Neunkirchen am Brand

Rote Eimer schlagen Alarm

Mit einer Eimeraktion will die Feuerwehr Neunkirchen am Brand die Bürger aufrütteln. Noch sind genug Mitglieder da, doch die Zahl der Aktiven geht immer weiter zurück.
Artikel drucken Artikel einbetten
Thomas Heinlein packt die roten Signaleimer mit aus.  Foto: Petra Malbrich
Thomas Heinlein packt die roten Signaleimer mit aus. Foto: Petra Malbrich

Einen roten Eimer, ähnlich wie bei einer Schuhsammlung, haben Neunkirchens Bürger am Samstag vor der Haustüre stehen. Eine Altkleider- oder Schuhsammlung ist es aber nicht, sondern, wie die Signalfarbe Rot schon andeutet: eine Aktion für brisante Situationen.

"Haushaltslöschkübel" steht auf der Vorderseite des roten Eimers. 2400 Stück davon wurden über Nacht von den Neunkirchner Feuerwehrleuten verteilt. "Die Aktion ist einerseits spaßig gemeint, andererseits soll sie zum Nachdenken anregen", erklärt Robert Landwehr, Kommandant der Feuerwehr Neunkirchen am Brand.

Der Hintergrund der Aktion, die in Nordrhein-Westfalen patentiert wurde, ist ernst. "Wenn es so weitergeht, kommt in zehn Jahren keiner mehr im Ernstfall. Wir müssen weiterdenken, müssen jetzt etwas tun", macht Thomas Heinlein, der zweite Kommandant der Wehr, deutlich.

Ironisch dargestellt ist die doch todernste Situation auf der Rückseite des Löscheimers. Eine "Anleitung" fürs richtige Handeln im Ernstfall ist dort gegeben: Brand melden, zehn Minuten auf die Feuerwehr warten, hoffen, dass die Feuerwehr kommt, wenn keiner vor Ort ist, den Löscheimer füllen, die Nachbarn informieren und eine Löschkette bilden.

Runter vom Sofa!

Das Traurige an der Sache: "Das Potenzial an Leuten ist da, aber die Zahlen gehen nach unten", sagt Landwehr. "Geht zur Feuerwehr", lautet der Appell, der dahintersteckt, auch wenn es auf dem Sofa bequemer ist. Denn die Zahl der Ehrenamtlichen, die aktiven Dienst leisten, nimmt ab. Auf dem Papier stehen zwar 55 aktive Mitglieder, doch anwesend und wirklich zur Verfügung stünden nur 30 bis 35 Feuerwehrler. Und bei den Frauen sind es nur noch zwei Aktive.

Die Zahl der Einsätze hingegen ist gestiegen. "52 Einsätze hatten wir im gesamten vergangenen Jahr. Bis zum ersten Halbjahr hatten wir heuer schon 62 Einsätze", sagt Heinlein. Es sind keine schnell erledigten Einsätze, sondern zeit- und arbeitsintensive. Nicht selten kommen die Freiwilligen erst um 6 Uhr morgens von einem Einsatz zurück, waren also die ganze Nacht hindurch unterwegs.

Verkehrssicherung und vor allem Unwettereinsätze werden immer häufiger und fordern die Arbeit und Leistung der Ehrenamtlichen. "In einer Woche hatten wir fünf Alarmeinsätze", sagt Landwehr. Die Neunkirchener Wehr steht mit diesem Nachwuchsproblem nicht alleine da. Auch in anderen Feuerwehren werden Nachwuchsaktive gesucht. "Je größer die Gemeinde sei, desto schwieriger sei es, berichten die beiden Kommandanten aus den Erzählungen von anderen Verantwortlichen der Feuerwehren im Landkreis Forchheim.

Nicht selten würden sich die Bürger wundern, dass die Neunkirchener Feuerwehr keine Berufswehr ist, weil sie so schnell am Einsatzort ist. Das gelingt, weil noch genügend Ehrenamtliche Dienst tun.

Leute mittleren Alters gesucht

Jugendliche zu werben, gelingt meist gut. Doch kaum sind sie erwachsen, ziehen sie arbeits- oder studienbedingt woanders hin. Mit der Eimeraktion wollen die Neunkirchener Feuerwehrler deshalb gezielt das "Mittelalter" ansprechen. Die Männer und Frauen in dem Alter haben oft den Hausbau hinter sich und haben etwas zu verlieren - bei einem Brand, durch Hochwasser.

"Mit 50 Jahren gehört man noch nicht zum alten Eisen. Es gibt für jeden Aufgaben", betont Heinlein, "jeder wird je nachdem, was er leisten kann, eingesetzt." Ein 40-Jähriger würde demnach nicht zur Ausbildung zum Atemschutzträger gezwungen werden. Sicher müssten die Neuen eine Ausbildung durchlaufen. Doch diese 100 Stunden können sie sich auf das ganze Jahr einteilen.

"Mitmachtag" am 16. September

Der Eimeraktion folgt ein "Mitmachtag" am Sonntag, 16. September, an dem die Wehr alles zeigt, was für die Einsätze benötigt wird. Hier schon dürfen die Bürger den Umgang mit den Materialien und Geräten probieren.

Die Eimer übrigens müssen die Bürger nicht mehr abgeben. Er soll im Haus bleiben und eine Art "Stolperstein" und zur Gewissensfrage werden. Wenn nicht gleich, dann vielleicht ein halbes Jahr später, hoffen die beiden Kommandanten auf Nachwuchs im mittleren Alter.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren