Wonsees

Romantik am Johannisfeuer

Die Landjugend Großenhül startet bereits am Samstag, 8. Juni, in die neue "Kanzfeuer"-Saison.
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Johannisfeuer vor der traumhaften Kulisse der Burg Zwernitz in Sanspareil Foto: privat
Johannisfeuer vor der traumhaften Kulisse der Burg Zwernitz in Sanspareil Foto: privat

Im Juni lodern wieder überall die Johannisfeuer, im Volksmund auch Kanzfeuer genannt. Das erste der Saison ist wohl auch eines der bekanntesten. Veranstalter ist die Landjugend Großenhül. Sie brennt das Feuer bereits am Samstag, 8. Juni, am Festplatz am Ortsausgang Richtung Leesau ab. Die Feier beginnt um 19 Uhr.

Was das Großenhüler Johannisfeuer so besonders macht, ist das große Engagement der etwa 35 Landjugendmitglieder zwischen 16 und 30 Jahren aus dem gesamten Gemeindegebiet von Wonsees und darüber hinaus. "Für uns ist das die erste große Veranstaltung des Jahres", sagt Vorsitzender Johannes Weggel (24) aus Zedersitz. Denn neben dem Johannisfeuer organisiere die Landjugend auch das Dorffest, das jährliche Schnauzturnier und die Dorfweihnacht.

Aktive Landjugend

Das Johannisfeuer ist in Großenhül seit Jahrzehnten Aufgabe der Landjugend. Nicht nur am Abend des Feuers wechseln sich die Mitglieder in Schichten ab, um die Gäste zu bewirten und den Brandschutz zu gewährleisten, bereits in den Tagen zuvor legen sie sich ins Zeug, damit das Traditionsfest ein Erfolg wird.

Mit Traktor und Wagen beginnen sie kurz vor der Veranstaltung, das Brennholz aus dem Dorf einzusammeln. Dabei ist es wichtig, nicht zu früh anzufangen, damit Wildtiere nicht auf die Idee kommen, sich in dem Haufen einzunisten.

Die jungen Leute stellen das Festzelt auf, platzieren die Schank- und Grillwagen, verlegen Wasser- und Stromleitungen und stellen für Notfälle Löschwerkzeug und -wasser bereit.

Auch eine Absprache mit den Landwirten ist nötig, damit Wiesen als Parkflächen genutzt werden können. Den Feuerplatz selbst stellt die Gemeinde Wonsees zur Verfügung.

Mehr Bürokratie

In den letzten Jahren sei viel Bürokratie hinzugekommen, berichtet Vorsitzender Weggel. "Früher war das einfacher", bestätigt Günther Weggel (65) aus Großenhül. Er war in den 1960er und 1970er Jahren Mitglied der evangelischen Landjugend, die sich später der Bayerischen Jungbauernschaft angliederte. Weggel zufolge verlief auch der Johannisfeuer-Abend ganz anders. Die Veranstaltung begann mit einem Tanz im Wirtshaus, dann zog man gemeinsam zum Feuerplatz. Beim Entzünden hielt der Pfarrer eine Ansprache. Später ging es mit Fackeln ins Dorf zurück. Erneut richtete der Pfarrer ein paar Worte an die Gesellschaft, die dann bis in die Morgenstunden im Wirtshaus feierte.

Es ist nicht verwunderlich, dass früher beim Johannisfeuer der Pfarrer eine wichtige Rolle spielte, denn der uralte Brauch bezieht sich auf den Geburtstag Johannes des Täufers, genau sechs Monate vor Weihnachten: am 24. Juni. Er gilt als Wegbereiter des Christentums. Es heißt, er habe im damaligen Judäa die Ankunft Jesu verkündet und diesen sogar getauft. Übrigens: Ursprünglich ein Reinigungs- und Fruchtbarkeitsritual, sollte der Sprung über das Feuer Schutz vor Hexen und bösen Geistern bieten oder die baldige Heirat versprechen.

Der Tag, an dem die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, ist auf der Nordhalbkugel der 21. Juni. Heutzutage richtet sich das Datum eher nach dem Zeitplan der Veranstalter. Die Dorfjugend in Schirradorf richtet ihr Fest am 15. Juni aus, die Feuerwehr Wonsees veranstaltet ihr Feuer eine Woche später am 22. Juni, gefolgt vom Feuer in Sanspareil am Freitag, 28. Juni.

Wer den Geburtstag Johannes des Täufers immer auf den Tag genau einhält, ist die Feuerwehr Zultenberg. Das überregional bekannte Traditionsfeuer am Görauer Anger fällt jedes Jahr auf den 24. Juni.

Doch wie kam es dazu, dass das Großenhüler Kanzfeuer bereits Anfang Juni stattfindet? Das habe "wirtschaftliche Gründe", so Vorsitzender Weggel. Um die Besucher nicht in Terminkonflikte zu bringen, habe man das Fest kurzerhand vorverlegt. Das Konzept habe sich bewährt. Mit dem neuen Festplatz in der Nähe des ruhig gelegenen Wäldchens "Eibenholz" habe man den Begriff "Romantisches Johannisfeuer" eingeführt. Die Atmosphäre sei einfach sehr romantisch, bestätigt Weggel und: "Das erste Feuer ist einfach das schönste." red

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