Bad Staffelstein

"Romantisches" Camping im Schnee

Jahreswechsel  Einige Hartgesottene sind auch in dieser Jahreszeit auf dem Staffelsteiner Ganzjahres-Campingplatz zu finden. Der viele Schnee und die Kälte machten ihnen nichts aus. Ganz im Gegenteil - sie wurden sogar herbeigesehnt.
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Das Entfernen des Schnees ist für Anna und Henning Wahnschaffe keine Mühe, eher eine erfrischende Begebenheit. Sie lieben es auch dann zu campen, wenn der Sommer vorbei ist. Foto: Markus Häggberg
Das Entfernen des Schnees ist für Anna und Henning Wahnschaffe keine Mühe, eher eine erfrischende Begebenheit. Sie lieben es auch dann zu campen, wenn der Sommer vorbei ist. Foto: Markus Häggberg
von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Bad Staffelstein — Für Monate, wenn man die Zeiten zusammenzählt, werden Anna und Henning Wahnschaffe auf engstem Raum in der Kurstadt überwintern. Auf einem Campingplatz, dem einzigen Ganzjahres-Campingplatz im Landkreis. Zehn Quadratmeter für zwei Personen von Oktober bis März/April. Und ab vorvorgestern auch noch bei Schnee.
Anna Wahnschaffe lacht. Gerade stapft sie eine Spur in den Schnee, die von ihrem Wohnmobil hinüber in den zum Campingplatz gehörigen Raum führt, in dem die Urlaubsgäste auf Rädern ihren Abwasch erledigen können. Teller, Tassen und Besteck liegen in einer Art Bottich und haben sich dort nach jeder Mahlzeit im Wohnwagen angesammelt. Die Luft ist frisch, es könnte glatt werden und morgen kann es sein, dass der Schnee eine Höhe erreicht haben wird, bei der die Tür nur mit etwas Nachdruck aufgeht.

Der Italiener beim Abwasch

Die ältere Dame findet genau solche Umstände "romantisch". Beim Abwasch kommt sie mit einem Italiener ins Gespräch, der ist immer lustig und will ab Silvester mit dem Rauchen aufhören. Man kennt sich, man schätzt sich, man begegnet sich bisweilen. Der Mann dürfte auch kaum mehr Komfort genießen, wenngleich seine Unterbringung etwas geräumiger ausfällt.
"Es ist im Vergleich zu daheim schon ein bisschen primitiv - aber das weiß man ja", so das Fazit der älteren Dame. Sie zuckt dabei die Achseln, ganz so wie jemand, der nun schon lange genug um das Wechselspiel der Jahreszeiten und das, was es mit sich bringt, weiß. Eben weil es draußen schneit, empfindet sie ihren Wohnwagen bewusster "schön warm". Aber das kommt bei den angekündigten Temperaturen nicht von ungefähr: "Wir müssen durchheizen, damit uns das Wasser nicht einfriert." Man will sich ja wenigstens warm waschen.
Henning Wahnschaffe ist Rentner, so wie seine Frau Rentnerin ist. Seit Jahren kommt er mit seiner Frau an diesen Ort und gemeinsam hat man sich in all den Jahren auch das winterliche Campen im und bei Schnee erschlossen. Der Grundstein wurde für das Ehepaar aus Gemünden am Main aber in den Sommern gelegt, damals, als die Kinder noch klein und das Campen ein günstiger Familienurlaub war. Irgendwann kam man auf die Idee, so etwas doch über den Sommer und Herbst hinaus auch noch zu machen.
Der Schnee fällt leise, aber stetig. Es knirscht unter den Schuhen, als die Rentnerin ihr nun sauberes Geschirr in den Wohnwagen bringt und ihren Mann weckt. Der liegt im Bett, ist aber sogleich hellwach und zu Scherzen aufgelegt. Fünf Meter Länge, kaum zwei Meter Breite, das sind die Lebensumstände der beiden Senioren. Acht Fenster stehen ihnen zur Verfügung und noch vor wenigen Tagen boten sie Sicht auf Bäume oder Gebäude. Nun ist die Aussicht aus dem einen Fenster so weiß wie aus dem anderen. Der Blick fällt in die Höhe, dort befindet sich ein Lichtschacht. Der Himmel ist weiß, wolken- und konturlos.
Es ist warm hier und alkoholfreies Bier steht unter dem Tisch, ein Fernseher lässt sich so schwenken, dass man vom Bett aus genauso TV gucken könnte, wie aus der Essecke. Der Blick fällt auf ein Holzbrettchen an der Wand, in das ein Merkspruch gebrannt wurde: "Des Campers Fluch ist Regen und Besuch." Mit Besuch ist bei diesem Wetter, unter diesen Umständen und auf diesem Campingplatz nicht zu rechnen. Campen im Winter bedeutet, sich aushalten können und müssen.

Medienerfahrene Cmaper

Schon einmal, so Anna Wahnschaffe, seien die Medien auf sie als Wintercamper aufmerksam geworden. Vor Zeiten habe sich der MDR auch gefragt, worin der Reiz wohl liegen könnte. Und sei dabei zufällig auf Wahnschaffes gestoßen. Dann wurde den Reportern auseinandergesetzt, was so verlockend sein kann. "Bowle im Wohnwagen", zählt die Dame dazu. Dann, wenn bei Schnee auf dem Campingplatz Silvester gefeiert wird. Oder wenn man, wie einst in Ilmenau geschehen, eine nächtliche Schneeburg zu Silvester baut. Gerne auch mit anderen Campern.
Ob man sich den Schnee ersehnte? "Ja", bekräftigt die Unterfränkin und fügt an: "Ganz sicher." Weil: "Im Winter empfindet man es, wenn man heimkommt, besonders kuschelig im Wohnwagen." Dass der gut eingeheizt bleibt, dafür trägt man Sorge. Überdies wird es den beiden Senioren ohnehin nicht langweilig und eigentlich zieht es sie bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen absolut ins Freie: "Wir gehen gerne im Schnee spazieren."
Mit dieser Vorliebe scheinen die beiden Unterfranken nicht alleine zu sein, denn die Anzahl an Wohnwagen hier hinterm Kurpark ist enorm. Die Menschen darin dürften ähnlich empfinden - von wegen Kuscheligkeit und winterlicher Romantik.
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