Kronach

Raubmord: Täter-DNA ist komplett

Im Fall des in Mitwitz ermordeten Norbert Ottinger gibt es noch keinen Täter, aber einen Ermittlungsfortschritt. Trotzdem bleiben Hinweise aus der Bevölkerung weiter wichtig.
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Marco Meissner Einen Täter konnten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag zwar noch nicht präsentieren, doch sind sie dem Mörder von Norbert Ottinger womöglich einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Das vollständige DNA-Muster des mutmaßlichen Täters liegt nun vor. Ein Erfolg der Arbeit der so genannten Ermittlungskommission (EKO) "Kreisel - Cold Case".

"Es wird spannend, was in nächster Zeit passieren wird", stellt Pressesprecherin Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken auf Nachfrage des Fränkischen Tags fest. Doch auch wenn die neue Entwicklung wieder Hoffnung auf eine Aufklärung des Raubmordes in einem Mitwitzer Lebensmittelmarkt im Jahr 2006 weckt, bremst die Beamtin überzogene Erwartungen: "Wir müssen schauen, welche Möglichkeiten sich durch die volle DNA ergeben. Man muss jetzt Geduld haben, was sich in den nächsten Wochen daraus entwickelt."

Neue Ermittlungsansätze

Als großen Fortschritt stuft die Polizei die Entschlüsselung des DNA-Musters auf alle Fälle ein. "Hiermit eröffnen sich den Kriminalbeamten neue, erfolgversprechende Ermittlungsansätze", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Zwölf Jahre nach der Tat hatten Spezialisten der Kriminalpolizei Coburg im Dezember 2018 den Mord an dem 61-jährigen Filialleiter mit dem Raub von mehr als 30 000 Euro aus dem Tresor des Mitwitzer Ladens neu aufgerollt. "Die Beamten veranlassten beim Landeskriminalamt und der Rechtsmedizin eine Nachuntersuchung verschiedener, damals gesicherter und nun von ihnen priorisierter Spuren", heißt es in der Presseerklärung. Vor allem im Bereich der molekulargenetischen Spuren hatte sich die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten so weiterentwickelt, dass sich neue Ermittlungsansätze ergaben. Konnte die DNA im Tatjahr zumindest fragmentarisch extrahiert werden, so steht nun das vollständige Muster zur Verfügung.

Dieses Muster "erleichtert die Recherchen nach Übereinstimmungen in internationalen polizeilichen Datenbanken. Des Weiteren ist es mit der vorliegenden humanbiologischen Spur möglich, weitere Analysen durchzuführen und somit beispielsweise anhand der mitochondrialen DNA Verwandtschaftsverhältnisse zwischen dem Täter und anderen Personen festzustellen", erklärten die Ermittlungsbehörden.

Parallel zu diesen Untersuchungen laufen weitere Ermittlungen sowie die DNA-Probeentnahme. Bei Letzterer stehen seit einigen Wochen rund 80 Männer im Fokus, die zur Tatzeit im Alter von 16 bis 18 Jahren waren. Ein Großteil dieser Personen wurde bereits angetroffen. "Wie lange die Entnahme der Proben noch dauern wird, lässt sich aber schwer sagen", stellt Anne Höfer fest. Das liege daran, dass ein Teil der Männer nach so vielen Jahren zum Teil weggezogen ist und sich unter Umständen sogar im Ausland befinden könnte.

Die Ermittler behalten zudem zwei weitere Spuren im Blickfeld. Dabei benötigen sie allerdings die Unterstützung der Bevölkerung. Gemeint sind die Tatwaffe, ein Softballschläger, und der Kasseneinsatz. "Es sind schon Hinweise hierzu nach unserem ersten Pressegespräch eingegangen", verweist Anne Höfer auf die Zeit seit Mai 2019. "Momentan hat sich allerdings noch nichts Entscheidendes daraus ergeben. Aber diese Spuren sind ein ganz wichtiger Punkt", hofft sie darauf, weitere Tipps aus der Bevölkerung zu erhalten.

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