Eggolsheim
Theater

Rokoko-Komödie für moderne Zeiten

Es sprühte nur so vor Lebendigkeit, Temperament und Witz auf der Bühne in der Kulturscheune in Eggolsheim: Ein im Durchschnitt sehr junges Ensemble des Fränkischen Theatersommers hielt die zahlreich e...
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Eins Szene in "Das Spiel von Liebe und Zufall": verschämte Silvia, selbstbewusster Arlequin, eifersüchtiger Dorante (v. l.) Foto: Elisabeth Görner
Eins Szene in "Das Spiel von Liebe und Zufall": verschämte Silvia, selbstbewusster Arlequin, eifersüchtiger Dorante (v. l.) Foto: Elisabeth Görner

Es sprühte nur so vor Lebendigkeit, Temperament und Witz auf der Bühne in der Kulturscheune in Eggolsheim: Ein im Durchschnitt sehr junges Ensemble des Fränkischen Theatersommers hielt die zahlreich erschienenen Zuschauer durchgängig in einer fröhlichen Spannung.

In der Komödie "Das Spiel von Liebe und Zufall" führt ein von Silvia (Anna-Prisca Burwitz) und Dorante (Benjamin Bochmann) unabhängig voneinander gefasster Plan der jungen Leute aus gutem Hause zu mancher Irritation und sogar zu Kummer: Sie wollen den von den Vätern jeweils vorgesehenen Ehepartner durch Rollentausch mit ihren Bediensteten erst einmal testen.

Aber das Publikum hatte zu Beginn des Stückes durch ein Gespräch zwischen Silvias Vater (Hans-Günter Brünker) und ihrem Bruder Mario (Valentin Kärner) auf Grund eines Briefes des anderen Vaters von diesem Plan erfahren. Monsieur Orgon und Mario spielen trotz ihres Wissens die Komödie voll mit: Orgon spricht elegant und väterlich, aber für das Publikum leicht erkennbar auch mit unterschwelliger Ironie; Silvias Bruder tritt vom Verhalten her eher salopp und "naschsüchtig" auf: mal mit Lolli im Mund oder in die Süßgummi-Tüte greifend, mal Kaugummi kauend. Es war nur eine der guten Ideen von Heidi Lehnert, die nicht nur Regisseurin sondern auch Autorin der Bühnenfassung war und immer wieder Chancen nutzte, um bei einer Rokoko-Komödie den Zuschauern des 21. Jahrhunderts das Miterleben dieser Liebesgeschichte leicht zu machen.

Starkes Ensemble

Jennifer Aigner Anderson und Pascal Averibou als Silvias Zofe Lisette und Dorantes Diener Arlequin spielten ihre Rollen mehr als adäquat: Lisette einerseits mit einer gewissen Hilflosigkeit, den höheren Stand vertreten zu müssen, und doch auch - fast trotzig - erst recht, die Herrin zu mimen. Arlequin dagegen mit "geliehenem" Standes- , aber sehr gesundem erotischen Selbstbewusstsein. Schwieriger hatten es in diesem Punkt die beiden wirklich vornehm Verliebten Silvia und Dorante: Anna-Prisca. Burwitz ließ Gefühl und Temperament geradezu strömen, selbst wenn sie es ihrem geliebten Dorante gegenüber unterdrücken wollte. Benjamin Bochmann dagegen versuchte mit meist sehr beherrschter Mimik - trotz durchscheinender Leidenschaft - die ihm offenbar immer unheimlicher werdenden Verstrickungen irgendwie durchzustehen. Er ist es auch, der an einer Stelle sagt: "Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette in einem Gauklerspiel. Aber wer hält die Fäden in der Hand?"

Spätestens in diesem Moment begreift der Zuschauer die Symbolik der Dekoration und auch das Arbeiten mit bunten Seilen, Stricken und dem bekannten Fadenspiel auf der Bühne. Schlussendlich aber sehen die verantwortlichen "Fädenzieher" ein, dass die menschlich-schicksalhaften Verstrickungen aufgelöst werden müssen.

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