Bad Staffelstein

Realschule vor großen Prüfungen

Die Realschule hat ein Imageproblem, sagt der Rektor der Viktor-von-Scheffel Realschule in Bad Staffelstein Peter Gerhardt. Er wettert jedoch nicht gegen das Gymnasium, sondern betont die vielseitigen Chancen der Realschüler.
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Realschulrektor Peter Gerhardt sieht ein Missverhältnis in der Wahrnehmung zwischen Realschule und Gymnasium. Foto: Niklas Schmitt
Realschulrektor Peter Gerhardt sieht ein Missverhältnis in der Wahrnehmung zwischen Realschule und Gymnasium. Foto: Niklas Schmitt

Niklas Schmitt Früher hieß es mal, wer nichts wird, wird Wirt. Heute scheint es eher so zu sein, dass wer nicht weiß wohin, erstmal aufs Gymnasium geht - und dann weiter auf die Universität. Ein Drittel aller Studenten bricht ihr Studium ab.

Ein Grund für die stetig wachsenden Studierendenzahlen sieht Peter Gerhardt, Leiter der Viktor-von-Scheffel Realschule in Bad Staffelstein, in der unterschiedlichen öffentlichen Wahrnehmung von Realschule und Gymnasium.

Mittlerweile gebe es mehr Studenten als Lehrlinge sagt er und fragt sich, ob das ein guter Zustand ist.

Er weiß, wovon er spricht, denn seit er 1998 als Lehrer für Deutsch und Englisch begonnen hat, war er in Coburg an zwei Realschulen, in Nürnberg sowie Neustadt und ist seit zwei Jahren Leiter in Bad Staffelstein.

Praktisches und Theoretisches

Dabei geht es ihm nicht darum, das Gymnasium zu kritisieren. Er betont die Besonderheiten: "Die Realschule hat ein interessantes Bildungsangebot." Es sei praxisorientierter mit Fächern wie Buchhaltung und Betriebswirtschaft für angehende Kaufleute, mit Werken oder Ernährung und Gesundheit, das ab nächstem Jahr in Staffelstein unterrichtet wird.

Das sei gerade hier in der touristisch und gastronomisch geprägten Region besonders wichtig.

Mit ihrem Angebot vereine die Realschule praktisches mit theoretischem Wissen. Er weiß aber auch, dass die Realschule zwischen Mittelschule und Gymnasium eher zu letzterem tendiere und dadurch vielleicht eine gewisse Konkurrenz entstehen könnte. Allerdings sieht er die Realschule als Bindeglied zwischen Mittelschule und Gymnasium.

"Man hält sich mit der Realschule alle Möglichkeiten offen", sagt Reinhardt. Man lege sich nicht fest. "Als Schüler mit mittlerem Abschluss hat man die Möglichkeit aufs Gymnasium zu gehen."

Auf das Berufsleben vorbereiten

Auf der anderen Seite werden die Schüler aber auch auf das Berufsleben vorbereitet. Die Meister verlangten einiges von den Lehrlingen, Maurer oder Dachdecker, etwa besonders in der Mathematik.

Wie aber geht Reinhardt mit dieser Situation um? Was kann die Realschule leisten? "Was wir stark anbieten, sind berufsorientierte Fächer", sagt Reinhardt.

Zum einen sind da die technischen Fächer wie Informationstechnologie, das ab der sechsten Klasse unterrichtet wird. Darin lernen die Schüler CAD, also technisches Zeichnen für Schaltpläne zum Beispiel. Der Digitalisierung wird Rechnung getragen.

Ganz konkret wird es, wenn ein Berufsberater vom Jobcenter in die neunten und zehnten Klassen kommt. Etwa die Hälfte der Schulwochen ist er präsent, um allgemein Orientierung zu geben und Möglichkeiten zu zeigen, womit die Schüler sich selbständig informieren können. Außerdem führt er jede Woche Einzelgespräche.

Die Beratung hinsichtlich einer weiteren schulischen Laufbahn, etwa zur Berufs- oder Fachoberschule oder eben zum Gymnasium, dafür sind die Lehrkräfte verantwortlich. Denn mit einem guten Realschulabschluss, so sagt es Reinhardt, kann man ohne weiteres mit etwas Nachlernen auf dem Gymnasium mithalten. In diesem Jahr wurden auch erstmalig Schnuppertage am Gymnasium in Lichtenfels durchgeführt.

In Ruhe Gedanken um Zukunft

Somit wolle die Realschule ihren Schülern alle Wege offen halten. Dazu zählt auch, so erklärt es Reinhardt, den Schülern Zeit zu geben, sich zu entwickeln und ihre Stärken kennzulernen.

Weniger Nachmittagsunterricht, weniger Stoff zum Auswendiglernen führen auch dazu, dass die Schüler ihren Hobbys nachgehen können und sich in den fünf Schuljahren zwischen Grundschule und Realschulabschluss in Ruhe Gedanken über ihre Zukunft machen können.

Denn anders als früher, so Reinhardt, sei man mit auf der Realschule nicht auf eine Schiene festgelegt. Selbst nach einer Ausbildung könnten sich Realschüler noch an einer Weiterführenden Schule bewerben, sich weiterqualifizieren und selbst danach noch auf einer Fachhochschule studieren.

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