Lichtenfels

Schlussakkord im Orgelsommer

Bei Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann wechselten glanzvolle Melodien mit stillen Klängen ab.
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In die romantische Klangwelt des heimischen Komponisten Johann Georg Herzog entführte Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann an der Orgel sein Auditorium beim letzten Konzert des Lichtenfelser Orgelsommers 2019 in der Martin-Luther-Kirche.  Foto: Joachim Wegner
In die romantische Klangwelt des heimischen Komponisten Johann Georg Herzog entführte Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann an der Orgel sein Auditorium beim letzten Konzert des Lichtenfelser Orgelsommers 2019 in der Martin-Luther-Kirche. Foto: Joachim Wegner

Überblickt man die Vielfalt der Musiklandschaft Franken, ist man immer wieder überrascht und fasziniert. Hier tut sich nicht etwa ein kleines Schatzkästlein auf, sondern eine große und verwinkelte Schatzkammer, in deren Tiefe es vieles zu erforschen und zu entdecken gibt. Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann hatte sich auf die Suche gemacht und mit Johann Georg Herzog einen lange Zeit in Vergessenheit geratenen Komponisten wiederentdeckt, der nicht nur aus unserer näheren Umgebung stammt, sondern seinerzeit sogar in Süddeutschland als "die Größe" in Sachen evangelische Kirchenmusik galt.

"Fast vergessen - Deutsche Orgelmusik der Romantik" lautete daher der Titel des dritten und letzten Konzerts des Lichtenfelser Orgelsommers in diesem Jahr in der Martin-Luther-Kirche, das einen Querschnitt des musikalischen Schaffens von Herzog beinhaltete.

Aus ärmlichen Verhältnissen

Johann Georg Herzog kam aus ärmlichen Verhältnissen. Am 5. August 1822 erblickte er als Sohn einer Bauerstochter aus Hummendorf und eines Leinewebers aus Schmölz in Hummendorf bei Kronach das Licht der Welt. Von 1839 bis 1841 besuchte er das Königliche Schullehrerseminar in Altdorf bei Nürnberg und war anschließend als Schulverweser in Bruck bei Hof tätig. Bereits mit 20 Jahren brachte er seine ersten Orgelkompositionen zu Papier, die er zu Begutachtung an Christian Heinrich Rinck in Darmstadt und an Robert Schumann in Leipzig übersandte. Ihr Lob war für ihn Ansporn für weitere Kompositionen. Gleichzeitig bildete er sich als Orgelvirtuose aus, so dass sein Ruf bis nach München drang. Die Empfehlung von Christian Heinrich Rinck ebnete ihm schließlich den Weg an die erste evangelische Kirche in der Königlichen Haupt- und Residenzstadt München, wo er mit 21 Jahren eine Vakanzvertretung übernahm.

Im Jahr 1848 wurde er schließlich zum ordentlich bestellten Organisten von St. Matthäus, später auch zum Kantor und schließlich als Orgeldozent an das königliche Konservatorium für Musik berufen. Der mittlerweile allgemein anerkannte Kirchenmusiker erhielt 1854 die ehrenvolle Berufung als erster Lehrer am neu gegründeten Kirchenmusikalischen Institut der Theologischen Fakultät an der Universität Erlangen. Dort wurde er 1866 mit dem selten verliehenen Titel eines Dr. mus. h.c. geehrt und 1872 durch König Ludwig II. zum außerordentlichen Professor der Musik ernannt.

In Erlangen wirkte Johann Georg Herzog 34 Jahre lang prägend auf Generationen von Theologiestudenten. Unzählige Lehr- Übungswerke hat der produktive Komponist veröffentlicht. Sein Opus 70 enthält alleine 170 Kirchengesänge für gemischten Chor.

"Liturgische Gebrauchsmusik"

Doch der Universitätsmusikdirektor hat sich im 19. Jahrhundert vor allem den Bedürfnissen nicht-professioneller Organisten gewidmet und eine Fülle "liturgischer Gebrauchsmusik" publiziert. Diese wurde im 20. Jahrhundert vielfach abschätzig bewertet. Doch dies ist mittlerweile vorbei, so dass ein neuer Blick auf das schier unerschöpfliche Repertoire Herzogs möglich ist.

Mit seinem Konzert in der Martin-Luther-Kirche gab Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann einen Einblick in das Schaffen des heimischen Komponisten und stellte dabei für das gottesdienstliche Orgelspiel angemessene und zugleich leicht ausführbare Werke vor. Mit den Präludien in G-Dur, F-Dur und B-Dur öffnete der Organist die romantische Klangwelt der Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. Mit mäßigem Tempo, zunächst majestätisch mit vollem Klang, dann feingliedrig und verhalten leise mit ruhigen Läufen, stimmte er die Orgelvorspiele an. Glanzvoll kam das Festpräludium zum Choral "Großer Gott, wir loben dich" daher, lebhaft dagegen das Festpräludium "Nun danket alle Gott". So wechselten sich bekannte Melodien und eher unbekannte Schätze der Romantik ab. Klagend erklang Fugato in e-Moll, während Largo in f-Moll sanfte Stimmen in den Mittelpunkt stellte. Die Vielfalt der Herzogschen Werke führten die Festpräludien "O, dass ich tausend Zungen hätte" und das Orgelvorspiel zum Lutherchoral "Ein feste Burg ist unser Gott" vor Augen. Nach dem ruhigen Vortrag des Trio g-Moll mündete das Konzert am Abend schließlich in das mit vollem Werk präsentierte Präludium D-Dur mit einem glanzvollen Schlussakkord.

Dem Vergessen entrissen

Mit reichem Beifall bedachten die Zuhörer die romantischen Stücke des Komponisten, die Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann so ausgewählt hatte, dass sich glanzvolle Melodien mit stillen Klängen, die ans Herz gehen, abwechselten und trug damit ein Stück dazu bei, sie vor dem Vergessen zu bewahren.

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