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Rotes Licht, weiße Wölfe und ein Mord im Asylbewerberheim

Großen Prozessen gehen in der Regel Verbrechen voraus, die öffentliches Aufsehen erregt haben. Nach 17 Verhandlungstagen hat die Große Strafkammer des Landgerichts Bamberg Mitte Juli das Urteil im "Ro...
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Großen Prozessen gehen in der Regel Verbrechen voraus, die öffentliches Aufsehen erregt haben. Nach 17 Verhandlungstagen hat die Große Strafkammer des Landgerichts Bamberg Mitte Juli das Urteil im "Rotlicht-Prozess" verkündet. Der 55-jährige Winfried E. (Namen geändert) galt für die Kammer als Drahtzieher hinter diversen Straftaten im Bamberger Rotlicht-Milieu. Zwischen Juni 2016 und Januar 2017 hatte es Brandanschläge auf ein konkurrierendes Bordell im Laubanger und auf Autos gegeben. Gegen E. wurde dafür eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verhängt.

Peter U., der sein Nachfolger werden sollte und durch seine Aussage die übrigen Angeklagten schwer belastet hat, wurde zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren zehn Monaten verurteilt. Bis zuletzt stand in dem Prozess Aussage gegen Aussage. U. gab an, dass ihn E. mit den Anschlägen beauftragt habe. E. bestritt, vor der Ausführung auch nur davon gewusst zu haben. "Es gibt für das Gericht keine Zweifel: E. hatte nach wie vor das Sagen, U. war einverstanden", sagte hingegen Vorsitzender Richter Manfred Schmidt.

Für die übrigen Täter wurden Freiheitsstrafen von eineinhalb bis fünf Jahren und neun Monaten verhängt, in zwei Fällen bezog das Gericht größere Vorstrafen mit ein. Dass die meisten Angeklagten von einer beabsichtigten Brandlegung nichts gewusst hätten, hielt das Gericht nicht für glaubhaft. Die Männer seien an jenem Abend zu sechst in einem Skoda Fabia gefahren. Sebastian O. lag quer auf den Beinen der hinten Sitzenden und hielt den Molotow-Cocktail offen in Händen. "Es wäre völlig lebensfremd, wenn die Tatbeteiligten da nicht gewusst hätten, dass auch eine Brandstiftung geplant ist", sagte der Vorsitzende Richter.

Keine "kriminelle Vereinigung"

Drei Männer und eine Frau aus dem rechtsextremen Spektrum mussten sich von Mitte Oktober an als harter Kern einer Untergruppe der mittlerweile verbotenen "Weisse Wölfe Terrorcrew" (WWT) vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts verantworten. Für den Hauptvorwurf, der Bildung einer kriminellen Vereinigung, reichte die Beweislage am Ende nicht. Damit blieb eine Reihe von Einzelstraftaten abzuurteilen. Die Körperverletzungsdelikte nach dem Vatertag 2015, an denen alle Angeklagten beteiligt waren, fielen dabei besonders ins Gewicht. Jennifer P. wurde wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt, zwei Angeklagte zu Bewährungsstrafen. Keine Bewährung gab es für Thorsten P. - er muss unter Einbeziehung einer anderen Strafe für drei Jahre hinter Gitter.

Das schwerste Verbrechen, das in diesem Jahr vor dem Landgericht abgeurteilt werden musste, war der Mord in einer Asylbewerberunterkunft in Unterleiterbach. Zwei Syrer hatten einen Landsmann gefesselt, geknebelt, erstochen und beraubt. Für Oberstaatsanwalt Otto Heyder war es "eines der niederträchtigsten und brutalsten Verbrechen, das in Bamberg je verübt wurde". Gegen den älteren Angeklagten sprach das Gericht eine lebenslange Gefängnisstrafe aus, zudem ist die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden. Der Jüngere wurde zu zwölf Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt.

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