Bad Staffelstein

"Rollerfässla" und "Löwentaler "

Weintradition am Obermain - gibt's die wirklich? Eine Tour über Stock und Stein zu Versuchsproben gibt Aufschluss.
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Der Wein macht locker. Aber die siebenjährige Rosalie Renner, die mit ihrer Mutter ab Station Fuchsenmühle mitging, bedurfte für ihre Purzelbäume in Hanglage solcher Stimulanz nicht. Foto: Markus Häggberg
Der Wein macht locker. Aber die siebenjährige Rosalie Renner, die mit ihrer Mutter ab Station Fuchsenmühle mitging, bedurfte für ihre Purzelbäume in Hanglage solcher Stimulanz nicht. Foto: Markus Häggberg

Bad Staffelstein — 12 982 Schritte, so gibt das Handy einer Wanderin Auskunft an einem Standort, der bei der Genusswanderung noch Halbzeit bedeutete. "Löwentaler und Domina: edle Tröpfchen auf dem Staffelberg" waren das letztendliche Ziel einer vom Kur- und Tourismusservice angebotenen ausgiebigen Wanderung, zu der Hildegard Wächter 20 Mitgehende fand.

Wirklich prognostizieren lässt sich ein Ende einer Genusswanderung nicht immer. Schon gar nicht, wenn man am Schluss beim Genuss sitzt und sich von Weinbauer Jürgen Schneidawind mit Blick ins westlich vom Staffelberg gelegene Tal einschenken lässt. Sowohl kulinarisch wie historisch.

Seit Anfang der 80er Jahre betreibt Schneidawind den Weinbau dort, kümmert sich um die rund 500 Rebstöcke, die in neun Reihen talabwärts auf halber Höhe zum Gipfelplateau stehen. So sitzt man dort droben bei ihm, darf ihm Löcher in den Bauch fragen und erhält erstaunliche Einblicke. "Der Winzer Schutzherr Kilian", wie es bei Viktor von Scheffel im "Frankenlied" heißt, ist Pustekuchen. Der Winzer Schutzherr ist nämlich Urban.

Wein billiger als Bier

Man darf Schneidawind wohl glauben, wenn er erzählt, dass es in oberfränkischen Breiten Mitte des 16. Jahrhunderts billiger war, Wein zu trinken als Bier. Wein also war das vorrangige Volksgetränk. Was den Weinbau am und um den Staffelberg anbelangt, so sei dieser nach Prüfung mittelalterlicher Quellenlage schon vor dem 10. Jahrhundert nachweislich.

Schneidawind selbst ist freilich kein Vollerwerbswinzer, sein Ernteertrag liegt bei 400 bis 500 Litern. Doch freut er sich noch, wenn Jahr um Jahr Wanderer zu ihm hochziehen? "Ja, es ist ja nicht jede Woche", so der Mann augenzwinkernd. Was zu seinen Weinen nach dem Sommer 2018 und dem ebenfalls sehr trockenen Sommer in diesem Jahr zu erwarten steht, drückt er so aus: "Stärker und süßer, aber es kommt auf die Oechslegrade an."

Wie immer bei dieser Tour der Genusswanderung stand auch Michael Diller mit seinem Akkordeon auf die Eintreffenden wartend bereit. Er sollte den ganzen Aufenthalt über gekonnt Anekdotisches erzählen, witzig-verquere Lieder singen und das Publikum, das sich schon auch auf ihn freute, unterhalten. Auch er war ein Grund dafür, weshalb man sich lange aufhielt, länger als geplant. Doch bis man dort hinaufkam, hatte man allerlei Wege zu gehen, Schluchten auch, überdies ein wenig Bildung zu bewältigen. Wie stets führte Wanderführerin Wächter zur ersten Station ins städtische Museum, dorthin, wo eine historische Winzerfahne hängt, immerhin ein wertvolles Stück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch sie ist ein Beleg für die Weintradition am Obermain. Solche finden sich auch im Stadtbild, beispielsweise an einer Brandsäule, die in Steinmetzarbeit von Weinranken umflort ist, vorzufinden an der Stadtpfarrkirche. Tatsächlich währte die Wanderung von 10 Uhr morgens bis 17 Uhr, angefüllt auch mit einer deftigen Brotzeit in der Fuchsenmühle. Wohl auch ein Grund dafür, dass neben dem einen oder anderen Neuling bei der Wanderung auch vertraute Gesichter auftauchten.

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