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Herzogenaurach
Burkina Faso

Rund 220 000 Menschen wurden in der Stadt Kaya aufgenommen

Didier WendWaoga Ouedraogo ist für Herzogenaurach ein wichtiger Verbindungsmann in die afrikanische Partnerstadt Kaya. In seiner Heimatstadt kümmert er sich ehrenamtlich um die Schulpatenschaften und ...
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Didier zusammen mit Karin Peucker-Göbel, Anita Scholz, Patrizia Siontas und Alev Ekici (von links) vom Partnerschaftsverein Herzogenaurach-Kaya Foto: pr
Didier zusammen mit Karin Peucker-Göbel, Anita Scholz, Patrizia Siontas und Alev Ekici (von links) vom Partnerschaftsverein Herzogenaurach-Kaya Foto: pr

Didier WendWaoga Ouedraogo ist für Herzogenaurach ein wichtiger Verbindungsmann in die afrikanische Partnerstadt Kaya. In seiner Heimatstadt kümmert er sich ehrenamtlich um die Schulpatenschaften und das Mikrokredit-Programm des Vereins.

Zur aktuellen Situation berichtet er Folgendes: "Seit fast eineinhalb Jahren wird die Region Zentral-Nord - wie auch viele andere Regionen in Burkina Faso - von Attentaten erschüttert. Auch die Zivilbevölkerung, die sich ursprünglich gegen das Militär und die Sicherheitskräfte gestellt hatte, wurde und wird zur Zielscheibe der Terroristen. Dies hat zu enormen Migrationsströmen in Richtung der Stadt Kaya geführt. Derzeit sind es ca. 220 000 Menschen, die aus den nördlichen Regionen geflohen sind und in Kaya aufgenommen wurden. Kaya verfügt über eine Militär-/Polizeistation, so dass die Menschen hier einigermaßen sicher leben können. Das Leben der Binnenvertriebenen ist nicht einfach. Sie benötigen Lebensmittel, Hygieneartikel und Bildungsstätten für die Kinder sowie Unterkünfte und fruchtbaren Boden zum Bewirtschaften. Einige Hilfsorganisationen, lokale wie die Caritas (OCADES) und internationale wie der UNHCR, das Rote Kreuz, Oxfam, die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) und das WFP (World Food Programme) versuchen, diese Flüchtlinge zu unterstützen. Bei Tagungen, an denen ich für die OCADES Kaya teilnehme, werden die Hilfsmaßnahmen koordiniert.

Konkret kümmere ich mich beispielsweise um ca. 50 Schulkinder, deren Familien das Schulgeld nicht ohne zusätzliche Hilfe finanzieren könnten. In öffentlichen weiterführenden Schulen zahlen die Eltern ca. 20 Euro allein für das Schulgeld pro Jahr. Da die öffentlichen Schulen aber durch die hohe Flüchtlingszahl komplett überfüllt sind, müssen sie ihre Kinder auf Privatschulen schicken, die mindestens 100 Euro kosten, so dass sie 80 Euro mehr als normalerweise benötigen. Wenn Schulmaterial, Schuluniform und eine Mahlzeit am Mittag dazugerechnet werden, belaufen sich die Kosten auf ca. 220 Euro pro Jahr.

Oft nur ein Raum

Die Flüchtlinge, die oft in den noch nicht erschlossenen Randgebieten von Kaya - ohne Strom und Wasser - aufgenommen werden, haben für eine Großfamilie von 25 bis 30 Personen oft nur einen einzigen Raum zur Verfügung: eine Hütte von etwa zehn Quadratmetern Fläche, die als gemeinsames Schlafzimmer dient. Meist bleiben die Männer draußen und überlassen den wenigen Platz den Frauen und Kindern. Für die Menschen, die in den eingemeindeten Dörfern rund um Kaya aufgenommen wurden und die ein Stück Land bekommen haben, werden neue Hütten aus einfachen Sand-Ziegeln errichtet. Von außen werden die Hütten mit einer Mischung aus altem Motoröl (Öl aus Mopeds oder Autos), Teer und Ton abgedichtet. Sonst würden sie die nächste Regenzeit nicht überdauern.

Die Ministerin, die für humanitäre Hilfeleistungen zuständig ist, Laurence Marchal, hat erklärt: Die Bevölkerung benötigt ein Dach über dem Kopf, Lebensmittel, um nicht zu verhungern, Sanitärartikel, um sich zu waschen und Instandsetzungen/Reparaturen. Sie brauchen eine bessere Nahrungsversorgung für ihre Kinder, vor allem für die Kinder unter fünf Jahren".

Anfang Februar besuchte der UN-Flüchtlingshochkommissar, Filippo Grandi, Burkina Faso. In Kaya und Dori traf er sich mit Überlebenden eines Angriffs auf ein in der Nähe gelegenes Dorf, bei dem vor einigen Tagen etwa 20 Menschen getötet wurden. Ihre Berichte über den furchtbaren Angriff auf ihr Dorf waren erschreckend." red