Neudrossenfeld

Russland und Franken vereint

"focus-europa" lebt sich künstlerisch in Russland aus. Die kreativen Köpfe haben die neue Umgebung auf die Leinwand gebracht.
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Lutz-Benno Kracke während des Symposiums an der Baltic Sea
Lutz-Benno Kracke während des Symposiums an der Baltic Sea
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Die Kunst macht es möglich: Vorurteile abzubauen, das richtige Leben zu erleben abseits touristischer Zwänge. Die Künstlergruppe "focus-europa" hat tiefe Einblicke aus Russland mitgenommen.

Nach genau zwölf Monaten haben Künstler von "focus-europa", der Künstlervereinigung in Neudrossenfeld mit über 130 aktiven Mitgliedern aus 13 europäischen Ländern, erneut der Idee "Kunst ohne Grenzen" einen Namen gegeben und ein einwöchiges Symposium inszeniert.

In der Art-Residence "Vitland" hatten die Künstler Sand und die Baltic Sea direkt vor den Füßen: mit einem Blick bis zum Horizont, Sonnenuntergängen und purer Natur.

Neue Umgebung inspiriert

Die Umgebung inspirierte fünf fränkische focus-Künstler und fünf russische Kunstschaffende aus Kaliningrad (Königsberg) zu den unterschiedlichsten Motiven: die Sonne in Öl als Lebensspender, kleine Buchgestaltungen, die künstlerische Tiefe offenbarten, und abstrakte Gedankenwelten, die sich im Nirgendwo auflösten, oder fiktive Portraits mit Grafit gezeichnet.

Bei der Vernissage in der Galerie mit erhöhter Sicht auf das Meer wurde dicht nebeneinander der Kontrast von fränkischen und russischen Kunstdenken illustriert. Nahezu 60 Werke wurden präsentiert. Der Kosmopolit Lutz-Benno Kracke, langjähriger Vorsitzender und Spiritus- Rector für die ausländischen focus-Beziehungen, nutzte die Tage der direkten Nähe zur Natur in freier Formensprache. Das Ergebnis: klare Strukturen in Acryl, dunkles Meeresblau, das sich in lichter Schaumwelligkeit auflöst, das rote Quadrat als Fixpunkt.

Die Bilder von Birgit Möller-Klimek aus Fürth leben von der unmittelbaren Begegnung mit den Elementen Himmel, Erde und Wasser. Ihr abstrakter Expressionismus strahlt Leuchtkraft und Farbenpracht aus.

Verschiedene Kunstwerke

Gabriele Breuer aus Heideck im Kreis Roth legte ihren Fokus auf ungewöhnliche Portraits, der Mensch als zwielichtige Person in der Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit.

Das Kunstbuch war das Metier von Ruth Eva Karl in Vitland aus Eckental im Kreis Erlangen-Höchstadt. Sie klebte, nähte und faltete China-und Büttenpapier zu kleinen Kunstwerken. Eines zierte eine von der Baltic Sea angeschwemmte Rinde.

Die Fürther Fotodesignerin Christiane Richter begab sich auf Motivsuche und entdeckte den Fluss der Zeit in der Metamorphose russischer Gegenwart und deutscher Vergangenheit im fluoreszierenden Licht.

Komplementiert und die Symbiose der gegenseitigen Freundschaft betonend, zeigten die russischen Künstler Exponate in Vielfalt. Von Stillleben in Öl, Sanddünen, expressionistischen Details der Naturgewalten bis zu mäandernden, berauschenden Farbabstufungen in ziselierter Architektur. 2020 haben die Kaliningrader ein Ziel vor Augen: Nach Gesprächen mit Professor Evgeny Umansky vom nationalen Künstlerverband Kaliningrad will man in der Galerie Eishaus in Neudrossenfeld eine moderne Ausstellung inszenieren.

Franken und Russland kommen sich dann erneut ein Stück näher durch die Kunst und im Verstehen der verschiedenen Mentalitäten. Lutz-Benno Kracke: "Ich würde mich freuen, wenn die seit zwei Jahren von ,focus-europa' praktizierte Zusammenarbeit mit Russland-Kaliningrad weiter belebt wird. Denn die internationalen Verbindungen sind primär Aufgabe der Künstlervereinigung."

Die Reise nach Russland

Noch anzumerken sind interessante Aspekte, die die Künstler auf ihrer Reise und während des Aufenthalts in der Exklave erlebt haben: Die Fahrt mit dem Zug in der Holzklasse von der Metropole Kaliningrad nach Svetlogorsk ans Meer war sehr günstig: für 78 Rubel, was 1,05 Euro entspricht - für 42 Kilometer.

Großartig war auch die Weitsicht auf den hohen Dünen der Kurischen Nehrung, von der man gleichzeitig bis zur Ostsee und dem kurischen Haff blicken konnte.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen war für die Künstler nicht zu überbieten.

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