Rentweinsdorf

Respekt ist die Basis für jede Begegnung

Sigi Paulat sprach in Rentweinsdorf über das Zusammenleben der Menschen. Am Beispiel der Fußballschiedsrichter machte er deutlich, was fehlende Wertschätzung anrichten kann.
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Sigi Paulat bei seinem Vortrag in Rentweinsdorf Foto: Wilfried Elflein
Sigi Paulat bei seinem Vortrag in Rentweinsdorf Foto: Wilfried Elflein

Beim Männerabend im voll besetzten CVJM-Haus sprach Sigi Paulat, Veranstaltungsleiter von SRS (Sportler ruft Sportler) in Altenkirchen, zum Thema: "Schiri, du Pfeife! Wo bleibt da der Respekt? Über Werte (nicht nur) im Sport!".

Zu Beginn seines Vortrags erinnerte Sigi Paulat an ein Ereignis am 19. Mai 2001 im Parkstadion Gelsenkirchen. Um 17.18 Uhr ertönte der Schlusspfiff, der FC Schalke 04 gewinnt das letzte Spiel der Saison und das letzte Spiel im alten Parkstadion gegen die Spielvereinigung Unterhaching mit 5:3. Schalke wäre zu diesem Zeitpunkt deutscher Fußballmeister, weil zwei Minuten zuvor der HSV gegen Bayern München 1:0 in Führung gegangen ist. Während in Gelsenkirchen Schluss ist, werden in Hamburg vier Minuten Nachspielzeit angezeigt. Und tatsächlich schießt um 17.20 Uhr Patrick Andersson nach einer Vorlage von Stefan Effenberg einen indirekten Freistoß aus zehn Metern ins Hamburger Tor. Als um 17.23 Uhr in Hamburg der Schlusspfiff ertönt, gewinnt der FC Bayern München mit dem 1:1 zum 17. Mal die deutsche Meisterschaft.

Schalke wird zum Meister der Herzen und es beginnt eine "unendliche Freundschaft" zwischen den Schalker Fans und Schiedsrichter Markus Merk. Zehn Jahre später, am 18. Oktober 2011, verfehlt ein gefährliches Wurfgeschoss in Golfballgröße um 20.30 Uhr in der Veltins-Arena von Gelsenkirchen Markus Merk, inzwischen Sky-Experte, nur ganz knapp und knallt an die Armlehne seines Stuhls. Weiterhin fliegen Bierbecher in Richtung Merk und die Fans schmähen ihn während dessen Analysen mit wütenden Gesängen. Viele königsblaue Fans haben dem Ex-Schiri die Freistoßentscheidung in Hamburg bis heute nicht verziehen und so kocht die Wut immer wieder hoch.

Paulat führte aus, dass dies sicherlich einer der bekanntesten Fälle von Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern sei. Wenn man sich mit der Thematik beschäftigt, so stelle man fest, dass sie aktueller denn je sei.

Aufgrund immer häufiger auftretender Gewaltvorfälle haben Ende Oktober die Berliner Schiris gestreikt und deshalb mussten alle Wochenendspiele im Berliner Amateurfußball abgesagt werden. 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Plätzen waren in kurzer Zeit zu verzeichnen und in 53 Fällen waren Schiris die Opfer. Paulat führte noch weitere gewaltsame Übergriffe auf; in einem Fall musste der Schiedsrichter sogar mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Erschreckende Zahlen

Nach einer Studie, so Paulat, gaben 95 Prozent der gefragten Schiedsrichter 2015 an, schon einmal beleidigt worden zu sein. 62 Prozent wurden schon mit Gewalt bedroht und 27,6 Prozent der Befragten gaben an, Opfer von Gewalt geworden zu sein.

Zum Thema erklärte der Referent, dass man allgemein unter Respekt eine Form von Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution bezeichne. Paulat übertrug die Respektlosigkeit auch auf andere Bereiche und so nahm er auch die steigende Aggression und Gewaltbereitschaft gegenüber Polizei und Rettungskräften als Beispiel; auch seien Lehrer nicht von der Respektlosigkeit ausgenommen.

In seinen Ausführungen kam der Referent zu dem Ergebnis, dass sich alle an die Nase packen müssten und darüber nachdenken sollten, welche Werte sie selbst vorzuleben haben. Dazu führte er an, dass bei der Frage, "woher denn eigentlich meine Werte kommen", bestimmte Maßstäbe anzusetzen seien.

Die Bibel als Maßstab

Paulat meinte, dass die Menschen angehalten sind, wieder mehr die Bibel als Kompass und Maßstab des Handelns herzunehmen, denn in ihr finde man entsprechende Vorbilder. Aus dem Gebot der Nächstenliebe heraus werde jeder Mensch wieder wertvoller, denn er sei von Gott bedingungslos geliebt. Deshalb verdiene jeder Mensch Respekt und das Gefühl, dass er etwas bewegen kann. Respekt sei die Grundlage für wertschätzende Begegnungen, aus denen gute Beziehungen wachsen können. Er überwinde Grenzen und baue Brücken: im Sport, in der Gesellschaft und weltweit.

Paulat ließ auch verschiedene Sportler zu Wort kommen, so auch Collin Bell, mit dem er im Jahr 2013 bei den Männern in Rentweinsdorf zu Gast war. Diese erklärten, dass ihr Herz für den Sport schlägt, aber auch für Jesus Christus, der für sie mehr als ein Vorbild ist. Denn Jesus habe bedingungslose Wertschätzung gelebt und hatte grenzenlosen Respekt und vorbehaltloses Vertrauen. So machte Sigi Paulat Mut, die Bibel zu lesen, die Richtschnur und Maßstab für das Leben sei.

Gerhard Müller bedankte sich beim Referenten für die beeindruckenden Worte mit einem Präsent und lud zum nächsten Männerabend für den 28. Januar 2020 ein. Robert Bohla, Obermerzbach, spricht dann zum Thema: "Ist die Landwirtschaft durch Klimawandel und Politik am Abgrund?"

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