Bamberg

Rettender Engel wird zum Täter

Ein 33-Jähriger kommt nach einem Vergewaltigungsversuch mit einer Bewährungsstrafe davon.
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Zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteile das Gericht den 33-jährigen Täter. Foto: Ronald Rinklef
Zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteile das Gericht den 33-jährigen Täter. Foto: Ronald Rinklef

Nur hauchdünn schrammte ein 33-jähriger Rumäne an einem mehrjährigen Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen vorbei. Dabei war es am Amtsgericht Bamberg um den Vorwurf der Vergewaltigung und der fahrlässigen Verkehrsgefährdung sowie der fahrlässigen Körperverletzung gegangen. Am Ende kam er mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 2700 Euro davon.

Es ist der frühe Morgen des 22. Juli 2018. In Bamberg regnet es in Strömen. Einige Nachtschwärmer aus Oberbayern haben es gerade "richtig krachen lassen" und machen sich auf den Nachhauseweg. Das Trio will mit der Bahn nach Zapfendorf, um dort bei ihrer hiesigen Freundin zu übernachten. Zwei von ihnen gehen bereits in den Bahnhof. Die dritte im Bunde hat es nicht so eilig und plaudert sich auf dem Vorplatz fest. Schließlich verpasst sie den Zug. Ohne Smartphone, ohne Geldbeutel und ohne Ortskenntnis ist guter Rat teuer.

Der rettende Engel erscheint in Gestalt eines Autofahrers, der ihr anbietet, sie mitzunehmen. Kurzentschlossen, vielleicht auch etwas verzweifelt, steigt die Krankenschwester ein. Was dann auf der Fahrt gen Zapfendorf im Inneren des Fahrzeugs vor sich geht, darüber gibt es zwei Versionen. Die eine, von der jungen Frau der Polizei erzählt, geht so: Er habe sie mehrfach bedrängt und begrapscht. Trotz eines immer wieder geäußerten "Nein!" und dem Versuch, sich den Berührungen zu entziehen, habe er nicht aufgegeben. Schließlich habe er ihr in den Slip und noch tiefer gegriffen. Später habe er sie gefragt, ob sie zu ihm mit nach Hause kommen wolle. Seine Ehefrau und sein zweijähriges Kind seien auf Heimaturlaub in Rumänien. Den genauen Wortlaut der "unappetitlichen Sache" (Richterin Göller) bekam die Öffentlichkeit allerdings nicht zu hören. Um die Intimsphäre der Geschädigten zu schützen, wurde der Gerichtssaal zwischenzeitlich geräumt.

Angeklagter widerspricht

Der Angeklagte seinerseits beharrte auch vor dem Schöffengericht darauf, er habe seine Beifahrerin in einer Parkplatzpause in Hallstadt zwar sexuell belästigt, nicht aber vergewaltigt. Sie beide wären betrunken und "gut drauf" gewesen. Er habe ihre Brust angefasst und sie geküsst. Sie habe seine Hand eher sanft zur Seite getan. Zu keiner Zeit habe sie "Nein!" gesagt. "Ich konnte nicht ausschließen, dass es sie stören würde." Bei einem weiteren Halt habe er ihr dann seine Hand in die Hose gesteckt. "Ich bin aber nicht auf die nackte Haut gekommen". Als sie ihm dann eine Ohrfeige verpasst hätte, habe er aufgehört und sie gebeten auszusteigen. Sie aber habe ans Ziel gebracht werden wollen. Zu keiner Zeit habe die junge Frau gesagt, dass sie das nicht wolle - oder der Angeklagte habe es auch nicht gehört. Folgerichtig forderte die Verteidigerin Denise Klüwer aus Erlangen wegen der Vergewaltigung denn auch einen Freispruch.

Durch den abendlichen Alkohol abgelenkt, vielleicht vom Aquaplaning überrascht, kommt der Angeklagte wenig später auf der Staatsstraße zwischen Hallstadt und Breitengüßbach auf schnurgerader Strecke von der Fahrbahn ab.

Mit "Vollkaracho" durchpflügt sein Auto bei Kemmern einen Acker und überschlägt sich. Nur dem Schicksal scheint es zu verdanken, dass beide Insassen beinahe unverletzt dem Wrack entsteigen können. Die junge Frau hat sich lediglich einige Prellungen und kleinere Schnittwunden am Oberarm durch die Scherben der zerborstenen Seitenscheibe zugezogen. Die Freunde der jungen Frau bemerken in den Tagen und Wochen nach der Tat gravierende Veränderungen. "Sie war völlig verstört und sehr in sich gekehrt. Ganz anders als sonst." Sie habe sich dreckig gefühlt und gewaschen. Auch die sonst übliche Umarmung zur Begrüßung habe sie abgelehnt. "Man hat gemerkt, dass sie etwas belastet hat."

In ihrem Plädoyer machte die Staatsanwältin klar, dass für sie der Tatbestand der Vergewaltigung durch das Eindringen mit dem Finger erfüllt sei. "Dabei spielt die Tiefe keine Rolle." Janina Pöller forderte denn auch zwei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe - selbstverständlich ohne Bewährung. "Nein heißt Nein. Daran muss man sich halten und es nicht immer wieder und wieder versuchen."

Mildernde Umstände

Ähnlich sahen es auch Amtsrichterin Gudrun Göller und ihre beiden männlichen Schöffen. Sie glaubten dem Opfer deren schreckliche Geschichte. "Sie wussten genau, dass sie es nicht will. Sie hat nein gesagt, sich weggedreht und ihre Hand weggedrückt. Was soll eine Frau denn noch tun?" Er müsse nur deshalb nicht ins Gefängnis, weil er einen sonst vernünftigen Eindruck mache, keine Vorstrafen, eine Familie und einen sicheren Beruf habe und der Vorfall nicht von schwerer Gewalt geprägt sei.

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