Wannbach

Schandmal auf dem Friedhof?

Mitglieder der Kirchengemeinde Wannbach haben die beiden Linden am Eingang zum Friedhof zurückgeschnitten. Eine Landschaftsplanerin sieht darin einen Naturfrevel. Der Pfarrer verweist auf den Handlungsbedarf.
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Wie ein Gerippe ragen die gekappten Äste nach oben.  Fotos: Josef Hofbauer
Wie ein Gerippe ragen die gekappten Äste nach oben. Fotos: Josef Hofbauer
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Josef Hofbauer Das sei keine Baumpflege, sondern Naturfrevel, ereifert sich Landschaftsplanerin Brigitte Müller aus Burggaillenreuth. Der Rückschnitt der Linde auf dem Friedhof in Wannbach komme einer Zerstörung des Baumes gleich, kritisiert die engagierte Ökologin. Die Linde sei zu einem dauerhaften Pflegefall geworden, klagt Müller.

Dabei war die Aktion "abgesegnet". Quasi von "ganz oben", denn für den drastischen Rückschnitt zeichnet niemand anders verantwortlich, als die evangelische Kirchengemeinde Wannbach. Die Gemeinde habe damit nichts zu tun, distanziert sich Bürgermeisterin Rose Stark (die Ökologen).

Wir mussten handeln

Es sei Gefahr in Verzug gewesen, betont Pfarrer Matthias Haag. Bei einer Begehung mit Vertretern des Liegenschaftsreferates vom evangelisch-lutherischen Landeskirchenamt sei festgestellt worden, dass die Linde teilweise eingebrochen war, dass sie Faulstellen aufwies. Die Statik sei gefährdet gewesen. "Wir mussten handeln", so Pfarrer Matthias Haag. Er räumt aber ein: "Wir haben weiteren Beratungsbedarf." Deshalb habe die Kirchengemeinde Wannbach bereits Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt aufgenommen. Von dort erhoffen sich die "Schäflein" Tipps zum weiteren Umgang mit der verstümmelten Linde.

Brigitte Müller verweist auf das Regelwerk für fachgerechte Baumpflegearbeiten und erinnert daran, dass so ein Radikalschnitt zwischen 1. März und 30. September sogar verboten sei. Ein Eingriff dieser Art gelte als Sachbeschädigung.

"Der Baum kann die riesigen Wunden nicht mehr schließen. Besonders bei Schnitten mit einem Durchmesser von mehr als zehn Zentimeter sei die Gefahr, dass Pilze und Bakterien in den Stamm eindringen enorm. Fäulnis werde das noch gesunde Holz weiter schwächen. Die Praxis zeige aber, dass so ein Baumfrevel immer wieder vorkomme, bedauert Müller.

Nun werde die Linde mit massenhaftem Austrieb reagieren. Das sei notwendig, damit der Baum nicht verhungert, erklärt der aus Mittelehrenbach stammende Ralf Beyer, von der "Bamberger Baumpflege", der Baumpflege in schonender Seilklettertechnik durchführt. Die Standsicherheit der Linde sei vermutlich nicht gefährdet, aber die neuen Triebe machten den Baum nicht stabiler. Die bruchgefährdeten Äste müssten regelmäßig kontrolliert und nachgeschnitten werden, was hohe Folgekosten nach sich ziehe.

Das letzte Mittel

Beyer wertet den kirchlich verordneten Radikalschnitt der Linde auf dem Wannbacher Friedhof als "Sondermaßnahme", die üblicherweise nur bei massiven Schädigungen angewandt werde. "So ein Rückschnitt ist das letzte Mittel", erklärt der Baumpfleger. Er werde nur dann angewandt, wenn ein stark vorgeschädigter Baum dennoch erhalten werden soll, weil er beispielsweise Ortsbild prägend ist.

Oft passierten solche Eingriffe aber nur deshalb, weil der Kunde das verlange. Vielfach wollten die Eigentümer solcher Bäume nur auf Nummer sicher gehen und ließen Bäume so radikal kürzen, dass nur noch der Stamm und ein paar Aststummel übrig bleiben. So könne vorerst keine Gefahr mehr durch herabfallende Äste von dem Baum ausgehen. Vielfach werde die kurzfristige Sicherheit über einen langfristigen Baum-Erhalt gestellt, bedauert Beyer.

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