Lichtenfels

Schritt in die Selbstständigkeit

Zehn Asylbewerber erhielten im Landratsamt den "Mieterführerschein".
Artikel drucken Artikel einbetten
Zwei Männer, die exemplarisch und freudig für zehn stehen: Kiflon Tesfhlem und Yonas Sereke haben ihr Wissen über den Wohnungsmarkt in Deutschland aufgemöbelt. Fotos: Markus Häggberg
Zwei Männer, die exemplarisch und freudig für zehn stehen: Kiflon Tesfhlem und Yonas Sereke haben ihr Wissen über den Wohnungsmarkt in Deutschland aufgemöbelt. Fotos: Markus Häggberg
+2 Bilder

Die Liste ist zehn Namen lang. Der ungewöhnlichste Name auf ihr dürfte wohl Tsegazab Msgna lauten. Auch er ist einer derjenigen, die kürzlich ihren "Mieterführerschein" erhielten. Aus einer kleinen Feierstunde im Saal des Lichtenfelser Kreistags.

Deutschland ist anders. Wenn Kiflon Tesfhlem und Yonas Sereke darüber nachdenken, dann kommen ihnen die Unterschiede deutlich zu Bewusstsein. Die beiden Eritrer unterliegen als Asylbewerber einer Wohnsitzauflage, die besagt, dass sie im Stadtgebiet wohnen müssen. Der eine von ihnen hat schon eine eigene Wohnung, der andere möchte sie sich suchen. Was ihnen und den acht weiteren Männern künftig dabei helfen soll, ist das Zertifikat, welches sie künftigen Bewerbungen um Wohnungen in Kopie beilegen sollen. Es weist die jungen Männer als solche aus, die mit einigen Dingen am deutschen Wohnungsmarkt vertraut sind.

Mülltrennung und Brandschutz

Ein Schritt in die Selbstständigkeit, in die Integration. An sechs Abenden ab März ließen sich die Männer jeweils eineinhalb Stunden lang schulen. Auf dem Stundenplan und in fünf Modulen standen so Lerninhalte wie Mülltrennung, Brandschutz, Ruhezeiten, das regelmäßige Lüften oder ordentliches Heizen, Mietvertrag oder Kommunikation mit dem Vermieter. Als Kiflon Tesfhlem Post vom Landratsamt bekam und dieses bei ihm anfragte, ob er mitmachen wolle, "habe ich sofort ja gesagt", so der Mann. In Eritrea brauche man über all diese Dinge vergleichsweise wenig zu wissen. Dass es darum in Deutschland "kompliziert" sei, findet Tesfhlem aber nicht. "Ich finde das ganz toll - das ist ganz wichtig", unterstreicht der 21-Jährige, der als Lagerist eine Arbeit gefunden hat. Mehr noch: In Schönbrunn wohnt ein Freund von ihm, dem wolle er diesen Kurs auch ans Herz legen.

Und sein Bekannter Yonas Sereke muss auch lächeln, denn ihm eröffnete der Kurs eine Wahrheit:"Ich habe in der eigenen Wohnung viel falsch gemacht." Auch er habe das Angebot zum Kurs umgehend wahrgenommen und will bei Bewerbungen eine Kopie seiner Qualifikation beilegen.

Dass es überhaupt zu Originalen kam, lag besonders auch an Ann-Kathrin Keil.

Deutschkurse für Flüchtlinge

Die junge Frau, die im Personalwesen eines Unternehmens tätig ist, brachte und bringt sich dazu ehrenamtlich ein. Sie gab schon in Weismain Deutschkurse für Flüchtlinge, hatte somit also ihren Einstieg und den Kontakt zum Klientel, bereitete sich hernach für die Mieterqualifizierungsmaßnahme vor und nennt als Unterstützerin auch Gabi Berg.

Und ja, es gab auch eine Lernzielkontrolle. Auch Keil bekräftigt, dass der Sinn der Maßnahme in einem Barrierenabbau liegt, dass Vorbehalte von Vermietern gegenüber Mietern beseitigt würden. Schon im vergangenen Jahr, so Datenschutzbeauftragte Kristin Grosch, seien diese Zertifikate an Asylbewerber ergangen. Grosch war es auch, die die Verleihung vornahm und für ein bisschen Spannung sorgte: "Sie gehen heute - eventuell - alle mit einem Zertifikat durch diese Tür." Aus dem Eventuellen sollte eine 100-prozentige Quote werden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren