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Bad Staffelstein

"Schmackhaftes" Körbchen für Kaniber

Die Landwirtschaftsministerin zeigte Verständnis für den landesweiten Protest der Bauern.
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Mitbringsel aus der Genussregion: Kreisbäuerin Marion Warmuth (rechts) übergibt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber einen Korb voller Köstlichkeiten von heimischen Erzeugern.  Foto: Mario Deller
Mitbringsel aus der Genussregion: Kreisbäuerin Marion Warmuth (rechts) übergibt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber einen Korb voller Köstlichkeiten von heimischen Erzeugern. Foto: Mario Deller

Musikalisch verbreitete der Chor Zuversicht beim Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), der unter dem Motto "Region gestalten" stand. Die Dinge beim Namen nannte Kreisbäuerin Marion Warmuth, nachdem sie in der Peter-J.-Moll-Halle zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft begrüßte. Sie benannte etliche aufgezwungene "Baustellen", die den Bauern die Arbeit nicht gerade leichter machen. So sorge die Gülleanlagenverordnung laut Warmuth für einen Investitionsstopp. Die im Vorjahr in Kraft getretene Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes, durch welches an größeren Gewässern auf einem Zehn-Meter-Streifen die ackerbauliche Nutzung verboten ist, bezeichnete die Kreisbäuerin als "einer Enteignung gleichkommenden Regelung", verbunden mit entsprechender Wertminderung der Flächen. Landwirte und Landfrauen setzten sich für den Dialog mit der Gesellschaft ein, so Warmuth weiter. Sie zeigte auf, wie Landwirte ihren Beitrag für die Biodiversität leisten. Freilich kosteten Umwelt- und Artenschutz auch Geld. "Dies kann aber nicht nur der Landwirtschaft aufgebürdet werden ohne entsprechenden Ausgleich", so Warmuth.

"Keine Schlepperpartys"

Neue Verordnungen, Dürreperioden, Borkenkäferproblematik - das alles habe tiefe Spuren hinterlassen, so der Eindruck von Harald Weber, seit Februar 2019 Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg. Die landesweiten Schlepper-Korsos seien, so Weber, "keine Schlepperpartys, sondern zu verstehen als Hilferuf unserer bäuerlichen Familien an Politik und Gesellschaft".

Wie auch andere Redner betonte Landrat Christian Meißner, dass sowohl ökologische als auch konventionelle Landwirtschaft ihre Notwendigkeit hätten und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Und auch bei einem anderen Gesichtspunkt bezog er klar Stellung: "In der Bevölkerung muss deutlich werden, dass wir Artenvielfalt und Klimaschutz nicht ohne die Landwirtschaft schaffen, aber das haben manche noch nicht verstanden."

Als Hauptrednerin konnte heuer Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gewonnen werden. Gerade der jungen Generation gelte es zu vermitteln, "wie viel Leidenschaft und Arbeit dahintersteckt, bis das Lebensmittel auf dem Teller liegt". Tausende Bauern seien in den letzten Wochen auf die Straße gegangen - "nicht weil sie gegen Veränderungen sind, sondern weil sie sich von dem Wie und von der Geschwindigkeit der geforderten Anpassungen überfordert fühlen." Von den aktuellen Herausforderungen dürfe man sich nicht lähmen lassen.

Fünf Vertreter aus dem Landkreis präsentierten ihre Unternehmen und Produkte, die sich auch in einem Geschenkkorb für die Ministerin fanden. Gemeinsam im Gemüseanbau agieren die Landwirte Patrick Helmreich und Michael Zillig. Kartoffeln, Eier, Nudeln und Honig bietet als weiterer Vermarkter Simon Holl an. Mit zwei weiteren Gästen, deren Produkte für Nachhaltigkeit stehen, blickten Bauern und Landfrauen auch über den eigenen Tellerrand hinaus: Heinrich Gesslein hielt ein Plädoyer auf das Flechthandwerk, Jürgen Müller hilft, Müll zu vermeiden durch die von ihm vertriebenen nachfüllbaren Kaffeekapseln.

Um dem notwendigen Schulterschluss mit dem Verbraucher die nötige Durchschlagskraft zu verleihen, ist neben Hofläden und dergleichen auch der Lebensmitteleinzelhandel als wichtige Absatzquelle der Produkte heimischer Bauern zu nennen. Als deren Vertreter kam Christian Werner, der bei der Podiumsdiskussion mit Kreisbäuerin Warmuth wie die übrigen heimischen Unternehmer Rede und Antwort stand, zu Wort. Er unterstütze sehr gerne die heimischen Bauern, betonte er: "Wir sind froh über jeden Landwirt, der auf uns zukommt." Doch es kamen auch hier bürokratische Erschwernisse zur Sprache. So müssen laut Lebensmitteleinzelhändler Werner beim Frischverkauf von Fleisch aus ökologischer Herkunft separate Messer und Schneidemaschinen verwendet werden. Die Hürden bei der Vermarktung regionaler Produkte über den Supermarkt seien mitunter "so hoch, dass es für beide Seiten keinen Sinn macht."

Stellvertretender BBV-Kreisobmann Lothar Teuchgräber gab sich betont optimistisch: "Lassen wir uns einfach öfter als bisher ein Stück Heimat schmecken." Die Spendenkorb-Sammlung des BBV-Kreisverbandes für einen guten Zweck erbrachte wieder ein ordentliches Ergebnis: Über eine Zuwendung von über 500 Euro freuen darf sich diesmal die Lichtenfelser Tafel.

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