Kulmbach

Preise und kluge Worte zum Finale

Bei der 90. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler gingen die Publikumspreise an Waltraud Caroline Keyn und Wieland Prechtl.
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Mit dem Acrylbild "Nordlicht III" gewann Wieland Prechtl einen der beiden Publikumspreise der 90. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler auf der Plassenburg. Foto: Barbara Herbst
Mit dem Acrylbild "Nordlicht III" gewann Wieland Prechtl einen der beiden Publikumspreise der 90. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler auf der Plassenburg. Foto: Barbara Herbst
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Nach einem letzten Blick in die Ausstellung, der Vergabe der Publikumspreise und literarischen Gedanken zum Begriff "Kunst" endete am Samstag die 90. Ausstellung des Bundes Fränkischer Künstler in der Großen Hofstube der Plassenburg. 100 Künstler hatten 144 Exponate unterschiedlicher Art präsentiert: Malerei, Skulpturen, Objekte und künstlerisch bearbeitete Fotografien.

Aus dieser Auswahl an Kunstwerken wählten die gut 1000 Besucher, die sich die Werkschau angesehen haben, zwei Favoriten: Den Fine-Art-Print "Wohl dem, der jetzt noch HEIMAT hat" von Waltraud Caroline Keyn und mit nur einem Voting weniger das "Nordlicht III" von Wieland Prechtl. Gegenständlich sind beide preisgekrönten Werke, für die BFK-Vorsitzende Anita Magdalena Franz die beiden Publikumspreise überreichte.

Malerische Szene am Marktplatz

Die Fotovorlage der weltgereisten, in Sanspareil geborenen, Waltraud Caroline Keyn, entstand mit einem zufälligen Schnappschuss auf dem Kulmbacher Marktplatz vor der Eisdiele. Der Luitpold-Brunnen ist österlich geschmückt, im Hintergrund das Rathaus, der Aufdruck auf dem Sonnenschirm wirbt für das für Kulmbach typischste Produkt. Eine Freundin blickt auf etwas Unsichtbares hinter dem Betrachter der Fotografie, ihr leuchtend gelbes Oberteil dominiert die Farben nach der Foto-Bearbeitung, die sich in weiteren Nuancen von Gelb bis ins Beige-Braune über das Bild ergießen. Nur ein kleiner Fleck Himmelsblau unterbricht die warmen Farben der Bearbeitung. Überhaupt ist Farbe für sie wichtig, sagt Waltraud Keyn. Die verwendet sie exzessiv in ihren abstrakten Bildern, und nun auch in der Technik ihrer Fotobearbeitungen. In seiner speziellen Art war Keyns Exponat, abgesehen von Fotokollagen und annähernd fotorealistischen Malereien, ein Unikat in der gesamten Ausstellung.

Spannung und Ruhe

Impressionistisch dagegen wirkt Wieland Prechtls Acrylbild vom Phänomen des Nordlichts auf den ersten Blick. Grün schillernde Schleier am sternenbesetzten Nachthimmel spiegeln sich im Wasser und der Erde im Vordergrund. Ein scharf konturierter, flacher Gebirgskamm unterbricht und kontrastiert den romantisch anmutenden Blick in die Weite einer nördlichen Landschaft.

Ausgangspunkt für Prechtls Arbeiten sind intensive Naturbeobachtungen. Prägend sind für den Bayreuther geologische Abläufe, Wettererscheinungen, sowie besondere Strukturen auch im Mikrobereich. Auf teilweise von ihm vorstrukturierten Malgründen entstehen so in verschiedenen Mischtechniken spannungsgeladene, aber zugleich Ruhe ausstrahlende Bilder. Eben dieses Spannungsfeld hat die Besucher der Ausstellung offenbar besonders fasziniert.

Literaten analysieren

Obwohl sich Kunst aus dem Betrachten und weniger aus Worten erschließt, trugen Mitglieder des Kulmbacher Literaturvereins ihre wortgewandten Gedanken zu "Kunst" im Allgemeinen und im Konkreten vor und demonstrierten mit ihrem künstlerischen Metier die Vielfältigkeit dessen, was man als Kunst bezeichnet.

Klaus und Frederike Köstner brachten ihre Gefühle beim Betrachten von Bildern zum Ausdruck.

Was ist Kunst?

Martin Meyer drehte den Spieß um und beschrieb den Ausstellungsbetrieb aus der Perspektive eines Kunstwerks, das sich am Ende als Leonardo da Vincis Mona Lisa vorstellte.

"Kunst ist..." war das Resümee von Edina Thern, die alljährlich einen fast blinden älteren Herrn durch die BFK-Ausstellungen führt und ihm dabei aphoristisch die Exponate für dessen Vorstellungen davon nahe bringt. Liselotte Bieley echauffierte sich über den Missbrauch des Begriffes Kunst und stellte die Frage in den Raum, warum man zwar auch von Kriegskunst rede, aber nie an Friedens-Kunst denke.

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