Erlangen

Rückzugsraum und Chance zugleich

Jubiläum Seit 30 Jahren bietet die "Wabe" in Erlangen psychisch Kranken einen geschützten Rahmen und zugleich die Möglichkeit zu einem eigenverantwortlichen Leben. Ziel ist es, den Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
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Der Wabe Industrieservice Erlangen ist eine anerkannte Werkstatt für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Hier werden Mitarbeiter auf ihrem Weg ins geregelte Arbeitsleben unterstützt und erfahren berufliche Teilhabe. Foto: Yvonne Guillery
Der Wabe Industrieservice Erlangen ist eine anerkannte Werkstatt für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Hier werden Mitarbeiter auf ihrem Weg ins geregelte Arbeitsleben unterstützt und erfahren berufliche Teilhabe. Foto: Yvonne Guillery
Dass psychische Erkrankungen Jahr für Jahr zunehmen, ist allgemein bekannt. Die heutige Gesellschaft mit ihren Rahmenbedingungen kann für einen gesunden Menschen bereits schwierig werden. Was passiert also mit Menschen, die psychische Probleme haben? In Erlangen und Umgebung gibt es für diesen Personenkreis seit nunmehr 30 Jahren die "Wabe", einen eingetragenen Verein zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen mit Hauptsitz in Eltersdorf.
Ursula Kosmalla, Geschäftsführerin der Wabe-Gesellschaften, bestätigt: "Psychiatrieerfahrene brauchen einen geschützten Rahmen. Diesen finden sie bei der ,Wabe' in den Bereichen Wohnen, Arbeiten oder in der Freizeitgestaltung. Denn dann können auch Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung ein weitgehend normales Leben führen."
Noch 1987 waren 1000 Menschen mit psychischen Erkrankungen im Erlanger Bezirksklinikum untergebracht. Die Aussicht, dass es auch für diese Menschen eine Möglichkeit für ein Leben außerhalb geschlossener Einrichtungen geben muss, war der Anstoß, den Verein "Wabe" zu gründen.


Die Anfänge

Begonnen hat alles mit vier Mitarbeitern, die noch als Patienten in Räumen der Klinik einer geregelten Arbeit nachgingen. Heute beschäftigt die Wabe Elektronik und Montageservice Erlangen GmbH mehr als 60 Mitarbeiter und ist zu einem kompetenten Partner für die mittelständischen Unternehmen in der Region geworden. Seit 1995 ist es auch für Menschen, die dem allgemeinen Arbeitsmarkt (noch) nicht zur Verfügung stehen, möglich, in der anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung Wabe Industrieservice Erlangen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Mit zunehmender Selbstständigkeit wächst auch das Bedürfnis nach den eigenen vier Wänden. Seit 1990 betreut "Wabe" deshalb auch Wohnprojekte. Nachdem das therapeutische Wohnheim nach zwölf Jahren aufgelöst wurde, konnten dessen Bewohner 2016 eigene Wohnungen anmieten und beziehen. Dabei leistet die "Wabe" Hilfestellung im Alltag und gewährleistet einen weiteren Schritt in Richtung eigenverantwortliches Leben von Menschen mit psychischen Erkrankungen


Lesungen und Workshops

Jüngstes Projekt des Vereins ist "Wabene" - Begegnungen im Zentrum in der Erlanger Henkestraße. "Wabene" deckt den Bereich Freizeit ab und sorgt mit vielfältigen Angeboten wie Lesungen, Workshops, gesundheitlichen Aktivitäten und vielem mehr für einen ungezwungenen Umgang miteinander. Im Bistro trifft man sich zum Mittagessen oder zu Kaffee und selbst gemachtem Kuchen, Ehrenamtliche engagieren sich bei Kreativangeboten, und ein Ex-In-Berater hilft mit seinen Erfahrungen aus der eigenen Psychiatriegeschichte sowohl Betroffenen als auch professionellen Helfern bei der täglichen Arbeit. Zur Alltagsstrukturierung gibt es für Menschen, die nicht in der Lage sind, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, die "Wabene"-Tagesstätte.
In Fachkreisen anerkannt, ist die "Wabe" eigenen Angaben zufolge in der Bevölkerung weniger bekannt. Das Thema Psychiatrie sei oft negativ behaftet und ein gesellschaftliches Tabu, wohl wissend, dass es jeden treffen kann.


Wichtig: neue Perspektiven

Andreas Trzcinski, ehemaliger Geschäftsführer und heutiger Vereinsvorstand fasst das Wirken der "Wabe" zusammen. "Von einer Institution wie der ,Wabe' profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern die gesamte Gesellschaft. Es ist wichtig, Barrieren zwischen Gesunden und Betroffenen abzubauen, Verständnis zu schaffen und neue Perspektiven zu öffnen. Nur so kann Inklusion funktionieren." red
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