Bamberg

Schläge und Tritte vor der Disco

Vier junge Männer müssen sich vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.
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Das Opfer erlitt bei dem Vorfall Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper und einen Nasenbeinbruch. Symbolfoto: Christopher Schulz
Das Opfer erlitt bei dem Vorfall Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper und einen Nasenbeinbruch. Symbolfoto: Christopher Schulz

Dass Zeugen die schlechtesten Beweismittel in einem Strafverfahren sind, konnte man dieser Tage am Amtsgericht Bamberg beobachten. Vor dem Jugendschöffengericht musste sich ein Quartett junger Männer aus dem Landkreis Haßberge wegen Schlägen und Tritten gegen einen Auszubildenden im Oktober 2017 vor einer Disco in Knetzgau verantworten. Schon nach kurzer Zeit schied einer straffrei aus dem Prozess aus, was sich im Nachhinein noch als Glücksfall für Staatsanwältin Franziska Frohberg erweisen könnte.

Einmal sind es drei Täter, dann wieder fünf, zuletzt sogar "mindestens sieben". Einmal flüchten sie mit einem BMW, dann wieder mit einem Mercedes. Dabei stehen die schmerzhaften Verletzungen des heute 21-jährigen Winzers aus dem Landkreis Haßberge fest. Bei der Verprügelungsaktion erlitt der junge Mann Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper, eine Platzwunde an der Stirn und einen Nasenbeinbruch.

Am frühen Morgen hatte es damit angefangen, dass es auf dem Gelände vor dem Tanzlokal zu einem Streit gekommen war. "Der andere war auf Stunk aus und hat mich blöd angemacht." In dessen Folge ging das Opfer, das seine Begleiterin schützen wollte, nach Fausthieben zu Boden und verlor seine Brille. Da er ohne diese beinahe blind sei, habe er nur noch Umrisse und Schatten gesehen und hätte niemanden erkannt. Das Opfer wurde dann über die Motorhaube eines parkenden Wagens geworfen, am Boden weiter verprügelt und beim Versuch, seine Brille aufzuheben, mit einem finalen Fußtritt getroffen: "Von unten ins Gesicht, wie man einen Fußball anlupft."

Angeklagte schweigen

Die vier Angeklagten, darunter zwei Brüder (24 und 20), äußerten sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen. Nur einer gab an, zur Tatzeit zu Hause gewesen zu sein. Das könne sein Vater bestätigen. Was der aber nicht tat - mit Verweis auf sein Recht, keine Angaben über Familienmitglieder machen zu müssen. Nur wenige Indizien, wie ein Whatsapp-Chat, in dem einer von einer gebrochenen Hand eines mutmaßlichen Täters schrieb, die dieser kurz nach dem Vorfall im Krankenhaus behandeln ließ, oder die Erziehungsbeauftragungen, mittels derer die Minderjährigen in Begleitung Erwachsener in die Disco gelangt waren, wiesen auf die Angeklagten.

Weder die draußen angebrachte Überwachungskamera der Disco noch das Security-Personal, das den Eingangsbereich augenscheinlich nicht verlassen wollte, und schon gar nicht die nur etwa eine Woche beim Provider gespeicherte Funkzellenauswertung erbrachten handfeste Beweise. So blieben nur die Zeugen, die allerdings kaum einen der Angreifer zweifelsfrei identifizieren konnten. Was an der nicht gerade taghellen Straßenbeleuchtung um kurz vor 5 Uhr früh, dem alkoholisierten Zustand aller Beteiligten nach dem Discobesuch und dem rasanten Ablauf der Attacken lag.

Fortsetzung folgt

Für drei der Angeklagten dürfte die Fortsetzung des Strafprozesses am 17. Mai doch noch brenzlig werden. Denn dann wird der vierte Angeklagte als Zeuge aussagen. Sein Verfahren wurde nach Hinweis seines Pflichtverteidigers Maximilian Glabasnia (Bamberg) eingestellt, weil er bereits vier Jahre und neun Monate auf dem Buckel hat.

Diese hohe Jugendstrafe "sammelte" der Drogenabhängige durch versuchte Nötigung, Bedrohung, Beleidigung und gefährliche Körperverletzung. Dabei hatte er einen Mitschüler mit anderen Komplizen in einem Hinterhalt gelockt und ihm Joch- und Nasenbein gebrochen. An anderer Stelle hatte er zwei Streifenpolizisten unter anderem als "Wichser" und "Hurensöhne" beleidigt. Zudem hatte er einem Klassenkameraden während des Unterrichts mit einem Filzstift ein Hakenkreuz auf die Stirn gemalt, "damit jeder weiß, dass er ein Scheiß-Nazi ist!" Außerdem durch gemeinschaftlichen Rauschgifthandel in und um Zeil am Main. Dabei war es nicht nur um 200 Haschisch und 200 Gramm Amphetamin ("Speed") gegangen, sondern auch noch einmal um die stolze Menge von 2350 Gramm Amphetamin.

Drogenentzug in Klinik

Derzeit befindet sich der 19-jährige Mann, der bereits mehrfach die Gerichte in Haßfurt und Bamberg beschäftigt hat, für insgesamt 21 Monate zum Drogenentzug im Bezirkskrankenhaus Parsberg. Dort ist man auf Jugendliche und Heranwachsende spezialisiert. Um den Therapieerfolg nicht zu gefährden, kam er nun mit einem blauen Auge davon. Noch am selben Tag stellte er sich der Prüfung für den qualifizierenden Mittelschulabschluss. Da gegen ihn nun wegen der gefährlichen Körperverletzung nicht mehr verhandelt werden kann, steht er gleichsam als Kronzeuge zur Verfügung. Von ihm wird es wohl abhängen, ob die drei Angeklagten überführt werden können oder freigesprochen werden müssen.

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