Memmelsdorf

Rund um Mutter und Kind

Das erste Baby im Geburtshaus "Rundum Bamberg" in Memmelsdorf wird schon bald erwartet. Drei Hebammen haben sich mit dem Projekt einen großen Traum erfüllt.
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Maria, Stefan und Eleanor inspizieren die Einrichtung.
Maria, Stefan und Eleanor inspizieren die Einrichtung.
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Noch sieht alles ganz neu aus, die Böden und Wände sind frisch gemacht und die Möbel wie unberührt. Doch schon diese Woche könnte sich das ändern. Die Spanne für den ersten Geburtstermin beginnt, das erste Baby wird bald im Geburtshaus "Rundum Bamberg" in Memmelsdorf das Licht der Welt erblicken.

Mit ihrem eigenen Geburtshaus "Rundum Bamberg" haben sich die drei Hebammen Theresa Paule, Stefanie Richter und Veronica Walther einen großen Wunsch erfüllt. "Dadurch, dass die Räumlichkeiten hier in Memmelsdorf nach unseren Vorstellungen neu gebaut wurden, ist jetzt wirklich jeder Standard erfüllt, von Barrierefreiheit über Hygiene bis hin zur gemütlichen Atmosphäre", erklärt Veronica Walther. Die drei Initiatorinnen des neuen Geburtshauses sind zufrieden und freuen sich, nun in ihren eigenen vier Wänden an die Arbeit zu gehen.

Von Anfang an dabei

Nun endlich können Paule, Richter und Walther wieder Mutter, Vater und Baby von den ersten Schwangerschaftswochen über die Geburt bis hin zur Nachsorge begleiten. Wieder, denn sie alle hatten schon im alten Geburtshaus in Bamberg bis zur Schließung im Oktober 2017 gearbeitet. "Das Schöne an der Arbeit im Geburtshaus war, dass wir wirklich jeden Schritt der Schwangerschaft miterleben durften", erklärt Veronica Walther.

Doch ausgerechnet den Höhepunkt der Schwangerschaft, die Geburt, verpassten die Hebammen in den drei Jahren Arbeit außerhalb eines Geburtshauses. "Wir begleiten die Paare meistens rund ein Jahr bei der Vor- und Nachbereitung der Geburt, da ist es einfach schade, sie selbst nicht mitzuerleben", sagt Veronica Walther.

Zum Kick-Off des neuen Geburtshauses konnten interessierte Eltern die Räumlichkeiten besichtigen und sich alle Fragen rund um das Thema Geburtshaus von den Profis beantworten lassen. "So schnell wird eine Besichtigung nicht mehr möglich sein, denn ab jetzt ist der Geburtsraumbereich einzig für die Schwangeren mit Angehörigen reserviert", erklärt Veronica Walther.

Der Kursbereich dagegen bleibt weiterhin frei zugänglich, hier werden die Hebammen Geburtsvorbereitungskurse, Rückbildungskurse und Babymassagen anleiten. Für interessierte Paare bieten sie zudem in den kommenden drei Monaten Infoabende an. "Meiner Meinung nach gibt es nicht das eine richtige Geburtskonzept. Jedes Paar muss für sich die passende Alternative aussuchen; deshalb ist es wichtig, sich ein Bild über die Optionen zu machen", erklärt Walther.

Für die Option Geburtshaus spricht laut Walther besonders die intensive Betreuung durch die Hebammen. "Im Krankenhaus ist meistens eine Hebamme für vier Geburten gleichzeitig zuständig; bei uns dagegen sind immer zwei Hebammen für eine Frau in den Wehen da", sagt Walther. Zudem steht von vornherein fest, bei welcher Hebamme das Baby auf die Welt kommen soll, so dass sich Familie und Hebamme schon kennen und vertrauen. Auch viele Familien, die sich das neue Geburtshaus anschauen, sind schon mit dem Konzept und seinen Vorteilen vertraut. "Wir haben mit unseren ersten beiden Kindern schon gute Erfahrungen mit Geburtshäusern gemacht, im Kreißsaal wäre mir das zu unpersönlich und steril", erklärt Kerstin aus Baunach. "Für mich fasst es der Satz ‚Schwangerschaft ist keine Krankheit, warum also ins Krankenhaus gehen?' gut zusammen", stimmt Vater Christian zu.

Ohne Hast und Medikamente

Auch durch ihre Natürlichkeit kann die Geburtshausgeburt bei den (werdenden) Eltern punkten. Für Maria und Stefan spielte das schon bei der Geburt ihrer Tochter Eleanor eine große Rolle. "Ich wollte, dass ich meine Tochter in meinem eigenen Tempo auf die Welt bringen kann, ohne vorantreibende Medikamente oder die Hast eines Krankenhauses", erklärt Maria. Dafür werden sie und Stefan auch den Weg aus Coburg bis nach Memmelsdorf auf sich nehmen für die Geburt ihres zweiten Kindes.

Im Geburtshaus wird neben Komplementärmedizin auch auf andere medizinische Maßnahmen wie etwa Kaiserschnitte verzichtet. Deshalb können hier nur komplikationsfreie Geburten betreut werden, für Zwillingsgeburten oder Querlieger müssen die Eltern ins Krankenhaus ausweichen. "Normalerweise wird sowas aber schon weit vor der Geburt festgestellt, sodass sich die Eltern darauf vorbereiten können", erklärt Veronica Walther.

Für alle anderen Eventualitäten sind die Hebammen aber gut gerüstet. "Wir haben zwei Geburtszimmer und nehmen erstmal maximal zehn Geburten pro Monat an, damit hier wirklich jede Frau in Ruhe und rundum umsorgt ihr Baby bekommen kann", sagt Walther.

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