Bad Staffelstein

Schicksal nach 101 Jahren geklärt

Das U-Boot U 31 der kaiserlichen Marine mit dem Staffelsteiner Johann Stang an Bord sank 1915 vor der englischen Ostküste. Sein Name steht auf dem Ehrenmal am Staffelberg.
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Matthias einwag

U-Boote werden gebaut, um nicht gefunden zu werden. Das seit über zwei Wochen vermisste argentinische U-Boot "San Juan" ist noch immer in den Tiefen des Ozeans verschwunden. 101 Jahre blieb U 31 der kaiserlichen Kriegsmarine verschollen: 1915 lief es aus, erst seit 2016 ist gewiss, wo es auf dem Meeresgrund liegt. Mit an Bord war ein Staffelsteiner, der Obermaschinenmaat Johann Stang. Er kam beim Untergang des Bootes ebenso ums Leben wie alle weiteren 34 Besatzungsmitglieder einschließlich des Kommandanten, Oberleutnant z. S. Siegfried Wachendorff.
Richard Schnell, ein pensionierter Studiendirektor aus Freising, entdeckte unlängst bei einer Wanderung zum Staffelberg das Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs. Auf diesem Denkmal, das sich am westlichen Aufstieg auf halber Höhe befindet, fand er den Namen Johann Stang. Er recherchierte und bekam heraus, dass Johann Stang 1915 mit U 31 untergegangen ist - mit einem Boot, dessen Wrack 2016 identifiziert werden konnte.
U 31 war am 13. Januar 1915 von Wilhelmshaven ausgelaufen, um vor der Südostküste Englands zu operieren. Seither galt das Boot als verschollen. Bei "Welt/N24" ist im Januar 2016 folgendes zu lesen: "Die beiden Funker (damals offiziell Funktelegraf-Gasten genannt) Karl Meyer und Fritz Zöllner meldeten von dieser Fahrt nichts mehr. Da auch keine zum Verschwinden des Bootes passenden Versenkungsmeldungen der Royal Navy überliefert sind, nahm die Seekriegsleitung an, Wachendorff sei mit seinem Boot in schwerem Wetter havariert und gekentert."


Wrack mit dem Sonar gefunden

Im September 2012 hatte ein niederländisches Unternehmen rund 89 Kilometer vor der Küste Norfolks in 30 Meter Wassertiefe überraschend ein Wrack gefunden. Die Niederländer waren unter anderem im Auftrag des Vattenfall-Konzerns mit Sonarpeilung auf der Suche nach geeigneten Arealen für den Bau von Windparks beauftragt. Zunächst nahmen sie an, es handle sich um das letzte noch vermisste niederländische U-Boot "Hr. Ms. O 13" aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit Filmaufnahmen und anhand einer von Tauchern geborgenen Metalltafel, die mit "SM Unterseeboot U 31" beschriftet ist, konnte das Wrack zweifelsfrei zugeordnet werden.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet im Januar 2016, der Unterwasser-Archäologe Mark Dunkley gehe davon aus, dass das fast 65 Meter lange Boot durch eine Mine zerstört wurde. Der Fundort von U 31 sei nun eine offizielle Kriegsgräberstätte. Der dort geplante Windpark soll an einer anderen Stelle errichtet werden. Die "SZ" zitiert einen Konzernsprecher: "Geborgen und untersucht oder gar ausgestellt werde das Wrack nicht... Da es als Kriegsgräberstätte gelte, sei es gesetzlich geschützt und dürfe nicht bewegt werden."
"Das Ehrenmal am Staffelberg ist meiner Meinung nach zu wenig gewürdigt", sagt die Staffelsteiner Stadtarchivarin Adelheid Waschka. In der Stadt sei kaum bekannt, dass es von einer Frau geschaffen wurde - von Maria Lerch. Die Bildhauerin ist 1884 in Abtsgemünd zur Welt gekommen und 1962 in Bamberg gestorben. "Im Historischen Museum Bamberg hat sich eine Schulklasse um die Künstlerin gekümmert, das Denkmal aus den frühen 1930er-Jahren am Staffelberg ist bisher bei ihren Werken nicht aufgeführt", fährt die Archivarin fort. "Wir haben eine Entnazifizierungsakte über sie im Archiv - sie musste nachweisen, dass sie keine Jüdin ist, sonst hätte sie den Auftrag für das Denkmal nicht bekommen."
Maria Lerch studierte an der Kunstgewerbeschule München und bildete sich im Eigenstudium weiter. 1915 kam sie als Zeichenlehrerin an die Höhere Mädchenschule nach Bamberg, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Wohnung und Atelier hatte die Bildhauerin in der ehemaligen Schmiede der Alten Hofhaltung. Sie arbeitete mit Wachs, Gips, Stein und Ton. Grab-, Kriegerdenkmale und Heiligenfiguren hat sie geschaffen.


Bronzetafel am U-Boot-Ehrenmal

An die 35 Männer von U 31, die 1915 ums Leben kamen, erinnert eine Tafel am U-Boot-Ehrenmal Möltenort bei Kiel. Die Gedenkstätte wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut. Hier wird aller im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der deutschen U-Boot-Einheiten sowie der Opfer des U-Boot-Kriegs gedacht. Auf der Bronzetafel in Möltenort ist "O.Masch. Mt. J. Stang" genannt.
Archivarin Adelheid Waschka hofft nun, Nachkommen von Johann Stang zu finden, um den 1915 ums Leben gekommenen Marinesoldaten der Anonymität zu entreißen. Vielleicht gibt es ja sogar ein Foto von ihm, das dann 2018 in der Ausstellung anlässlich des 100. Jahrestag zum Ende des Ersten Weltkriegs gezeigt werden kann.

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