Lichtenfels

Schläger scheint Phase der Gewalt hinter sich zu haben: Bewährung

Eigentlich wäre die Sachlage klar gewesen. Eigentlich. Aber wie Richter Ortwin Jaunich in seiner Urteilsbegründung bemerken sollte, hatte sich eine Sachlage...
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Eigentlich wäre die Sachlage klar gewesen. Eigentlich. Aber wie Richter Ortwin Jaunich in seiner Urteilsbegründung bemerken sollte, hatte sich eine Sachlage vollkommen verändert. In dem Verfahren um Betrug durch Leistungserschleichung gewährte das Gericht eine Bewährungsstrafe. Eine letztmalige, wie in nachdrücklichem Ton bemerkt wurde.
Gemessen an den vorherigen Vergehen war der Grund, weshalb der 22-Jährige aus dem östlichen Landkreis am Mittwoch vor Gericht stand, ein völlig anderer. Eher klein und schmächtig von Wuchs, war er immerhin schon siebenmal in Körperverletzung verwickelt oder gar maßgeblich treibende Kraft: gefährliche Körperverletzung in Mittäterschaft, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, gefährliche gemeinschaftliche Körperverletzung. Der Richter berichtete auszugsweise von Vorkommnissen, die geprägt schienen von Alkohol, Respektlosigkeit und Gewalt. Dafür saß er auch schon weit über ein Jahr ein und was ihm 2014 unterlief, hätte genügt, jede Bewährung undenkbar zu machen. Er bezog, unter Bewährung stehend, 1304 Euro Arbeitslosengeld, das ihm nicht zustand. Er beantragte, ihm wurde bewilligt und er verschwieg. Vor allem, dass er schon anderweitige Einkünfte hatte. Genaue Angaben zu diesem Sachverhalt konnte oder mochte der Beschuldigte nicht machen. Als Grund gab er Suchtprobleme an, die ihm damals die Lebensführung und heute das Erinnern erschwerten. Dennoch hinterließ der junge Mann einen sortierten Eindruck, auch weil er seit bald zwei Jahren "clean" sei und den Verpflichtungen zu Rückzahlungen nachkomme.
Die Gründe, die das Schöffengericht bewog, innerhalb eines einzuhaltenden Strafrahmens milde zu bleiben, saßen in den Zuschauerreihen: ein Kleinkind und eine junge Frau. Sie stellen die vollkommen veränderte Sachlage bisheriger Lebensverhältnisse dar, denn nun hat der 22-Jährige für eine Familie zu sorgen. Zu Rate gezogen wurde bei dem Verfahren auch die Jugendgerichtshilfe. Ihrer Ansicht nach steht fest, dass sich der junge Mann aus alten schädlichen Verbindungen gelöst habe und überwiegend Interesse an Familiärem bestünde. Zudem neige der Angeklagte verstärkt dazu, Gründe für eigenes Scheitern bei sich selbst zu suchen.
Beinahe 45 Minuten zog sich das Gericht zur Beratung zurück. "Schwierig", nannte Jaunich die Beantwortung der Frage, ob Bewährung noch möglich sei. Wiedergutmachungen und Einsicht des Angeklagten ließen das Gericht einer Bewährung zustimmen: fünf Monate Haft auf drei Jahre Bewährung. MH

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