Kulmbach

Saubere Energie rund um die Uhr

Im Kulmbacher Land sind einige Mühlen in Betrieb. Die BR hat vier Wasserkraftwerker besucht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nach ausgiebigen Niederschlägen ist der Anfall von Treibgut am Rechen besonders groß.  Fotos: Jürgen Valentin
Nach ausgiebigen Niederschlägen ist der Anfall von Treibgut am Rechen besonders groß. Fotos: Jürgen Valentin

Flusswasser wird auf Schaufelräder geleitet, die dadurch in Bewegung gesetzt werden und Generatoren antreiben, die wiederum die mechanische Energie in elektrischen Strom umwandeln. Das Prinzip eines Wasserkraftwerkes ist simpel. Bei dieser Technik, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche "saubere Energie" liefern kann, liegt der Teufel oftmals aber im Detail.

Alexander Matthes (49), Hartmut Kolb (58), Thomas Weberpals (52) und Stefan Weigel (46) können ein Lied davon singen. Alle vier sind Betreiber von "Kleinwasserkraftwerken". Wobei die Bezeichnung "klein" untertrieben ist, denn mit den Anlagen in Kulmbach, Unterzettlitz, Kauerndorf, Neuenreuth und Kleinziegenfeld können gleich mehrere Ortschaften mit versorgt werden.

Gegenüber Wind- und Solarparks bieten Mühlen einige Vorteile: So wird Strom aus Wasserkraft ununterbrochen und weitestgehend unabhängig vom Wetter produziert, ist somit ein wichtiger Faktor bei der Grundlastversorgung. Auch in Sachen Nachhaltigkeit punktet er: Während die Entsorgung von Windrädern und Photovoltaik-Modulen nach deren Nutzungsdauer noch nicht gänzlich geklärt ist, da bedenkliche Materialien verbaut sind, lassen sich die Bestandteile eines Wasserkraftwerks meist problemlos recyceln. Weitere Pluspunkte sind der hohe Wirkungsgrad (rund 90 Prozent) und die Langlebigkeit von Wasserkraftwerken.

Rechtliche Hindernisse

Bei all diesen Vorzügen stellt sich die Frage, warum im Zuge der angestrebten Energiewende die Nutzung von Wasserkraft oft stiefmütterlich behandelt wird? Warum also nicht vermehrt in Wasserkraft investieren, anstatt die Landschaft durch Windräder und PV-Freiflächenanlagen zu verschandeln?

Ein Grund ist sicherlich, dass dieses energiepolitische Thema in der Vergangenheit stark von den Lobbyisten der großen Energieversorger geprägt wurde. "Zentral statt dezentral" lautete in der Vergangenheit die Devise. Zudem gibt es rechtliche Hindernisse. Hartmut Kolb: "Um ein Wasserkraftwerk zu betreiben, muss man im Besitz eines Wassernutzungsrechts sein." Und dieses wird meist mit einer Mühle oder sonstigen Immobilie vererbt. Eine Neuzuweisung ist an sehr hohe Anforderungen geknüpft.

Außerdem ist der Betrieb und Unterhalt eines Wasserkraftwerks nicht jedermanns Sache. Als Privatmann bedarf es schon besonderer Fähigkeiten. Dazu gehören eine ausgeprägte Technikbegeisterung, großes handwerkliches Geschick und kaufmännisches Denken. "Man muss viel selber machen und reparieren können. Wenn man für jede Kleinigkeit eine Firma benötigt, rechnet sich das nicht", weiß Alexander Matthes, der wie seine drei Kollegen ein Tüftler ist und eine weitere Problematik anspricht: "Jede Anlage ist anders, hat ihre Besonderheiten, über die meist nur der Betreiber Bescheid weiß."

Zwar gibt es in Deutschland einige Spezialfirmen. Doch deren Dienstleistungen sind oftmals einfach zu teuer, weshalb Mathes & Co. auf Vorort-Lösungen setzen, die Erfahrungen dabei sind sehr gut.

Im "Standby-Modus"

Der "Standby-Modus" ist eine weitere Gemeinsamkeit der Wasserkraftwerker, die sich regelmäßig austauschen und sich keineswegs als Konkurrenten sehen. "Weshalb auch? Es nimmt ja keiner dem anderen etwas weg", so Matthes.

Im Vergleich zu Windkraft- und PV-Anlagen ist der Zeitaufwand für die regelmäßige Wartung wesentlich höher. Damit die wasserbetriebenen Anlagen problemlos Strom produzieren können, müssen regelmäßig die Rechen im Zulauf gereinigt werden. Es kann vorkommen, dass täglich Treibgut abgefischt werden muss. "Es ist nichts Außergewöhnliches, dass man mit der Motorsäge ins kalte Wasser steigt, um einen verkeilten Baum zu zerteilen und zu entfernen", erzählt Hartmut Kolb.

Kurz vor Weihnachten wurde Stefan Weigel im Skiurlaub von einer Fehlermeldung aufgeschreckt. Ein großes Totholzstück hatte zwei sogenannte Aufstauschütze durchbrochen. Insbesondere die Beseitigung des 16 Meter langen Baumes gestaltete sich schwierig.

Andere Probleme gibt es während der niederschlagsarmen Monate. Sinkt der Wasserpegel, wird auch weniger Strom produziert. In den beiden zurückliegenden Dürresommern ging die Stromproduktion um bis zu 40 Prozent zurück. Hartmut Kolb musste 2018 den Betrieb sogar für einige Wochen einstellen, damit die Anlage keinen Schaden nahm.

Obwohl die Stromerzeugung durch Wasserkraft als umweltfreundlich gilt, gibt es auch hier Kritiker. Tierschützer verweisen auf die Gefahren für die Fische, weshalb die Betreiber gesetzlich angehalten sind, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, die von den Behörden auch regelmäßig und unangekündigt kontrolliert werden. Der Unterhalt eines Kleinwasserkraftwerk ist für die Betreiber auch mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden. In die Gesamtsanierung der Limmersmühle investierte Alexander Matthes 2012 einen sechsstelligen Betrag.

Eine Art Altersvorsorge

Den Aufwendungen für Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen stehen die Erträge aus dem Stromverkauf gegenüber. Allerdings dauert es viele Jahre, bis der Break-even-Point erreicht ist, weshalb viele Betreiber ihre Investitionen auch als Altersvorsorge sehen.

Schlecht kalkulieren lassen sich indes die von den Betreibern erbrachten Arbeitsstunden und vor allem das Risiko durch höhere Gewalt. Stefan Weigel und seine Kollegen gehen jedenfalls davon aus, dass "sich die Rahmenbedingungen verschlechtern werden und sich der Aufwand erhöht". In Zukunft wird bei den Wasserkraftwerkern also noch viel mehr Herzblut fließen ...

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren