Herzogenaurach

Rathaus: Projekt zum Anfassen

Dem Planungsausschuss wurden Material und Farbe für den geplanten Neubau vorgestellt. Beschließen soll aber erst der Stadtrat, und zwar am 22. März.
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Die Materialproben wurden aufmerksam begutachtet.
Die Materialproben wurden aufmerksam begutachtet.
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bernhard Panzer

So langsam nimmt es Formen und Farben an, das neue Rathaus. Bei Planern und Bürgermeister sowieso und jetzt auch in den Köpfen der Stadträte. Denn die Mitglieder des Planungsausschusses hatten am Dienstag die Gelegenheit, die Vorstellungen des Architekten genau zu betrachten und zu bewerten. Endgültig grünes Licht soll der Stadtrat am 22. März geben.
Es war ein Rathaus zum Anfassen, das den Räten vorgestellt wurde. Denn die beiden Vertreter des Architekturbüros BSS aus Nürnberg hatten neben ihrer Fotopräsentation auch zahlreiche Materialmuster mitgebracht. Diese wurden dann genau betrachtet und befühlt. Und es zeigte sich, die Vorstellungen des neuen Rathauses gefallen. Denn nahezu alle Empfehlungsbeschlüsse fielen einstimmig.


Platz für Drehleiter

Christoph Schmidt erläuterte den Räten zunächst eine Neuerung der Planung gegenüber den ersten Skizzen. Denn die Durchfahrt in den Schlosshof erhält eine schräge Wand, so dass der Besucher "förmlich hineingezogen wird". Sie ist hoch genug für das Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr. Der Schlosshof wird nahezu komplett unterkellert, sagte Schmidt weiter, um genügend Platz fürs Rollregalmagazin des Archivs zu finden. Das gesamte Gebäude wird außerdem, wie bereits bekannt, "etwas mehr in den Schlossgraben hineinentwickelt" als das jetzige Rathaus.


Lebendiger Sandstein

Lebendig soll er sein, der Sandstein, aber nicht zu bunt. Das war die erste wesentliche Aussage des Architekten zur Fassadengestaltung. Er hatte auch hier Muster mitgebracht, die allesamt gefielen. Einstimmig setzte sich der offizielle Vorschlag gegen eine alternative Ausführung in Kalkstein durch.
Die Wände im öffentlichen Bereich sollen in einem hellen Sichtbeton ausgeführt werden, die Decken erhalten einen "akustisch wirksamen" Spezialputz. Der Sicht-Estrich der Böden in den Fluren und im Atrium soll farblich mit dem Holz abgestimmt werden, das bei den Türen, Treppen und Brüstungen zum Zuge kommt. Die Fenster werden in einer Konstruktion aus Aluminium und Eichenholz ausgeführt.
Bei den Büros ist für die Böden ein dunkler Linoleumbelag angedacht, alle Wände werden hell und die Decken werden mit gelochtem Gipskarton gestaltet. Grundsätzlich wird alles Holz, das verwendet wird, als robuste Eiche ausgeführt. Und das auch immer im gleichen Farbton. Für die Fenster hat man massives Holz gewählt, die Möbel und Türen werden furniert.


199 Zuschauer

Spannend klingt auch die Gestaltung des Sitzungssaals. Der soll, parlamentarisch bestuhlt und mit Blick in die Zukunft, Platz für 40 Stadträte bieten und einen dreimal größeren Besucherraum haben als bisher. Und als Veranstaltungsraum genutzt, haben bis zu 199 Zuschauer darin Platz. Die Raumhöhe soll fünf Meter betragen, gen Süden hin ist eine Fensterwand geplant und sonst komplette Holzvertäfelung.
"Ist das nicht ein bisschen zu viel Holzvertäfelung?", wollte Petra Mauser (SPD) wissen. Sie hielt das in der heutigen Zeit für nicht mehr angemessen und würde sich wünschen, dass man bei der Farbgestaltung noch flexibel bleibt. Da beruhigte Christoph Schmidt, denn da gebe es noch viel abzustimmen.
Der dunkle Linoleumboden in den Büros wiederum wollte Ille Prockl-Pfeiffer (CSU) nicht gefallen. Sie stimmte dagegen, obwohl Schmidt beteuert hatte: "Wir haben den auch in den Büros liegen und sind nicht depressiv geworden." Immerhin soll die Farbe einen Tick heller werden, ergänzte Bürgermeister German Hacker (SPD).


Textil kontra Alu

Hacker selbst war einer von drei Räten, die beim einzig wirklich strittigen Punkt gegen den Vorschlag der Architekten stimmten. Da ging es um den Sonnenschutz an den Fenstern. Der soll laut Planer außenliegend in textiler Ausführung erfolgen. Die Alternative wären Lamellen aus Aluminium gewesen.
Auch Petra Mauser hätte Alu lieber. Dieses Material sei langlebiger, man könne es besser auf den Lichteinfall abstimmen, meinte sie. Und fand die Zustimmung ihres Bürgermeisters. Er habe die Sorge, dass man die Fenster auf der Südseite mit Textil nicht komplett blickdicht bekäme, sagte er. Auch Bernhard Wilfer (SPD) stimmte gegen Alu. BSS-Vertreter Schmidt versicherte, dass beide Ausführungen gleich langlebig seien. Der Textil sei hochwertig, werde in einer Schiene geführt und sei dadurch auch sehr windstabil.
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