchtzeit keine Bewirtschaftung durchzuführen. Matthias Franz hatte daraufhin einen Schutzbereich mit Pflöcken abgesteckt. Um das Nest herum wurde ein offener Drahtkorb angebracht, damit das Gelege vor Räubern wie Fuchs oder Marder geschützt ist. Geerntet wurde das Getreide im abgesteckten Bereich erst, als sicher war, dass das Nest leer ist.
Fünf junge Wiesenweihen sind dort in den vergangenen Wochen aufgewachsen. Mittlerweile sind sie ausgeflogen. Das Getreide ist abgeerntet. Doch immer noch ist an einem kreisrunden Bereich im abgemähten Kornacker zu erkennen, wo das Nest war.


Abstimmung ist sinnvoll

"Es ist gut, wenn man sich abstimmt", betont Volker Schmitt. Dann könne man schauen, was geht. Schmitt war froh, dass die Untere Naturschutzbehörde auf ihn zugegangen ist und um Mithilfe gebeten hat. Nach Absprache mit dem Hof-Verwalter Fred Wolf war klar, dass der landwirtschaftliche Betrieb die Belange des Naturschutzes mit unterstützt. Auch für die Landwirte sei es gut zu wissen, wenn sich in den Feldern seltene Vögel aufhalten, findet Volker Schmitt. Bei der Feldbearbeitung sei es durch den Einsatz der modernen, großen Fahrzeuge sehr unwahrscheinlich, solche Gelege zu entdecken.
Auf eine Entschädigung für die Teilnahme am Schutzprogramm hat Volker Schmitt verzichtet. Diese gibt es in solchen Fällen auf Antrag. Allerdings habe die brütende Wiesenweihe die Feldbewirtschaftung in diesem Fall nicht zu stark eingeschränkt, meint der Landwirt.


Ein geschulter Blick

Matthias Franz kontrolliert im Frühjahr regelmäßig die Feldfluren, die vor allem einen Lebensraum für Wiesenbrüter bieten. Aber auch die Wiesenweihe hat er dabei im Auge. Er erfasst die Gelege und gibt diese Informationen an die Naturschutzbehörde weiter. Der junge Seubrigshäuser hat mittlerweile einen geschulten Blick für mögliche Nester.
Matthias Franz wünscht sich, dass durch die gezielte Beobachtung und die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft der Bestand der Wiesenweihe wieder wächst. Die Untere Naturschutzbehörde sieht dabei gute Chancen, wenn der Anbau von Getreide im heutigen Umfang erhalten bleibt. Wichtig seien zudem die Beobachtungen von Ehrenamtlichen und die Kooperation mit der Landwirtschaft.
Aber als Wiesenbrüter-Beobachter und -berater gilt Matthias Franz Augenmerk vor allem den Wiesenbrütern. Sieben Kiebitz-Gelege mit 27 Eiern zählte Matthias Franz in diesem Jahr. Bekassinen hatten zwei Reviere. Für den Seubrigshäuser ist das schon sehr erfreulich. "Großwenkheim ist momentan der Hotspot für Wiesenbrüter im Landkreis Bad Kissingen", teilt die Pressereferentin des Landkreises, Lena Pfister mit.
Insgesamt aber hätten die Bestände von z. B. Bekassine, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Kiebitz weiter abgenommen. Diese Vögel seien auf weiträumige Feuchtgebiete angewiesen, die nicht mehr vorhanden sind. Im östlichen Landkreis finden sich aber noch solche feuchten Wiesenbereiche.
Wie viele junge Kiebitze tatsächlich überlebt haben, weiß Matthias Franz nicht. Kontrollen sind schwierig, schließlich sollen die Nester möglichst ungestört sein. Außerdem studiert Matthias Franz und ist nicht ständig vor Ort.
Auf dem Acker von Volker Schmitt haben es wohl alle fünf Wiesenweihen geschafft, flügge zu werden. Die kleinen Greifvögel hatten nicht nur ein gut geschütztes Nest, sondern auch Vogeleltern, die ihren Nachwuchs vehement verteidigten. "Die wollten uns richtig vertreiben", betont Volker Schmitt. Das bestätigt auch Matthias Franz. "Das war schon außergewöhnlich."
Der Wiesenbrüter-Beobachter ist bei seiner Arbeit aber auch auf Beobachtungen aus der Bevölkerung angewiesen. Wer im nächsten Frühjahr Wiesenbrüter oder seltene Vögel auf Ackerflächen und Wiesen entdeckt, kann dies per E-Mail melden: wiesenbrueter.kg@web.de.

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