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Schüler diskutieren mit Historiker die deutsche Außenpolitik

In beeindruckender Form lud der Erlanger Historiker Gregor Schöllgen vor Kurzem die Schüler der zwölften Jahrgangsstufe des Gymnasiums Herzogenaurach dazu ein, mit ihm traditionelle Leitlinien und akt...
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Gregor Schöllgen war zu Gast am Gymnasium Herzogenaurach. Foto: privat
Gregor Schöllgen war zu Gast am Gymnasium Herzogenaurach. Foto: privat

In beeindruckender Form lud der Erlanger Historiker Gregor Schöllgen vor Kurzem die Schüler der zwölften Jahrgangsstufe des Gymnasiums Herzogenaurach dazu ein, mit ihm traditionelle Leitlinien und aktuelle Herausforderungen deutscher Außenpolitik zu beleuchten. Mit großem Interesse folgten die angehenden Abiturienten den Ausführungen des mittlerweile emeritierten Erlanger Hochschullehrers, der als Experte für internationale Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts gilt.

Das junge Publikum reflektierte gemeinsam mit Schöllgen über die Frage, ob es im 21. Jahrhundert noch eine deutsche Außenpolitik gebe und wo Deutschland infolge eines fehlenden nationalen Grenzregiments "anfange". Ziemlich nah an der Türkei müsse unsere "Grenze" eigentlich liegen, wurde gemutmaßt, da dort vieles, was für unsere Zukunft folgenreich sei, entschieden werde. Oder sogar am Hindukusch, wie einst Verteidigungsminister Struck verkündet hatte, so der Historiker und Biograf von Altkanzler Schröder. Verstärkt sei in letzter Zeit Afrika in den Blick gerückt, wo deutsche und europäische Interessen auf dem Spiel stünden, man denke vor allem an Mali, das zu sichern sei.

Nachdem die Jugendlichen ihre geschichtlichen und politischen Kenntnisse unter Beweis gestellt hatten und traditionelle Aufgaben deutscher Außenpolitik, etwa den Schutz von Frieden und Sicherheit sowie wirtschaftliche Kooperation, verdeutlicht hatten, verwies der Wissenschaftler auf einen heute entscheidenden Punkt.

Schöllgen, der sich auch auf dem Gebiet moderner Unternehmensgeschichte einen ausgezeichneten Ruf erworben hat, betonte, es gehe um den Erhalt des Wohlstands und die damit verbundene Sicherstellung von Rohstofflieferungen, die zu den Lebensgrundlagen unserer europäischen Entwicklung zählen würden. Diskutiert wurden in diesem Zusammenhang die Fragen, ob man mit jedem System Handel treiben dürfe und ob, wie einige Schüler meinten, Deutschland aus Gründen des Klimaschutzes nicht einfach weniger als mehr handeln müsse, selbst wenn es sich damit als große Exportnation infrage stelle.

Letztlich stand das entscheidende Problem im Raum: Wie verhält sich die Bundesrepublik, wenn Krieg in einer Region ausbricht, die für uns, zum Beispiel im Hinblick auf Rohstoffe, wesentlich ist? "Nie wieder Auschwitz!", laute in Deutschland das zentrale Argument sowohl von Gegnern als auch Befürwortern von Kampfeinsätzen, je nach Interpretation, bemerkte der Historiker, und deswegen sei die deutsche Geschichte die größte Herausforderung für die Außenpolitik. Nach Schöllgen handelt es sich um die Gegenwart, die die Vergangenheit zwangsläufig miteinschließt: das, was Deutschland in der Geschichte zu verantworten hat, einen massen-ideologischen Vernichtungskrieg, ist wesentlicher Bestandteil der heutigen deutschen Außenpolitik oder - zugespitzt formuliert: "Man nimmt sich mit, wohin man geht."

Noch nach Ende der ausgesprochen kurzweiligen Veranstaltung wandten sich sowohl Schüler als auch die in der Jahrgangsstufe Geschichte und Sozialkunde unterrichtenden Lehrkräfte an den Gast, um ihn mit weiteren Problemstellungen internationaler Politik zu konfrontieren.

Karin Both-Kowalski

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