Kronach

Schlagen, schießen, schwitzen

Schulsport muss nicht nur Turnen oder Fußball sein. Kronacher Sportreferendarinnen versuchten sich deshalb beim Schießen und im US-Sport.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Schlag sitzt. Die Referendarin hämmert den Ball weit ins Feld hinaus.  Foto: Marco Meißner
Der Schlag sitzt. Die Referendarin hämmert den Ball weit ins Feld hinaus. Foto: Marco Meißner
+1 Bild

Marco Meissner Alina Selsen lässt die Keule über ihrer Schulter kreisen. Der Ball fliegt auf sie zu. Sie zieht durch und wuchtet den Softball ins Feld hinaus. Dann rennt sie los. Obwohl es hier nicht um Punkte und Tabellenplätze geht, ist neben dem großen Spaß auch der Ehrgeiz bei den ungewohnten Gästen auf dem Baseballfeld schnell geweckt.

"Das ist ein tolles Gefühl, wenn man mit dem Baseballschläger den Ball richtig satt trifft und der dann weit fliegt", erzählt die junge Frau. Und wenn das Anfängern in einem kleinen Übungsspiel mit den "Profis" der Kronach Royals gelingt, motiviert das doppelt. Die Neulinge sind in diesem Fall sieben Referendarinnen des Frankenwald-Gymnasiums Kronach (FWG). Sie hatten während ihrer Ausbildung mit Seminarlehrerin Silke Woletz-Bauer die klassischen Schulsportarten wie Volleyball, Basketball, Gerätturnen oder Leichtathletik trainiert. Nun sollte ihnen aber noch ein Blick über den Tellerrand ermöglicht werden. Im Rahmen von Praktika durften sie in für den Unterricht eher ungewöhnliche Sportarten schnuppern.

Auftakt bei den Schützen

Den Anfang machten sie auf den Schießbahnen der Schützengesellschaft (SG) Kronach. Sie durften mit dem Luftgewehr auf zehn Meter und mit der Sportpistole auf 25 Meter Entfernung die Ziele anvisieren. Mit Frank Trapper und Matthias Kümmet standen ihnen zwei sehr erfahrene Sportschützen zur Seite. Nicht zuletzt als eine Schülerin des FWG parallel für einen Wettkampf übte, wurde den sieben Frauen schnell klar, wie anstrengend Schießen als Sport sein kann. Nicht nur der richtige Umgang mit der Waffe wurde ihnen vermittelt. "Die Referendarinnen waren besonders von den Sicherheitsauflagen für die Schützen und der langen Tradition der SG Kronach beeindruckt", stellt Woletz-Bauer fest.

Militärischer Drill

Nach dem Blick durchs Visier folgte der Blick durchs Gesichtsgitter. Der frühere FWG-Schüler Alexander Oelschlegel hatte einen Trainingstermin bei den Hof Jokers ermöglicht. Football stand auf dem Programm. "Das war fast schon ein militärischer Drill mit circa 30 Männern", erinnert sich Woletz-Bauer an das intensive Aufwärmtraining. Aber mit ihrer Fitness mussten sich die angehenden Sportlehrerinnen nicht vor den Jokern verstecken. "Schwieriger war das dann schon mit dem Werfen und Fangen des Footballs", erinnert sich die Seminarlehrerin. Dass Football nicht nur körperbetont gespielt wird, sondern auch Köpfchen verlangt, wurde den jungen Frauen schnell bewusst. Doch gerade das machte ihnen offenbar großen Spaß. "Megacool!", fand Referendarin Katharina Schaffer diesen amerikanischen Sport. Vor allem die verschiedenen strategischen Spielzüge imponierten ihr.

Auch die dritte Station verlangte den jungen Frauen ein großes Maß an Konzentration im Spiel und beim Regelstudium ab. Sie waren bei den Kronach Royals und ihrem Abteilungsleiter Andre Wicklein in Steinberg zu Gast. "Auch dort sind wir mit offenen Armen empfangen worden", freut sich Silke Woletz-Bauer über drei Vereine, die allesamt viel für die Praktika auf die Beine gestellt haben. Und im Steinberger Ballpark trafen die Referendarinnen sogar auf mehrere ihrer Schüler.

Hoffnung

Die fanden es schön, auch mal abseits des Unterrichts mit den Lehrerinnen etwas unternehmen zu können. Und diesmal konnten sich die Erwachsenen von ihnen etwas abschauen. Die Schüler hegen nach dem Besuch aber auch eine Hoffnung. "Ich finde, dass man solche Tage öfter machen könnte, damit jeder mal den ,etwas anderen Sport‘ ausprobieren kann und sieht, dass Baseball ein schöner und abwechslungsreicher Sport ist", sagt die 16-jährige Milena Hofmann. Und ihr 13-jähriger Schulkamerad Dominic Meißner meint: "Es wäre schön, wenn wir solchen Sport auch mehr im Unterricht machen würden." Mit einem Augenzwinkern fügt er an: "Weniger Laufen, mehr Baseball."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren