Bamberg

Runder Bauch, rundes Leben

In "plötzlich rund" thematisieren Josepha und Markus Wagner ihre ungewollte Schwangerschaft. Kommenden Sonntag sind die beiden in der Alten Seilerei zu sehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Josepha und Markus Wagner kannten sich erst seit vier Wochen, als ihr Kind unterwegs war.  Foto: pr
Josepha und Markus Wagner kannten sich erst seit vier Wochen, als ihr Kind unterwegs war. Foto: pr

Marion Krüger-Hundrup Man denkt, man ist bereits erwachsen und selbstständig. Doch mit einem Schlag ist alles anders: In der einen Hand den positiven Schwangerschaftstest, in der anderen entgleitet einem das Leben. Mutig, mit einfachen Worten und humorvoll traut sich Schauspielerin Josepha Wagner an dieses große Thema. Ihr Bühnenstück "Plötzlich rund" erzählt "A ehrliche G'schicht mit Musik". Musik, die ihr Ehemann Markus aufspielt. Am Sonntag, 10. März 2019, lädt um 17 Uhr der Förderverein "Donum Vitae Bamberg" dazu in die Alte Seilerei in Bamberg ein. Es ist eine Benefizveranstaltung zugunsten von "Donum Vitae", einer staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen. Karten für 15 Euro gibt es bei "Donum Vitae", Kapuzinerstraße 34, Bamberg, Telefon: 0951 2086325, und an der Abendkasse. Vorab haben wir mit Josepha Wagner gesprochen.

Sie haben mit Ihrem Mann Markus Wagner das Bühnenstück "Plötzlich rund" geschrieben. Worauf muss sich das Bamberger Publikum einstellen?

Josepha Wagner: Auf einen ziemlich ehrlichen Abend. Unser Stück ist ja kein klassisches Kabarett Programm, obwohl es auch zum Lachen ist, was ich schwer hoffe. Es ist unsere echte Geschichte, die wir, ich sag mal "kabarettistisch aufgearbeitet" haben. Wir zwei sind schwanger geworden, nachdem wir uns gerade mal vier Wochen kannten. Da mussten wir dann schon das eine oder andere Lied darüber schreiben, um alles einmal im Kopf sortiert zu bekommen.

Wie ist der Titel "Plötzlich rund" zu verstehen? Beschreibt der lediglich einen optischen Eindruck?

Auf keinen Fall. Er beschreibt sehr viel mehr unseren innerlichen Zustand, den wir erlangt haben. Es fühlte sich plötzlich rund an, als Markus in mein Leben kam. Obwohl er natürlich erst über ein paar ziemlich kantige Steine musste. Aber dann plötzlich ergab alles einen Sinn. Plötzlich wurde mir klar, warum es mir kurz bevor ich Markus kennengelernt habe, so schlecht in Bezug auf Partnerschaft und Liebe ging. Warum ich eigentlich nie Kinder wollte, und warum ich im Grunde richtig Angst hatte vor einer ernsthaften Beziehung. Irgendwie hat sich plötzlich ein Kreis geschlossen. Aber natürlich hab ich auch ordentlich zugenommen. Ich wog das erste Mal in meinem Leben so viel wie mein Papa.

Sie sagten einmal, dass Sie nie eine Familie wollten, weil Sie dachten, diese schränke die Kreativität ein. Nun haben Sie sogar zwei Söhne. Liegt jetzt Ihre Kreativität tatsächlich brach?

Nein, zum Glück nicht. Eher im Gegenteil. Durch Xaver, also unseren ersten Sohn, kam alles ins Rollen. Er und die ganzen Veränderungen in meinem Leben gaben mir den Ansporn, endlich das zu tun, was ich immer schon mal machen wollte. Ein Soloprogramm auf die Bühne stellen. Ich wusste nur einfach nie mit welchem Thema. Was beschäftigt mich so tief, dass ich aus dem Vollen schöpfen kann? Dass es nun dieses Thema wird, hätte ich nie in meinem Leben gedacht! Aber so vieles ist nun völlig anders gelaufen, als ich es mir ausgedacht habe. Wenn mich heute jemand fragt, ob wir noch ein drittes Kind wollen, sag ich lieber gar nichts mehr. Weil eigentlich nie das eintrifft, was ich sage: Ich wollte nie Kinder, nie heiraten und sicher niemals einen Campingurlaub machen. Nun war ich letzten Sommer mit meinen zwei Kindern und meinem Ehemann in einem VW Bus in Irland unterwegs.

Ihre erste Schwangerschaft war ungewollt, Sie erwogen eine Abtreibung. Was hat Sie letztlich umgestimmt, Ihr Kind auf die Welt zu bringen?

Die Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich hab mich ganz viel hinterfragt. Meine Glaubenssätze. Meine Prägungen: Warum ich kein Kind will, warum ich den Mann am liebsten auch wieder los haben wollte und und und. Da kamen ein paar sehr aufschlussreiche Antworten dabei raus, die mir gezeigt haben, wovor ich eigentlich Angst hatte. Aber das hätte ich alleine so nicht geschafft. Ein ganz enger Freund hat mir oft den Spiegel aufgezeigt und verdammt viele gute Fragen gestellt. Und Markus war mir eine ganz wichtige Stütze, weil er einfach mit mir mitgegangen ist. Er war von Anfang an für das Kind, obwohl auch er nie einen wirklichen Kinderwunsch in sich hatte. Aber er wäre auch mit mir in eine Abtreibungsklinik gegangen, wenn das mein Herzenswunsch gewesen wäre. Er stand einfach hinter mir. War es aber dann plötzlich nicht mehr. Was es da für ein Schlüsselerlebnis gab, erzählen wir euch gerne am Sonntag dann live in Bamberg.

Ist Ihr Bühnenstück dann so etwas wie eine Anti-Abtreibungs-Kampagne?

Nein, überhaupt nicht. Weil ich der Meinung bin, dass jede Frau oder jedes Paar für sich selbst entscheiden soll/darf/muss, welchen Weg sie gehen. Was unser Stück aber ist, ist eine großes dickes JA zum Leben. Und zwar zu dem, was einem so passiert. Es erstmal annehmen und schauen, was es einem sagen will, bevor man es wegschiebt, das wollen wir den Menschen mitgeben. Keine Angst vor dem zu haben, was einem widerfährt. Angst ist meist ein ziemlich schlechter Ratgeber, und wenn man den Mut hat, hinter die Angst zu blicken, dann versteht man oft sehr viel besser, worum es hier eigentlich gerade wirklich geht.

Viele Frauen kämpfen mit der Aufgabe, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wie schaffen Sie das?

Manchmal schaff ich es gar nicht. Zumindest fühl ich mich so. Und manchmal bin ich ganz stolz auf uns und denke mir, ja, das könnte doch klappen. Aber es klappt bei uns nur durch die Unterstützung von vielen lieben Freunden, die den Xaver in München oft genommen haben. Die uns auf Tour begleitet haben und mit umgeschnalltem Kind spazieren sind, während wir gespielt haben und dann in der Pause wieder da waren, damit ich stillen konnte. Seit wir zwei Kinder haben, Xaver und Franz, leben wir nun auf dem Land in Eggenfelden, Niederbayern, und bekommen dort ganz viel Unterstützung von unseren Familien. Ohne die würden wir es ganz klar so nicht hinbekommen. Am Anfang war Xaver ja immer dabei, aber nun ist er schon zwei Jahre und redet mindestens so viel wie seine Mama. Also muss er zu Hause bleiben, sonst stielt er uns noch die Show.

Was erwarten Sie von Ihren Zuschauern in Bamberg?

Ein offenes Herz für eine authentische Geschichte. Mehr nicht. Einfach Lust drauf haben, die Liebesgeschichte zweier Menschen zu hören, die so ganz was anderes bekommen haben von dem, was sie eigentlich im Leben mal wollten. Aber am Ende ziemlich glücklich damit sind. Wir freuen uns schon sehr darauf, diesen Abend mit den Menschen aus Bamberg teilen zu dürfen.

Das Gespräch führte Marion Krüger-Hundrup.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren