Kronach

Reise durch mehrere Epochen

Nostalgisch bis heiter ging es am Sonntag beim Neujahrskonzert in der evangelischen Christuskirche zu. Für das stimmungsvolle und vielseitige Programm gab es viel Applaus.
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Für das stimmungsvolle und vielseitige Programm des Dekanats-Chors Kronach, des Posaunenchors der Christuskirche sowie Dekanatskantor Marius Popp an der Orgel gab es viel Applaus.  Foto: Heike Schülein
Für das stimmungsvolle und vielseitige Programm des Dekanats-Chors Kronach, des Posaunenchors der Christuskirche sowie Dekanatskantor Marius Popp an der Orgel gab es viel Applaus. Foto: Heike Schülein

Kronach — Seit vielen Jahren ist es an der Kronacher Christuskirche gute Tradition, das neue und doch inzwischen schon wieder drei Wochen "junge" Jahr mit feierlich-majestätischer, aber auch besinnlicher sowie heiter-beschwingter Musik zu begrüßen. Festliche Bläser- und Orgelklänge des Posaunenchors der Christuskirche beziehungsweise von Marius Popp an der "Königin der Instrumente" waren dann auch beim diesjährigen Neujahrkonzert wiederum ebenso zu hören wie virtuoser Gesang des Dekanats-Chores Kronach. Der Dekanatskantor hatte ein anspruchsvolles Programm - nostalgisch bis heiter - einstudiert, das mit Präzision und einfühlsamer Interpretation zum Vortrag gebracht wurde.

Ein besonderes Klangerlebnis bot sich beim kunstvollen Wechselspiel von Bläser- und Singstimmen der von allen Mitwirkenden gemeinsam stimmgewaltig und kraftvoll dargebotenen Psalmvertonung "Singet dem Herrn ein neues Lied" von Johann Pachelbel (1653 - 1706). Bei dieser Kostbarkeit von überragender Schönheit - eine Motette für achtstimmigen Doppelchor - wurde einmal mehr vor allem der große Stimmumfang des Chores deutlich sowie dessen Sicherheit im Umgang mit Tempo. Der eine stimmige Einheit bildende Chor, der im vergangenen Jahr 15-jähriges Jubiläum feiern konnte, gefiel durch ausgewogenen Klang und klare Artikulation.

"Alle Dinge dieser Welt, in ihrer ganzen Pracht - alle Wesen, groß und klein, der Herr hat sie gemacht" - John Rutter (geb. 1945) komponierte "Alle Dinge dieser Welt" für Chor mit Klavier- beziehungsweise Orgelbegleitung. Der Engländer, der gegenwärtig als einer der bedeutendsten und populärsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik gilt, beschreibt darin die vielfältigsten Schöpferwerke der Natur - eindrucksvoll endend mit den Worten: "Der Herr hat sie gemacht". Die Musik, die Rutter zu diesen Worten schreibt, ist von einer ruhigen Heiterkeit und eingängigen Schlichtheit: das perfekte Abbild einer idealen Landschaft mit einem traumhaft dahin wogenden, sanften Klangteppich!

Ihren Beginn hatte die Reise durch mehrere Stile und Epochen mit weihnachtlichen Klängen gefunden; schließlich befinden wir uns noch in der kirchlichen Weihnachtszeit, weswegen auch der festlich geschmückte Weihnachtsbaum in der Christuskirche noch in voller Pracht erstrahlt. Zauber, Glanz und innige Berührtheit der Weihnachtszeit ließen die Bläser mit den Stücken "Wie soll ich dich empfangen" von Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr (geb. 1960), "Geborn ist Emanuel" von Michael Praetorius (1571 - 1621) sowie "Cantate Domino" von Claudio Monteverdi (1567 - 1643) aufleben.

Sehr gelungen gestalteten sich auch die modernen Bläsersätze "Herr, wir beten sich an" und "Friede sei mit euch" von Ruthild Wilson (geb. 1961) beziehungsweise Heinz-Helmut Jost-Naujoks (geb. 1957) sowie Rutters "What Sweeter Music".

Ein großes Anliegen ist es dem Dekanatskantor, Kirchenmusik von Frauen zu spielen. Leider standen im 19. Jahrhundert zahlreiche begabte Künstlerinnen völlig zu Unrecht deutlich im Schatten ihrer männlichen Zeitgenossen. Hierzu zählten auch die beiden großartigen Künstlerinnen Clara Schumann (1819 - 1896), Ehefrau von Robert Schumann, sowie Fanny Hensel-Mendelssohn (1805 - 1847), Schwester von Felix Mendelssohn. Aus ihrer Feder brachte der Dekanatskantor - wie bereits bei der Silvestergala - Präludium und Fuge in B-Dur (Schumann) sowie Präludium in F-Dur (Hensel-Mendelssohn) zu Gehör.

Orgel schlägt über die Stränge

Welch große Klangvielfalt die romantische Steinmeyer-Orgel zu produzieren imstande ist und was ihre Orgelpfeifen alles hervorbringen, demonstrierte Popp eindrucksvoll bei der rasanten Petersburger Schlittenfahrt von Richard Eilenberg (1848 - 1927) sowie den brasilianischen, vor südamerikanischer Lebensfreude nur so strotzenden "Tico Tico"-Rhythmen von Zequinha Abreu (1880 - 1935).

"Andere Seiten" schlug schließlich auch der Posaunenchor an, als er mit Paul McCartneys Klassiker "When I'm Sixty-Four" sowie "Cabaret" in einer Bearbeitung von Frank Hunter für tiefes Blech mitriss. Ihre Begeisterung für den wahrlich bunten Musikreigen brachten die Besucher mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus zum Ausdruck, wofür sie noch einmal mit "Cabaret" als Zugabe belohnt wurden.

Die freiwilligen Spenden kommen der Durchführung einer größeren Wartung an der Steinmeyer-Orgel im Februar 2019 zugute.

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