Memmelsdorf

Röslers Strahlkraft nimmt ab

Wegen einer Neuausrichtung im Geschäftsfeld Strahltechnik sollen bei dem Unternehmen in Memmelsdorf bis zu 100 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Gleitschlifftechnik und das Werk Hausen sind nicht betroffen.
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Gebaut wurde bei der Firma Rösler in Memmelsdorf in den letzten Jahren eigentlich immer - ein Indiz für das stetige Wachstum der Firma. Der Umsatz erreichte zuletzt Rekordniveau. Jetzt fällt erstmals ein Schatten auf die strahlende Entwicklung. Archivbild: Eckehard Kiesewetter
Gebaut wurde bei der Firma Rösler in Memmelsdorf in den letzten Jahren eigentlich immer - ein Indiz für das stetige Wachstum der Firma. Der Umsatz erreichte zuletzt Rekordniveau. Jetzt fällt erstmals ein Schatten auf die strahlende Entwicklung. Archivbild: Eckehard Kiesewetter

Eckehard Kiesewetter Memmelsdorf/Hausen —  Auch die Firma Rösler, seit Jahren auf Zuwachsraten, Expansion und Prosperität geeicht, ist vor Negativ-Schlagzeilen nicht gefeit. Das Oberflächentechnik-Unternehmen baut in seiner Sparte Strahltechnik 100 Stellen ab, wie die Geschäftsleitung auf Anfrage bestätigt. Die Belegschaft hatte von dem geplanten Einschnitt bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch erfahren. Genaues soll im Oktober bekanntgegeben werden.

Laut FT-Recherchen geht es um rund 100 Entlassungen, davon 80 direkt im Bereich Strahlen (30 Prozent der Belegschaft in dieser Sparte); weitere 20 Mitarbeiter wird es in Abteilungen treffen, die mit dem Bereich Strahltechnik zu tun haben, beispielsweise im Einkauf. Der Personalabbau soll dem Vernehmen nach nur den Standort Memmelsdorf betreffen.

Eventuell, so wurde der Belegschaft kommuniziert, könnten einige Mitarbeiter in den Bereich Gleitschleifen übernommen werden; allerdings nur "im beschränkten Maß", sagt Daniel Hund, auf den geplanten Stellenabbau angesprochen. Hund ist bei Rösler zuständig für Marketing und Kommunikation.

Begründet wird der geplante Schritt mit einer "grundsätzlichen strategischen Neuausrichtung des Geschäftsfeldes Strahltechnik" und den "momentan angespannten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen".

Künftig will sich Rösler in der Strahltechnik-Sparte "im Wesentlichen als Spezialanbieter für Automatisierungsprojekte und große Verkettungen positionieren und nicht weiter als Anbieter von einfachen Standardanlagen in einem preisintensiven Umfeld". Hier konkurriere man mit einer Vielzahl an osteuropäischen und asiatischen Wettbewerbern, was langfristig nicht wirtschaftlich sei.

Für den Bereich Strahltechnik hatte das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren noch jeweils hohe Auslastung und Umsatzsteigerungen gemeldet. 2017 war vom "höchsten Auftragseingang in der Geschichte des Fachbereichs" die Rede.

Bei der Gleitschlifftechnik verzeichne man aktuell - "trotz angespannter wirtschaftlicher Lage" - gute bis befriedigende Auftragseingänge. Die strategische Neuausrichtung betrifft diese Sparte daher nicht, auch nicht die neu gegründeten "AM Solutions", die auf die Nachbearbeitung von 3D-gedruckten Werkstücken setzen. An allen laufenden und geplanten Investitionen in Memmelsdorf und Hausen halte man fest.

"Der Personalabbau", versichert die Firmenleitung gegenüber dieser Zeitung, "erfolgt über sozialverträgliche Maßnahmen". Sie sollen bis März 2020 abgeschlossen sein. Die betroffenen Mitarbeiter werde man zeitnah informieren.

Dieser Tag X wird am Standort Memmelsdorf wie eine Bedrohung erwartet. Dies wird deutlich, auch wenn die Belegschaft die Fragen der Presse scheut. Bei Rösler gibt es weder eine Tarifbindung noch einen Betriebsrat. Seit der Betriebsversammlung herrscht Verunsicherung. Werksangehörige beschreiben die Stimmung als "gedrückt" und "angespannt".

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