Stadtsteinach
Lesermeinung

Rasenmäher-Therapie für Unverbesserlichen?

Leserbrief zum Bericht "Bedrohung auf Facebook wird teuer": Wieder einmal wird im Gerichtsverfahren darüber nachgedacht, was alles zur Entschuldigung der extrem brutalen Androhung durch den Angeklagte...
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Leserbrief zum Bericht "Bedrohung auf Facebook wird teuer":


Wieder einmal wird im Gerichtsverfahren darüber nachgedacht, was alles zur Entschuldigung der extrem brutalen Androhung durch den Angeklagten - "Boxe dir alle Zähne aus deiner hässlichen Schnauze", "Ich zerfetze dich" - angeführt werden kann.
Obwohl bei dem Angeklagten noch zwei (!) offene Bewährungsstrafen vorliegen und dieser bereits zwölf (!) Einträge im Zentralregister - Beleidigungen, Bedrohungen, Körperverletzung, Nötigung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte - hat, die ein klares Bild der "Persönlichkeit und Lernfähigkeit" des Angeklagten zeichnen, sieht die Justiz gerade mal "die Luft für den Angeklagten jetzt arg dünn werden" und ringt sich zu einer Strafe von 1350 Euro durch. Damit ist es dann aber auch genug.
Die Justiz hofft nun darauf, dass der Angeklagte hierdurch lernt, sich zu beherrschen. Dass das bisher schon nicht funktioniert hat, wird offensichtlich gänzlich übersehen.
Und wie fühlen sich denn nun die von dem Angeklagten so brutal Angegriffenen?
Erwartet die Justiz, dass diese sich zu Hause einschließen und nicht mehr auf die Straße gehen, um sich nicht die Zähne durch den einschlägig bekannten Angeklagten "aus der Schnauze boxen" zu lassen? Sollen diese sich nun bewaffnen oder Kampfsport erlernen, um gegen die angedrohten Körperverletzungen irgendwie gewappnet zu sein?
Immerhin ist der Täter ja auf freien Fuß und bestimmt nicht erfreut, dass er nun 1350 Euro berappen muss. Hat es da eigentlich einmal eine glaubwürdige Entschuldigung durch den Angeklagten den Opfern gegenüber gegeben? Ist da einmal über eine Wiedergutmachung gesprochen worden?
Wieso erhält der Angeklagte keine Auflage, um über eine aktive Wiedergutmachung (drei Monate lang Waschen des Autos des Opfers oder Rasen mähen oder Straße kehren etc.) zu lernen, wie man sich in einer Gesellschaft richtig benimmt? Und falls die "Einsicht" des Angeklagten in eine solche Wiedergutmachungsmaßnahme nicht vorliegen sollte, dann ist eben "gesiebte Luft" angesagt.
Diese Entscheidung kann der Angeklagte ja dann in voller Eigenverantwortung selbst treffen. So was nennt man dann auch "Konsequenz" und nicht "Hoffnung auf Besserung eines - zumindest bisher - Unverbesserlichen". Knud Espig
Stadtsteinach


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