Seibelsdorf

Rettung im letzten Moment

Nach einem turbulenten Sommer wollte der FC Seibelsdorf sich schon vom Spielbetrieb abmelden. Doch das Team raufte sich zusammen. Der neue Trainer Andreas Pohl stellt sich einer schweren Aufgabe.
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Am sechsten Spieltag setzte es für Martin Zembrzuski (grünes Trikot) und den FC Seibelsdorf noch eine deftige 0:6-Pleite.  Foto: Heinrich Weiß
Am sechsten Spieltag setzte es für Martin Zembrzuski (grünes Trikot) und den FC Seibelsdorf noch eine deftige 0:6-Pleite. Foto: Heinrich Weiß

Dominic Buckreus Ein Wechselbad der Gefühle erlebte der FC Seibelsdorf am Doppelspieltag in der Kreisklasse 4. Erst musste der Verein die Begegnung am Freitag beim TSV Neukenroth kurzfristig wegen Spielermangels absagen. Am Sonntag folgte im Derby gegen den FC Unter-/Oberrodach der erste Saisonsieg. Ähnlich turbulent ging es auch im Sommer im Verein zu. Die Abmeldung vom Spielbetrieb war schon beschlossene Sache. Doch gerade mal acht Stunden später gab der neue Trainer Andreas Pohl das Startsignal zum Trainingsauftakt.

Es kriselte in der Mannschaft, als sich Pohl Ende April dazu entschloss, den Trainerposten zu übernehmen: "Es war keine Mannschaft mehr, sondern ein Trümmerhaufen", erinnert sich der 35-Jährige. Es gab Meinungsverschiedenheiten und Grüppchenbildung. Dazu kamen große Personalsorgen und ein überaltertes Team. Und schon in der Saison zuvor hatte der FC Seibelsdorf den Klassenerhalt am letzten Spieltag nur knapp gesichert. Viele Spieler hatten ihre Wechselgedanken bereits geäußert.

Reife Überlegung

Deshalb hatte der Verein schon vorher reagiert, versuchte etwa, eine Spielgemeinschaft zu gründen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, erklärt Vorsitzender Kevin Kestel. Die Vereinsführung suchte weiter nach Möglichkeiten, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und wandte sich an Pohl, der aber noch beim FSV Danndorf auf der Trainerbank saß. "Sie wollten mich, weil ich elf Jahre im Verein war und dadurch die Strukturen kenne, die Spieler kenne und einen guten Kontakt zur Jugend im Verein habe", sagt Pohl. Nach zwei Wochen Bedenkzeit und vielen schlaflosen Nächten, entschied sich der Weißenbrunner, seinem Ex-Verein zu helfen. "Ich wusste, dass der Kader sehr dünn ist und es schwer werden würde. Aber wenn man selbst elf Jahre die Knochen hingehalten hat, hilft man gerne", begründet er seine Entscheidung.

Sofort machte er sich daran, Verstärkungen für sein Team zu finden. Doch Ende April war es dafür schon fast zu spät. "Ich habe nicht viel erreichen können in der Kürze der Zeit." Seine verbliebenen Spieler informierte er darüber und gab jedem zwei Wochen Bedenkzeit, ob er diesen schwierigen Weg mit dem FC Seibelsdorf weitergehen möchte. "Wir haben alle kein Blatt vor den Mund genommen", sagt Pohl.

Um 10 Uhr war Schluss

Viele wollten diesen Schritt schließlich nicht mitgehen und den Verein verlassen. 24. Juni, 10 Uhr, Krisensitzung. "Für uns als Vorstand war klar, dass es nicht mehr weitergeht. Wir waren zu diesem Zeitpunkt weit davon entfernt, jede Woche 13 bis 14 Mann auf den Platz zu stellen", sagt Kestel. Die Vereinsführung informierte ihren Trainer darüber, dass es wohl nicht weitergehen würde.

"Ich hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, dass ich bis zum Winter erst mal eine Pause einlegen würde", erinnert sich Pohl. Doch dann bekam er um 18 Uhr einen Anruf. "Der harte Kern der Mannschaft, gebürtige Seibelsdorfer und Spieler, die schon ewig im Verein sind, hatten sich etwas überlegt und wollten, dass der Verein weiter lebt." Also setzte er das erste Training für den folgenden Tag an.

Es war der entscheidende Tag in diesem turbulenten Sommer. Alle Wechselaktivitäten wurden erst danach vollzogen und der Verein machte sich nochmals auf Spielersuche. Mit Erfolg. Man fand unter anderem fünf Spieler im Nachbarland Tschechien. "Ohne sie hätten wir ein Problem gehabt, aber sie haben deshalb keinen Sonderstatus. Das ist aber nur eine Übergangslösung, die maximal ein Jahr dauern wird", betont der Trainer.

Der Wille ist da

Die Kommunikation im Training funktioniere recht gut, und auch sonst merkt der Trainer den Willen bei seinem Team: "Obwohl wir als Rumpfmannschaft in die Saison gegangen sind, haben wir immer zehn bis zwölf Spieler im Training. Manche sind noch jung, manche brauchen noch etwas Zeit, aber wir sind auf einem guten Weg", versichert Pohl.

Das erste Erfolgserlebnis stellte sich am Sonntag beim 3:2-Heimsieg im Derby gegen den FC Unter-/Oberrodach ein. "Wunder gibt es immer wieder. Nach den Leistungen der vergangenen Wochen hätte ich nie dran gedacht. Bei der Mannschaft ist viel über den Willen gegangen, aber man muss auch sagen, dass Rodach auch nicht den besten Tag erwischt hatte. Uns hat dieser Sieg aber sehr gut getan", sagt Pohl.

Trotz aller Bemühungen kam es aber nur zwei Tage zuvor zu einer Spielabsage vor der Begegnung beim TSV Neukenroth. "Das waren viele böse Zufälle an einem Tag", erklärt der Trainer. Einige Studenten fehlten, dazu waren vier Spieler im Urlaub, zwei beruflich verhindert und zwei krank. Blieben nur noch acht Akteure übrig. "Ich hoffe, dass uns das nicht mehr passiert. Die Mannschaft wollte sich dieser Aufgabe stellen, dann muss sie das auch durchziehen."



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