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Erlangen

Rosmarin und der blaue Himmel

Wie Gerüche Erinnerungen zurückbringen, erlebten Teilnehmer beim Geruchs- und Geschmacksbuffet. Dieser Teil der Workshopreihe "Erlangen erzählt. Lebensgeschichten" fand kurz vor den Auswirkungen der Corona-Krise statt.
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Das Geschmacksbuffet bot jede der fünf Geschmacksrichtungen an.  Fotos: Sylvia Hubele
Das Geschmacksbuffet bot jede der fünf Geschmacksrichtungen an. Fotos: Sylvia Hubele
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Riechen Menschen an Seife, Koriander, Zitrone oder einem anderen Duft, der für sie einmal in welcher Form auch immer wichtig war, kommt die Erinnerung daran zurück. Kunsttherapeutin und Kunsthandwerkerin Ingrid Modlmayr erklärt im Workshop "Erlangen erzählt" die Zusammenhänge von Geschmack, Geruch und Erinnerungen, bevor jeder selbst auf die Sinnesreise gehen kann.

In vielen kleinen Dosen und Gläsern stecken Gewürze, Fruchtstücke, aber auch Kernseife oder Obstler. Jeder ist eingeladen, die Deckel aufzuschrauben, die Nase hineinzustecken und mit einem tiefen Atemzug neben der Nase auch sein zentrales Nervensystem anzuregen. Ist ein bestimmter Geruch mit einer speziellen Erinnerung verknüpft, kann diese unmittelbar auftauchen, verriet Modlmayr. Sie empfahl den Teilnehmern, das Glas oder die Flasche mit dem Geruch mit an den Tisch zu nehmen, damit sich jeder ungestört erinnern konnte, auch an die oft damit verbundenen Emotionen.

Zettel und Stifte lagen bereit, während alle schrieben, schwebte leises Murmeln über den Tischen. Anschließend las Ingrid Modlmayr über den Trost, den Milchreis bieten kann, geschrieben von Isabell Allende und lud alle Anwesenden ebenfalls zum Vorlesen oder Erzählen ein.

Ein alter Mann trug das Glas mit Zwiebel nach vorne: "Für mich gibt es kein Essen ohne Zwiebel", erzählte er von seiner Schwägerin, bei der er regelmäßig zum Essen kam und zu seiner ebenfalls zwiebelmäßigen Kleidung. Ein anderer Mann wurde durch den Duft des Rosmarins an den blauen Himmel über dem Münchner Marienplatz erinnert und wie er dort seine Frau kennenlernte. Getrockneter Koriander rief bei einem Mann eine Kindheitserinnerung ins Gedächtnis: Sein Vater spielte mit ihm Eisenbahn und gab aus einem Fläschchen drei Tropfen in den Schornstein der Lok "Die Erinnerung war lange verschüttet - und ist jetzt wieder da", staunte er. Eine Frau wurde von den Kaffeebohnen an ihre lange zurückliegende Reise zu den Kaffeebauern in Peru erinnert: "Jetzt ist der Kaffee nur noch Ware".

Während die Menschen miteinander über Düfte und Erinnerungen ins Gespräch kamen, eröffnete Ingrid Modlmayr das Geschmacksbuffet: Eine große Schüssel mit Milchreis, Brot aus echtem Natursauerteig, Käsewürfel und viele weitere Kostproben standen bereit. Von jeder der fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und würzig gab es etwas zu kosten und die Menschen griffen zu, probierten und erzählten.

Kooperation mit "Aktion Mensch"

Das kreative Schreiben mit Geruchs- und Geschmacksbuffet gehört zur Workshopreihe "Erlangen erzählt. Lebensgeschichten im Erzählcafé" des Projekts "Kommune Inklusiv in Kooperation" mit der "Aktion Mensch". Die im vergangenen Jahr begonnene Reihe wird heuer fortgesetzt, versichert Projektleiterin Felicitas Keefer.

Eingeladen sind alle, ob alt oder jung, mit oder ohne Handicap. Für Oberbürgermeister Florian Janik ist das Projekt "Kommune inklusiv" ebenfalls wichtig: "Wir müssen uns um alle Menschen bemühen, auch um die, die für manche als behindert gelten". Diese Erzählreihe wird auch nach der Corona-Krise Menschen zusammenbringen.

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