Gößweinstein

Protest der Friseure mit Wallfahrt

Vor 15 Jahren wurde für etliche Berufe wie den Fliesenleger der Meisterbrief abgeschafft. Vertreter aus dem Kreis Forchheim schließen sich einem ungewöhnlichen Protest an.
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Die Vertreter der Friseurinnungen aus ganz Bayern, unter anderem aus Forchheim und Bamberg, in der Kirche in Andechs. Jährlich wird die Wallfahrt wiederholt.  Foto: privat
Die Vertreter der Friseurinnungen aus ganz Bayern, unter anderem aus Forchheim und Bamberg, in der Kirche in Andechs. Jährlich wird die Wallfahrt wiederholt. Foto: privat

"Der konservative Bayer geht nicht zur Demo, sondern zur Wallfahrt", sagt Josef Wieser. Er ist Ehrenvorsitzender des Landesinnungsverbands der Friseure in Bayern und hat mit der Geschäftsführerin Doris Ortlieb die Friseurwallfahrt nach Andechs organisiert. Das war vor 18 Jahren, und damals stand der Meisterbrief vor dem Aus.

Mögliche Auswirkungen vor Augen, handelten die beiden Innungsvertreter und schrieben alle Friseurbetriebe in Bayern an, damit sie an der Protestwallfahrt teilnehmen. "Wir wollten bei der Politik Gehör finden", erklärt Wieser. Plakate wurden gedruckt: "Rettet den Meister" lautete die Botschaft, die etliche Friseure und Innungsvertreter in die Kirche trugen. Darunter ist mit Doris Hollmann aus Gräfenberg die stellvertretende Innungsmeisterin für Forchheim. Sie und Vertreter der Friseurinnung Bamberg waren auch bei der diesjährigen Wallfahrt dabei, denn seitdem wird jährlich an die Protestwallfahrt erinnert.

Am Abend des Protests kam dann die Mitteilung, dass der Meisterbrief bei den Friseurberufen bleibt. Anders bei den Fliesenlegern, die nicht verschont blieben. Dass in den seltenen, fast ausgestorbenen Berufen wie Sattler oder Fassmacher kein Meisterbrief mehr benötigt wird, sei verständlich. Doch in Gewerken wie dem Fliesenlegerhandwerk erntete diese politische Entscheidung Kopfschütteln in der Zunft.

Seit genau 15 Jahren benötigt man keinen Meisterbrief mehr, um sich beispielsweise als Fliesenleger selbstständig zu machen. Josef Wiesers Befürchtungen sind wahr geworden. Nicht nur, dass seither viele Ein-Mann-Betriebe den Markt überschwemmen.

Drei Meisterbriefe

"Es gibt seitdem einen deutlichen Rückgang der Meisterbriefe und der Azubis. Ich habe seit 2012 keine einzige Bewerbung mehr bekommen", sagt Torsten Batz aus Oberehrenbach. Er hat sogar drei Meisterbriefe, eine Seltenheit in Deutschland. Das Ungewöhnliche daran: Er hat die Meisterprüfungen als Fliesenleger, Estrichleger und Parkettbodenleger absolviert, nachdem der Meisterbrief schon abgeschafft war. Während der Vorbereitungszeit fragte sich Batz durchaus, warum er für eine Prüfung auch noch 15 000 Euro bezahle. "Ich betrachte es als Qualitätskriterium", sagt Batz.

40 Prozent der Friseurbetriebe seien inzwischen Kleinbetriebe, weiß Wieser. Diese sind von der Mehrwertsteuer befreit. Das Ergebnis ist in München sichtbar, wo man sich für sieben Euro am Bahnhof die Haare schneiden lassen kann. "Offiziell nennen sie sich Barber und dürfen rasieren. Doch wer kontrolliert das?", fragt Wieser. "Wir haben Gesetze, aber es ist keiner da, der kontrolliert", fügt der Ehrenvorsitzende der Landesinnung an.

Der Meisterbrief ist Voraussetzung dafür, sich selbstständig zu machen und Lehrlinge auszubilden. Zwar kann der Ausbilderschein auch in einem kleinen Kurs erworben werden, doch als Meister erwirbt man nicht nur tiefer gehende Fachkenntnisse, sondern auch kaufmännisches Wissen.

Kleinstbetriebe zahlen nicht

Mit Angestellten im Betrieb muss man an die Berufsgenossenschaft zahlen und auch andere Versicherungen abgeschlossen haben, die ein Kleinstbetrieb nicht braucht. Das alles zeigt sich auch im Angebot und im Preis.

Ein Blick ins Internet zeigt Torsten Batz den Rückgang der Meister im Fliesenlegerhandwerk. Nach früher 550 Meistern jährlich ist nun nur noch von 150 Meistern die Rede. Dabei ist der Meisterbrief mit dem Abitur gleichgesetzt.

Vor allem aber hofft Torsten Batz, endlich einen Lehrling zu finden. 2014 erhielt er einen Auszubildenden durch Zufall. "Ich bilde nicht aus, um nächste Woche einen Mitarbeiter zu haben, sondern für die Zukunft", sagt Batz.

Darauf setzen auch die Friseure in Bayern und freuen sich, dass an ihrer jährlichen Wallfahrt auch Friseure aus Österreich und der Schweiz teilnehmen. Die Fliesenleger hingegen hoffen, dass die Politik wieder andere Zeichen setzt und den Meisterbrief in ihrer Zunft wieder einführt

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