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Ebelsbach

Schulabschluss mit Hindernissen

Abstand statt Clique, Zuhausebleiben statt Abschlussball: Auch Schüler trifft die Coronakrise mit voller Wucht.
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Sie hatte sich ihr Abschlussjahr an der Realschule anders vorgestellt: Nele Beck aus Ebelsbach.  Foto: privat
Sie hatte sich ihr Abschlussjahr an der Realschule anders vorgestellt: Nele Beck aus Ebelsbach. Foto: privat
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Nele Beck ist 15 Jahre alt und besucht die zehnte Klasse der Wallburg-Realschule in Eltmann. Aufgrund der Coronakrise durfte sie die Schule fünf Wochen lang (plus Ferien) nicht besuchen.

Wie geht es Dir mit und in der Coronakrise?

Nele Beck Ich fand die Situation sehr beunruhigend, da man nie wusste, was passiert und wie es weitergeht. Zwar weiß man das jetzt auch noch nicht genau, aber besser als vor einem Monat. Sonst komme ich mit der Situation gut zurecht.

Hast du Angst? Um wen sorgst Du Dich am meisten?

Angst habe ich nicht, aber Respekt vor der Krankheit und allen Auswirkungen dieser Pandemie. Ich mache mir natürlich auch Sorgen um meine Großeltern. Aber ich weiß, dass wir uns gut um sie kümmern - sei es den Einkauf erledigen oder ihnen Masken nähen.

Wie beeinflusst die aktuelle Krise deinen Schulalltag?

In der Schule ist alles anders. Wir sind in Klassen mit jeweils zwölf bis 15 Personen aufgeteilt worden. Jeder sitzt alleine an einem Tisch und hat um sich in jede Richtung 1,50 Meter Platz.

Durch diese Sitzordnung kann man sich natürlich nicht mehr so viel während des Unterrichts unterhalten, aber ich glaube, das hat im Endeffekt Vor- und Nachteile. Den Abstand muss jeder einhalten: der Lehrer als auch wir Schüler. Unsere Lehrer kontrollieren die Einhaltung der Abstandsregeln, indem auf dem Weg vom Bus zur Schule Lehrkräfte stehen. Auch unsere Pausen müssen wir an unserem Sitzplatz verbringen. Jeder will natürlich gesund bleiben, deshalb finde ich, dass bei uns an der Schule der Abstand gut eingehalten wird und jeder darauf achtet.

Die Hygiene an unserer Schule ist auf jeden Fall vorhanden, da in jedem Klassenzimmer ein Waschbecken ist und uns auch Desinfektionsmittel zur Verfügung steht. Zudem müssen wir uns immer bei der Ankunft in der Schule die Hände im Klassenzimmer waschen und auch außerhalb des Klassenzimmers Mundschutz tragen. Auf die Toilette darf man nur noch allein und es wird auch aufgeschrieben, wer wann aufs Klo geht.

Was stresst dich aktuell am meisten?

Mir gefällt nicht , dass ich nicht mehr zum Tanzen oder Reiten gehen darf. Kannst Du dem neuen Schulalltag auch etwas Gutes abgewinnen?

Gut an dem Ganzen ist vielleicht, dass man sich besser und mehr konzentriert, da man die ganze Zeit allein sitzt und immer gut zuhören muss. Denn ich kann nicht mal schnell den Nachbarn fragen, was wir machen sollen oder wie die Aufgabenstellung noch mal lautet. Und welche Nachteile gibt es?

Ich bin nicht mehr mit meinen Freunden in der Klasse. Aber der größte Nachteil ist meiner Meinung nach, dass wir gerade im Abschlussjahr sind und jeder jetzt seinen Kopf bei seinem Abschluss und den Vorbereitungen haben sollte. Das ist aber nicht so einfach, wenn außerhalb der Schule so viel passiert. Vor allem wenn selbst die Lehrer noch nicht wissen, wie die nächsten Wochen aussehen werden. Diese Ungewissheit im Abschlussjahr ist ein komisches Gefühl. Trotzdem sind wir nicht allein, wir haben unsere Familien. Auch unsere Lehrer haben Verständnis und nehmen Rücksicht.

Was gibt Dir Kraft in dieser Zeit? Welche innere Haltung hast Du?

Meine Familie gibt mir sehr viel Kraft. Und einfach Ablenkungen, wie Sport oder mein Pferd. Für mich ist auch wichtig, dass ich im September meinen Ausbildungsplatz sicher antreten kann. Ich denke, dass Positivbleiben das Wichtigste ist.

Wie stellst Du Dir die Zukunft in einem Jahr vor?

Ich denke, in einem Jahr gibt es einen Impfstoff und vielleicht wird dadurch Corona als normale Krankheit wahrgenommen.

Wie die Wirtschaft in einem Jahr aussieht, kann ich mir nicht vorstellen, denn ich glaube, sie braucht noch ein paar mehr Jahre um sich zu erholen. Das öffentliche Leben ist vermutlich und hoffentlich wieder wie davor. Es können Feste gefeiert werden, man darf wieder ins Kino. Alle dürfen zur Schule. So stelle ich mir die Zukunft vor und hoffe natürlich auch, dass es so sein wird. Das Interview führte unser Redaktionsmitglied Katja Müller.