Haßfurt
Gericht

"Private Fahrstunde" der Partnerin kommt 52-Jährigem teuer zu stehen

Was einem 52-jährigen Mann aus dem Maintal widerfuhr, klingt zunächst wenig spektakulär: Er hat seiner Lebensgefährtin, die sich bei einer Fahrschule anmelden und ihren Führerschein machen wollte, auf...
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Was einem 52-jährigen Mann aus dem Maintal widerfuhr, klingt zunächst wenig spektakulär: Er hat seiner Lebensgefährtin, die sich bei einer Fahrschule anmelden und ihren Führerschein machen wollte, auf einem Feldweg schon vor Beginn der ersten offiziellen Fahrstunde "privaten Fahrunterricht" gegeben. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Am 31. März dieses Jahres wechselte der Schreinerhelfer am späten Nachmittag kurz vor 17 Uhr auf den Beifahrersitz seines VW Polo und ließ seine führerscheinlose Partnerin ans Steuer. Auf dem Flurbereinigungsweg zwischen Prappach und Augsfeld übte er mit ihr die Grundlagen des Autofahrens: Anlassen, Schalten, Bremsen, Blinken, Anhalten und Anfahren am Berg.

Ein Spaziergänger, der zufällig in der Nähe war und das "komische" Fahrverhalten des Autos beobachtete, konnte sich offenbar keinen Reim auf die ganze Sache machen und rief mit seinem Handy bei der Polizeidienststelle der Kreisstadt an.

Als die Beamten kamen und kontrollierten, bemerkten sie sofort, was der Grund für das merkwürdige Fahrverhalten war.

Feldweg ist öffentliche Straße

Der 52-Jährige Beifahrer hat sich, ebenso wie seine fahrende Lebensgefährtin, strafbar gemacht: Sie wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, er wegen des Anordnens beziehungsweise des Zulassens davon. Erwischt wird bei einem solchen Allerweltsdelikt fast nie jemand von der Polizei, falls es aber doch passiert, steht es außer Frage, dass gegen das Gesetz verstoßen wurde. "Weil ein Feldweg eben auch eine öffentliche Straße ist", wie Rechtsreferendar Mario Geyer als Vertreter der Staatsanwaltschaft feststellte.

Für den Betroffenen war der Vorfall umso schlimmer, als dass er vor allem in seiner Jugendzeit einige Vorstrafen angesammelt hat. Die Rechtsanwältin Vera Rosenzweig betonte jedoch in diesem Zusammenhang, dass ihr Mandant sich in den letzten zehn Jahren kaum etwas zuschulden kommen ließ und die letzte einschlägige Straftat länger als 20 Jahre zurückliegt. Nach einer langen Zeit der Arbeitslosigkeit, führte sie weiter aus, hat der Beschuldigte nun eine feste Arbeitsstelle und lebt mit seiner Partnerin und einem gemeinsamen Kleinkind zusammen in einer Wohnung.

Jugendsünden nicht von Belang

Auch Rosenzweig konstatierte, dass der Angeklagte "kein unbescholtenes Schäflein" sei. Durch die grundlegende Änderung seines Lebenswandels sei aber bewiesen, dass er aus seinen Fehlern gelernt habe. Mit seiner regelmäßigen Arbeit ernähre er die dreiköpfige Familie und zahle seine Schulden ab. Insofern lebe der Beschuldigte in absolut geordneten Verhältnissen, unterstrich die Juristin. Bei einem zweimonatigen Fahrverbot, das der Staatsanwalt forderte, würde der Schreinerhelfer seinen Job verlieren und die Kleinfamilie wäre auf Sozialhilfe angewiesen.

Strafrichterin Ilona Conver sah die Sache ganz ähnlich. In ihrem Richterspruch reduzierte sie die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldstrafe und verzichtete gänzlich auf ein Fahrverbot.

Ein solches Verbot, führte sie in ihrer Urteilsbegründung aus, habe laut Gesetzeskommentar eine Warnungs- und Besinnungsfunktion. Bei den gegebenen Verhältnissen wäre dies aber nicht unbedingt erforderlich, erklärte die Vorsitzende abschließend. Der 52-Jährige wurde letztlich zu einer Geldstrafe von 1400 Euro verurteilt. mw

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