Münnerstadt

Rumänien, Fidschi-Inseln und Münnerstadt

In wenigen Tagen schon wird Sigrid Ullmann ihr Amt als Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Auferstehungsgemeinde an ihren Nachfolger Martin Hild übergeben. Er hat mit seiner Familie das Pfarrhaus i...
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Pfarrerin Sigrid Ullmann (rechts) erzählte im Seniorenzentrum St. Elisabeth aus ihrem Leben. Heimleiterin Renate Schiefer (links) verabschiedete sie mit einem Blumenstrauß, da sie nach Schweinfurt wechselt. In der Bildmitte Baldur Kolb, der Organisator der Erzählcafés.  Foto: Dieter Britz
Pfarrerin Sigrid Ullmann (rechts) erzählte im Seniorenzentrum St. Elisabeth aus ihrem Leben. Heimleiterin Renate Schiefer (links) verabschiedete sie mit einem Blumenstrauß, da sie nach Schweinfurt wechselt. In der Bildmitte Baldur Kolb, der Organisator der Erzählcafés. Foto: Dieter Britz

In wenigen Tagen schon wird Sigrid Ullmann ihr Amt als Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Auferstehungsgemeinde an ihren Nachfolger Martin Hild übergeben. Er hat mit seiner Familie das Pfarrhaus in der Freiherr-von-Lutz-Straße bereits bezogen. Am 1. Oktober wird sie ihre erste dauerhafte Pfarrstelle in Schweinfurt antreten. Gerade noch rechtzeitig vor ihrem Abschied aus Münnerstadt konnte sie Baldur Kolb für das Erzählcafé im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth gewinnen. Die Pfarrerin hatte aus ihrem Leben zwischen vielen Stationen in Deutschland, Rumänien und den Fidschi-Inseln viel zu erzählen.

Sigrid Ullmann betonte, dass sie viele Erinnerungen an das Seniorenzentrum St. Elisabeth mitnehmen wird. Da gab es die Einweihung der neuen Küche, die Feier zum 20-jährigen Bestehen, die Gottesdienste, die Weihnachtsfeier, die Geburtstagsfeiern. Dann kam sie gleich auf den zumindest äußerlich größten Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten zu sprechen: Die protestantischen Pfarrer dürfen heiraten, auch Frauen können Pfarrerinnen werden und heiraten. Pfarrerinnen gebe es seit Ende der 1960er Jahre, heute sei dies ganz selbstverständlich. Pastorin oder Pfarrerin? Sigrid Ullmann erklärte es so: "Die Frau Pastorin ist meist die Pfarrfrau. Deshalb sagt man meistens Pfarrerin."

Sigrid Ullmann wurde 1974 in Rheinland-Pfalz geboren. Ihr Vater war evangelisch, die Mutter katholisch. "Ich wurde nie getauft, habe aber dank meiner Urgroßmutter alles Katholische mitgenommen", sagte sie schmunzelnd. Sie sang im katholischen Kinderchor, besuchte den katholischen Religions- und Firmunterricht und eine katholische Klosterschule. Dort wuchs der Wunsch in ihr, einen geistlichen Beruf zu ergreifen. Sie ließ sich evangelisch taufen und begann ein Theologiestudium an der kirchlichen Hochschule Augustana in Neuendettelsau. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen. Er ist Pfarrer in Lauscha (Thüringen), wo auch die vier Kinder des Pfarrer-Ehepaares leben.

Minus 30 Grad

In Neuendettelsau wurde auch ihr Interesse an der Missionskirche geweckt. Zusammen mit ihrem Mann bewarb sie sich um ein Stipendium in Rumänien und bekam es tatsächlich. In diesem Land lebten viele Siebenbürger Sachsen, heute sind es noch etwa 6000. Als Theologiestudenten gaben beide Religionsunterricht und predigten in den Dörfern. In den riesengroßen Kirchen gab es keine Lautsprecheranlagen, entsprechend laut mussten sie predigen. "Die Züge sind irgendwann gefahren, aber nicht, wenn es im Fahrplan stand", berichtete sie und "bei 30 Grad minus war das ein Abenteuer. Wir haben viel mitgenommen, auch Gelassenheit und die Bereitschaft zu improvisieren".

Noch in Rumänien bekamen sie die Zusage für ein weiteres Stipendium: die Fidschi-Inseln in der Südsee. Dort erlebten sie das große Spektrum der evangelischen Kirchen. Für die beiden Theologiestudenten, die gerade geheiratet hatten, waren das die Flitterwochen. Doch mit den Flitterwochen war es bald vorbei, denn wieder einmal wurde geputscht und geschossen. Nach einigen Wochen wurden sie mit Hilfe der deutschen Botschaft ausgeflogen. Danach unterbrach sie ihr Studium für ein Jahr und bewarb sich als Flugbegleiterin bei der Fluggesellschaft Air Berlin.

Dann wurde sie schwanger und blieb daheim, um sich um ihre kleine Tochter zu kümmern. Derweil machte ihr Mann Examen. Dann blieb er daheim, und sie machte ihr Examen. Er war damals der erste Vikar in Elternzeit. Der Vorgesetzte sei deshalb "lauter geworden", schmunzelte sie. Nach dem Examen legte sie auch die Prüfung als Diplom-Theologin ab. Als Pfarrerin wirkte sie in Erlangen, Lichtenfels, Tettau und zuletzt als Religionslehrerin an der Freien Waldorfschule Coburg. Nach einem Jahr in Münnerstadt wechselt sie nun als Pfarrerin in die Lukas-Gemeinde nach Schweinfurt.

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