Münnerstadt

Schleiereulen hinterlassen Chaos

Die geschützten Vögel haben die Aussegnungshalle derart verschmutzt, dass ihnen für die Zukunft die Sitzgelegenheiten genommen werden. Sie werden einen neuen Platz finden.
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Münnerstadts Bürgermeister Helmut Blank, Ortssprecher Christian Beck und Friedhofsreferent Klaus Schebler (von links) schauen sich den schlimmen Zustand der Aussegnungshalle in Althausen an. Das Problem konnte jetzt gelöst werden.  Foto: Thomas Malz
Münnerstadts Bürgermeister Helmut Blank, Ortssprecher Christian Beck und Friedhofsreferent Klaus Schebler (von links) schauen sich den schlimmen Zustand der Aussegnungshalle in Althausen an. Das Problem konnte jetzt gelöst werden. Foto: Thomas Malz
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Thomas Malz Wie stark Tierschutz und die menschliche Kultur aufeinanderprallen können, hat sich jetzt in Althausen gezeigt. Seit etwa drei Jahren dienen die Balken der offenen Aussegnungshalle Schleiereulen zeitweise als Unterstand. Offensichtlich sind dort auch schon junge Schleiereulen großgezogen worden. Durch den Vogelkot und Gewölle (Speiballen) ist die Aussegnungshalle in einem katastrophalen Zustand, der ihrem Zweck überhaupt nicht mehr gerecht wird. Jetzt konnte ein Konsens gefunden werden. Die Stadt kann das Dach der Halle so umbauen, dass die Tiere keinen Sitzplatz mehr finden. Aber es gibt genügend Ausweichmöglichkeiten für die Tiere.

Schon bei der Bürgerversammlung im Jahr 2017 hatte Ortssprecher Christian Beck (CSU) auf das Problem aufmerksam gemacht. Die weißen Kotflecken fressen sich in den Boden ein, man bekommt sie gar nicht mehr weg, hieß es schon damals. Das Problem: Schleiereulen sind streng geschützte Tiere und können nicht einfach vertrieben werden. So wurden Matten ausgelegt, damit der Boden nicht noch mehr Schaden nimmt.

Immer wieder ein Thema

Immer wieder sei er von Christian Beck und dem Friedhofsreferenten Klaus Schebler (Neue Wege) auf das Problem aufmerksam gemacht worden, sagt Bürgermeister Helmut Blank (CSU). "Beim Dorffest sind dann viele Bürger mit der Bitte auf mich zugekommen, in dieser Angelegenheit noch einmal aktiv zu werden. Hier gehe es einerseits um Vogelschutz, andererseits sei eine Aussegnungshalle ein sensibler Ort.

Nun hat es ein Treffen gegeben, an dem unter anderem Vertreter der Stadt, der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und Dieter Fünfstück, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, teilgenommen haben. Dabei konnte ein Konsens gefunden werden. Weil derzeit keine Schleiereulen da sind, darf die Stadt tätig werden und Bretter in der Dachkonstruktion anbringen, so dass es künftig keine Möglichkeiten mehr für Vögel gibt, sich dort niederzulassen, erläutert Klaus Schebler. "Wir müssen jetzt erst einmal einen Kostenvoranschlag einholen", ergänzt Helmut Blank. Die Arbeiten sollen so schnell wie möglich durchgeführt werden.

Zufrieden damit ist auch Christian Beck. Er weiß am besten, dass es für die Schleiereulen kein Problem ist, einen anderen Platz zu finden. Er wohnt unmittelbar neben dem Friedhof und auch bei ihm hat schon öfter einmal eine Schleiereule gesessen.

Genügend andere Plätze

Die Eulen seien nicht aus der Aussegnungshalle vertrieben worden, heißt es aus dem Landratsamt. "Das Eulenpaar war nicht mehr vor Ort mit den Jungen, da diese flügge geworden waren." Durch die vereinbarte Verkleidung der Dachbalken werde der Ort für die Vögel wenig attraktiv, womit die Halle auch nicht mehr verunreinigt wird. "Es gibt aber genügend Ausweichmöglichkeiten für die Tiere", so Lena Pfister von der Pressestelle des Landratsamtes. "Ob die Tiere bereits dort gebrütet haben, wissen wir nicht. Die Aufzucht der Jungvögel fand jedoch sicher dort statt."

Schleiereulen bauen keine Nester, weiß Dieter Fünfstück. Der Vogel- und Fledermausexperte hat durchaus Anzeichen gefunden, dass Jungtiere in der Halle aufgezogen wurden. Was sagt der Vogelschützer dazu, dass das künftig nicht mehr möglich sein wird? "Das ist vertretbar", meint er angesichts der Verunreinigungen. Denn für die Schleiereulen sei es überhaupt kein Problem, einen anderen Platz zu finden. "Es gibt genug offene Scheunen." Und nicht nur die: Dieter Fünfstück ist auch Fledermausexperte und war deshalb schon mehrfach auf dem Kirchturm des Ortes unterwegs, wo es Fledermäuse gibt. "Da habe ich aber auch schon Federn von Schleiereulen gefunden."

Schleiereulen melden

Das allerdings sei weniger wünschenswert. Die Tierschützer versuchen zu vermeiden, dass die beiden Tierarten eine gemeinsame Unterkunft haben. "Denn das geht zu Ungunsten der Fledermäuse aus", sagt er und fügt hinzu: "Meistens." Dieter Fünfstück hat eine Bitte an die Bevölkerung. Denn bei einer Kältewelle im Jahr 2012 sei der Bestand von Schleiereulen gegen null gegangen. Derzeit seien im Landkreis drei Brutpaare im Bereich Sulzthal/Ramsthal bekannt und das eine in Althausen. Sollten weitere Schleiereulen gesichtet werden, bittet er darum, das ihm (Tel.: 09725/704 459) oder der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt zu melden.

So schnell wie möglich will nun die Stadt die Bretter anbringen und die Aussegnungshalle wieder in einen würdigen Zustand bringen. Geplant ist auch, den Gedenkstein für die Gefallenen der beiden Weltkriege in der Halle unterzubringen.

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