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Bamberg

Schläger kommt hinter Gitter

Ein 22-jähriger Bamberger hat einen Syrer, der einen Streit lediglich schlichten wollte, grundlos übel verprügelt. Das Urteil des Schöffengerichts lautet: 20 Monate Gefängnis.
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Die Fäuste sprechen ließ ein volltrunkener 22-jähriger Bamberger und kassierte dafür eine 20-monatige Haftstrafe  Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Fäuste sprechen ließ ein volltrunkener 22-jähriger Bamberger und kassierte dafür eine 20-monatige Haftstrafe Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

20 Monate muss ein 22-jähriger Bamberger ins Gefängnis, weil er im April 2019 einem Streitschlichter mit einem Faustschlag den Unterkiefer gebrochen hat. Dass der junge Syrer nicht noch stärker verletzt wurde, gleicht einem Wunder, bekam er doch auch einen Fuß des Angeklagten ins Gesicht, als er bereits bewusstlos am Boden gelegen war.

Es geht hoch her in der Discothek im Herzen Bambergs. Kurz vor "Ladenschluss" um 4 Uhr früh muss die Security hart durchgreifen. Ein 22-jähriger Bamberger fällt mehrfach unangenehm auf. Er hat so einiges intus und sich nicht mehr unter Kontrolle. In der Blutprobe finden sich später 1,7 Promille. Immer wieder sucht er Streit mit anderen Gästen. Zuerst auf der Straße vor dem Tanzclub, wo er vor aller Augen plötzlich damit beginnt, auf die Straße zu pinkeln. Als ihn ein 27-jähriger Mann aus Baunach dafür rügt, bekommt der als Antwort eine Ohrfeige. "Er war total unberechenbar, erst ganz ruhig, dann flippte er aus."

Drinnen stänkert der Angeklagte dann weiter, legt sich mit immer mehr Nachtschwärmern an. Irgendwann verlagert sich das Geschehen unter den freien Himmel. Nicht ohne das unvermeidliche "Dann klären wir es eben draußen". Dort geht es richtig zur Sache.

Zwei andere greifen den Angeklagten an. Sie werden demnächst vor dem Schöffengericht stehen. Eine Massenschlägerei droht. Hier nun kommt ein 26-jähriger Syrer ins Spiel. Er kennt keine der beiden Parteien, die einander mit Worten und Fäusten verletzen. Der Geflüchtete aus Hirschaid will beruhigen, geht dazwischen, um die Streithähne zu trennen. Was ihm nicht gut bekommt. Offenbar hält der Angeklagte ihn für einen weiteren Angreifer. Mehrere Faustschläge des Angeklagten treffen ihn im Gesicht. Einer davon muss so heftig gewesen sein, dass dabei der Unterkiefer mehrfach gebrochen wird.

Zeugin hört das Knacken

Eine Zeugin aus Strullendorf kann in dem Geschrei und Getümmel sogar das Knacken hören. Der Streitschlichter geht zu Boden, wird bewusstlos. Als er im Krankenwagen aufwacht, wird er erfahren, dass der Angeklagte danach noch mit dem Fuß zugetreten hat. Mit Anlauf mitten ins Gesicht, wie mehrere Umstehende beobachtet haben. Weshalb anfangs der Ermittlungen auch ein versuchter Totschlag im Raume stand. Die Folge sind Blutergüsse, Schwellungen und Schmerzen. Glücklicherweise aber keine schweren Schädelverletzungen. Allerdings befinden sich noch immer Metallplatten im Unterkiefer, die bei einer Operation im Klinikum Bamberg eingesetzt wurden.

"Einmal in der Woche muss ich zum Kieferorthopäden", so der Syrer. Als die Streifenpolizisten eintreffen, hat sich der spätere Angeklagte noch immer nicht beruhigt. Mit den vier Beamten scheint er Spielchen spielen zu wollen. Deren Humor aber ist begrenzt, zumal er ihnen Beleidigungen wie "Hurensöhne" und "Bullenschweine" entgegenschleudert.

Es dauert einige Minuten, bis die Polizisten die Handschellen angelegt haben, weil sich ihr Gegenüber dagegen sträubt. "Wir mussten ihn in den VW-Bus tragen", so einer der Gesetzeshüter. "Ich kann mich an nichts erinnern, was keine Beleidigung war."

Für all diese Taten wird Staatsanwalt Ralph Zenger 33 Monate Haft fordern. "Wir haben es hier mit dem Klassiker im negativsten Sinne zu tun." Auch wenn der Angeklagte Glück gehabt hätte, denn in Augsburg habe ein Faustschlag gereicht, und der Feuerwehrmann sei tot gewesen. "Eine Bewährungsstrafe kann man keinem vermitteln." Zugunsten des Angeklagten wertete der Vorsitzende Richter Michael Herbst dessen umfassendes Geständnis, soweit Whisky und Wodka die Erinnerungen nicht weggespült hatten.

"Kein stadtbekannter Schläger"

Zudem dass der 22-jährige Bamberger einen festen Arbeitsplatz hat, dessen er auch nach rund einmonatiger Untersuchungshaft in der JVA nicht verlustig ging. Auch dass er "kein stadtbekannter Schläger" ist, wie sein Verteidiger Holger Zebisch aus Erlangen erklärte. Der Rechtsanwalt hatte versucht, eine Bewährung zu bekommen, denn nur so könne der Syrer ganz sicher Schadenersatz und Schmerzensgeld erhalten. Davon ließ sich das dreiköpfige Schöffengericht nicht beeindrucken. "Dass man einen Unbeteiligten, der helfen will, schlagen muss, ist mir ein Rätsel." Hätte er den am Boden liegenden, wehrlosen Syrer nicht noch getreten, eine Bewährungsstrafe wäre denkbar gewesen. "So aber müssen wir ein deutliches Zeichen setzen, dass wir als Staat Menschen mit Zivilcourage schützen."

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