Münnerstadt

Schulpolitik aufs Korn genommen

Zum 22. Schulpolitischen Martinsgansessen hatte der KV Münnerstadt im BLLV (Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband) seine Mitglieder eingeladen. 35 waren gekommen. Jeweils hält vor dem Essen ein G...
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Zum 22. Schulpolitischen Martinsgansessen hatte der KV Münnerstadt im BLLV (Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband) seine Mitglieder eingeladen. 35 waren gekommen. Jeweils hält vor dem Essen ein Gastredner ein etwa einstündiges Referat, in dem er die momentane Situation in Schule und Schulpolitik aufs Korn nimmt.

Diesmal hatte Vorsitzender Wolfgang Wittmann den 2. ULLV-Vorsitzenden Helmut Schmid, Rektor der Grundschule Gerolzhofen, eingeladen. Dieser wusste mit spitzer Zunge unter dem Motto "Schlimmer geht's nimmer?!" die momentanen Schwachstellen in der Schulwelt aufzuzeigen. Er schilderte es als Realsatire, dass gleichzeitig zu Schuljahresbeginn von der Regierung verlautbart wurde, es herrsche kein Lehrermangel. Alle Klassen hätten einen Lehrer. Vom Schulamt Main/Spessart wurden aber zeitgleich Pensionisten angeworben, ob sie nicht bereit wären, einige Stunden Unterricht zu übernehmen.

Für die Klassenplanung war es auch nicht hilfreich, dass kurz vor Schuljahresende der sogenannte "Einschulungskorridor" vom Ministerium eingerichtet wurde, der es den Eltern erlaubte, ihr schulpflichtiges Kind kurzfristig zurückstellen zu lassen. Dadurch fielen viele erste Klassen weg. Auch der neue Kultusminister Michael Piazolo sah in Bayern keine Notsituation in der Lehrerversorgung. Er verwies auf andere Bundesländer, wo es viel schlechter stehe. Durch den Einsatz schulartfremder Lehrkräfte und die Einrichtung jahrgangskombinierter Klassen sei die schlechte Situation vertuscht worden, so Schmid. Dabei bleibe in der Schule kaum Raum für die nötige Individualisierung. In der Zukunft sei ein noch stärkerer Lehrermangel zu befürchten. Lösungsmöglichkeiten seien kurzfristig schlecht realisierbar.

Zwei Lehrer pro Klasse

Der BLLV fordert schon seit längerem zwei Lehrer pro Klasse. Es müsse noch mehr Geld in Bildung investiert werden. Ebenso müsse der Lehrerberuf attraktiver gemacht werden, so der Referent. Er zeigte die Diskrepanz der Übertrittszahlen in Bayern von der Grundschule ins Gymnasium auf. In Starnberg gehen 69, in Unterfranken 49 und in Schweinfurt nur 38 Prozent auf das Gymnasium. Es sei wahrscheinlich, dass die Bildungschancen der Kinder immer noch stark vom Bildungsniveau und vom Geldbeutel der Eltern abhänge. Um dem entgegenzuwirken, sei ein weiterer Ausbau der Ganztagsschule nötig. Integration von Schülern mit Migrationshintergrund sowie Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen könne nicht einfach so nebenbei von einem Lehrer mitgemacht werden. In der momentanen Situation sei bei vielen Lehrern eine wachsende Berufsunzufriedenheit zu beobachten.

Mit dem "Digitalpakt Bayern" werde den Schulen zurzeit viel Geld zur Verfügung gestellt. Doch mangele es an ausgebildeten Lehrkräften und Wartungspersonal. Am Ende seines Vortrags ermutigte er seine Kollegen, ihren Beruf trotzdem zu lieben. maa

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