Kersbach

Pumpversuch läuft

Der Bohrschacht für Brunnen 6 der Leithenberggruppe kollabierte. Das führt zu Verzögerungen und Mehrkosten.
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Seit Montag läuft der Pumpversuch am Brunnen 6 der Leithenberggruppe. Der Brunnen schüttet über zehn Liter pro Sekunde. Der Hydrogeologe Werner Reiländer informierte den Wasserzweckverband in seiner Jahresversammlung über den Ablauf der Brunnenbohrung.

Im November 2018, so teilte Verbandsvorsitzender Paul Steins mit, wurde der Notarvertrag über das Grundstück geschlossen. So konnten die Arbeiten bereits in den Wintermonaten beginnen. Aufgabe der Hydrogeologen war es, in der Nähe der vorhandenen fünf Brunnen einen weiteren ergiebigen Standort mit mischbarem, also chemisch gleichartigem Wasser zu finden.

Man rechnete damit, dass unter einer circa 30 Meter starken Feuerlettenschicht sich diverse Sandsteinschichten befinden und in etwa 160 Metern Tiefe eine tonige und damit wasserführende Lehrberg-Gesteinsschicht. Die Gesteinsabfolge stellte sich aber während der Bohrung als anders heraus.

Selbst bei einer Bohrtiefe von 190 Metern stieß man nicht auf die Lehrberg-Schicht. Stattdessen kollabierte der Schacht durch brüchiges Gestein in einer Tiefe von 130 Metern. Mit Kameratechnik stellte man fest, dass sich Kavernen am Bohrschacht gebildet hatten. Selbst das Bohrgestänge wurde zeitweilig durch nachrutschendes Gestein eingeklemmt. In einer Tiefe von knapp 130 Metern maß man erhöhte Strahlung. Sie weist daraufhin, dass sich hier geogenes Uran befindet. Uran gehört zu den Stoffen, die wie auch Eisen, Mangan und Arsen im Burgsandstein natürlich eingeschlossen sind. "Das Loch hat uns sehr demütig gemacht", fasste Reiländer die Schwierigkeiten zusammen.

Schleunigst führte man die Brunnenrohre bis auf eine Endtiefe von 117 Metern ein und verschloss sie nach unten Richtung Uraneinlagerung. Anstelle der heute üblichen Glaskugeln als Ummantelung musste man auf den früher üblichen Kies zurückgreifen, um die großen Hohlräume verfüllen zu können. "Wir waren heilfroh, als sie drin waren, auch wenn die Geologie hier sehr spannend ist", schloss Reiländer.

In einigen Wochen wird auch die chemische Zusammensetzung analysiert sein. Bekannt ist schon, dass der Urangehalt deutlich unter dem Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter liegt. Reiländer erwartet, dass auch der neue Brunnen 5000 bis 8000 Jahre altes Wasser liefert. Da es durch die Lettenschicht gut gegen die Oberfläche geschützt sei, sei nicht mit Einträgen von Pflanzenschutzmitteln und Nitraten zu rechnen. Eisen und Mangan werden in der vorhandenen Aufbereitung entfernt.

Die Widrigkeiten beim Bohren bringen gut 70 000 Euro Mehrkosten mit sich; das ist eine Steigerung von 15 Prozent des Gesamtaufwands. Wird auch noch der älteste Brunnen saniert - mit den bestellten und nicht gebrauchten Rohren für Brunnen 6 -, ist sich der Fachmann sicher, dass die Leithenbergruppefür zehn bis 15 Jahre gut aufgestellt ist. Dabei hat er einkalkuliert, dass der Wasserverbrauch von derzeit gut 500 000 Kubikmetern im Jahr durch neue Bauvorhaben steigen wird.

Der Verband beschloss den Haushalt für 2019. Er schließt mit 1,01 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und im Vermögenshaushalt mit 1,25 Millionen Euro. In letzterem sind neue Investitionen von fast 600 000 Euro enthalten, für den Brunnen wie auch für die Erschließung mehrerer Baugebiete im Versorgungsgebiet der Leithenberggruppe. Hierfür nimmt der Verband einen Kredit von voraussichtlich 700 000 Euro auf.

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