Kulmbach

Schmied als Künstler

Ein Fenstergitter am Haus Schießgraben 4 verrät etwas über seinen Besitzer und über das einst so stolze Schlosserhandwerk.
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Diese alte Aufnahme - im Hintergrund die Petrikirche - zeigt die Schlosserei von Herrmann Amos. 
Diese alte Aufnahme - im Hintergrund die Petrikirche - zeigt die Schlosserei von Herrmann Amos. 
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Erich und Marcus Olbrich Unsere Entdecker-Tour führt uns in den Schießgraben. Gegenüber dem Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums gleich beim Zebrasteifen, befindet sich ein Anwesen der Familie Semmelroch. Erbauer und Besitzer des Gebäudes war aber der Schlossermeister Herrmann Amos. Er wurde 1853 in Mangersreuth geboren.

Bei einem Besuch in Kulmbach lernte er Amalie Hagen (1858 bis 1937) kennen und lieben und zog 1878 in die Markgrafenstadt. Beide heirateten 1879 und wohnten im Mittleren Stadtgäßchen 5.

Damit Amos sich selbstständig machen konnte, erwarb er 1887 das Bürgerrecht in Kulmbach. Im gleichen Jahr baute er neben dem Anwesen des Brauereibesitzers Georg Pöhlmann (Schießgraben 2), der dort bereits ein Eishaus besaß, eine Schlosserwerkstatt mit Wohnung.

An der Fassade zur katholischen Pfarrkirche hin brachte er in großer Schrift die Werbung "Schlosserei H. Amos" an. In Richtung Straße zeigte er seine künstlerischen Fähigkeiten in der Metallverarbeitung.

Für das runde Fenster neben der Eingangstür fertigte er ein Gitter aus Eisen mit seinen Initialen "H" und "A" an. Damit zeigte er, dass er auch als Kunstschlosser Fertigkeiten besaß. Das Ehepaar Amos bekam zwei Kinder, Sohn Herrmann, der später als Diplomingenieur nach Bamberg zog, und Tochter Mathilda, die den Prokuristen Hans Semmelroch heiratete. So erklärt sich der Bezug zu den heutigen Besitzern.

Der Schlossermeister Herrmann Amos starb bereits 1906, mit nur 53 Jahren, in seinem Haus.

Über die Liebe der Familie Semmelroch zu diesem Anwesen im Schießgraben, die sich im Pflanzen eines besonderen Walnussbaumes zeigte, haben wir bereits in der Entdecker-Tour 75 geschrieben.

Die Bezeichnung Schlosser und Schmied gibt es heute nicht mehr, seit 1989 sind diese Traditionsberufe zum Beruf des Metallbauers zusammengefasst.

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