Herzogenaurach

Schaeffler streicht 900 Stellen

Die Branche der Automobilzulieferer schwankt. Das bekommt auch Schaeffler zu spüren. Bis 2024 will der fränkische Konzern Hunderte Stellen streichen und Investitionen zurückfahren. Betroffen sind vor allem deutsche Standorte.
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Foto: Daniel Karmann/dpa
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stephan Grossmann Die weltweite Krise der Automobilzulieferindustrie trifft die Region. Schon häufiger war in fränkischen Großkonzernen die Rede von Stellenabbau. Nun also Schaeffler. Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Herzogenaurach wird bis 2024 etwa 900 Stellen streichen. 700 alleine in Deutschland. Der Zulieferer reagiert damit auf die anhaltende Marktschwäche in der gesamten Branche.

RACE heißt das Zauberwort, mit dem Schaeffler seine Sparte Automotive OEM sanieren will. In diesem Geschäftsbereich geht es um Systeme und Komponenten für Getriebe, Motoren und Fahrwerke sowie für hybride und elektrische Antriebssysteme. Ausgeschrieben steht RACE für "Regroup Automotive for higher Margin and Capital Efficiency". Heißt: Schaeffler will das sinkende Umsatzwachstum und die gering ausgelasteten Produktionskapazitäten kompensieren. Zusammen mit weiteren Maßnahmen will das Unternehmen in einem ersten Schritt 90 Millionen Euro einsparen.

Bereits im April 2018 haben Vorstand, Betriebsräte und IG Metall das Programm mit einer Zukunftsvereinbarung auf den Weg gebracht. Derzufolge sollen betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen vermieden werden. Schaeffler bestätigt auf Anfrage, "sozialverträgliche Lösungen" anzustreben. Wie sich der enger geschnallte Gürtel auf fränkische Werke etwa in Herzogenaurach, Schweinfurt und Höchstadt auswirkt, bleibt vorerst unklar. Konkrete Pläne lägen noch nicht in der Schublade, erklärt Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender Norbert Lenhard. "Weil Schaeffler eine Aktiengesellschaft ist, muss der Vorstand seine Aktionäre frühzeitig informieren. Das hat er getan." Für die Mitarbeiter in der Region sei das unbefriedigend. Die Ankündigungen schweben wie ein Damoklesschwert über ihnen.

Das Sparprogramm wird in drei Phasen durchgeführt. Die erste wurde im Januar gestartet, umfasst die nächsten 18 bis 24 Monate und soll den "europäischen Werksverbund konsolidieren". Die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor soll reduziert und stärker auf Hybrid und Elektro gesetzt werden. Betroffen sind voraussichtlich fünf Standorte in Europa. Welche genau das sind, kann Schaeffler zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur so viel: "Wir werden eine rigorose Kosten- und Kapitaldisziplin an den Tag legen", sagt Schaefflers Automotive OEM-Chef Matthias Zink.

Zugleich will der Konzern Investitionen in die Sparte drastisch zurückfahren. 2019 und 2020 sollen die laut Mitteilung nur maximal 900 Millionen Euro betragen. Zum Vergleich: In den vergangenen beiden Jahren waren es noch 1,2 Milliarden Euro. Norbert Lenhard drängt auf Zukunftsfähigkeit. Er fordert, Investitionen zielgerichtet weiterzuführen sowie Erstausbildungen, duales Studium und Weiterbildungen fortzusetzen. "Das Ziel ist es, die Transformation gemeinsam anzugehen", sagt er.



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